Vom TSB Horkheim zur Weltmeisterschaft: Wie Frederick Griesbach die Nationalmannschaft besser macht
Vor acht Jahren war Frederick Griesbach beim TSB Horkheim noch selbst am Ball. Bei der Handball-Weltmeisterschaft analysiert er inzwischen als Co-Trainer von Bundestrainer Markus Gaugisch die Spiele und Gegner der Nationalmannschaft.

Als seine Spielerinnen am Mittwochabend bereits unter der Dusche gestanden waren und Bundestrainer Markus Gaugisch auch die letzte Journalisten-Frage beantwortet hatte, saß Frederick Griesbach noch auf der Tribüne der Stuttgarter Porsche-Arena. Vom Feierabend war der 36-Jährige da noch ein gutes Stück entfernt, als er gemeinsam mit Videoanalyst Lukasz Kalwa den nächsten Gruppengegner der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei dieser Heim-Weltmeisterschaft in Augenschein nahm und erste Videoszenen zusammenschnitt.
Was er vor dem Duell mit Uruguay am Freitag (18 Uhr/SportEurope.tv) von den Südamerikanerinnen bei ihrer 19:31-Niederlage gegen Serbien zu sehen bekam, half dem Co-Trainer der DHB-Auswahl, sich ein klareres Bild vom großen Außenseiter der Gruppe C zu machen. Denn das war in den Wochen zuvor gar nicht so einfach gewesen.
Keine Videos und tote Links: Uruguay als großer Unbekannter
„Es war schon schwer, überhaupt den Kader herauszubekommen. Je näher das Turnier kommt, desto leichter ist es wegen der offiziellen Fristen natürlich, aber vor zwei Monaten war es noch relativ schwer, an Material und Videos zu kommen; auf der Homepage der südamerikanischen Kontinentalmeisterschaften funktionierten zum Beispiel die Links nicht“, erzählt Griesbach und lacht.
Für den gelernten Lehrer für Sport und Physik war es einst einfacher gewesen, an Videomaterial der Gegner der von ihm zwei Jahre lang trainierten A-Jugend des TSB Horkheim zu kommen, als an brauchbare Spielszenen der Auswahl Uruguays. Griesbach hatte von 2013 bis 2017 zudem selbst in Horkheim gespielt, bevor er als Trainer zum Oberligisten SV Remshalden gezogen war.
Gemeinsame Vergangenheit erleichtert schnelle Eingewöhnung
In diesem Sommer ist er als Nachfolger von Jochen Beppler zum Trainerteam von Bundestrainer Markus Gaugisch gestoßen. Beide kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit als Trainergespann bei der SG BBM Bietigheim. Nachdem Gaugisch die DHB-Auswahl übernommen hatte, blieb der Austausch rege, weil Griesbach aktuelle Informationen zu den zahlreichen Bietigheimer Nationalspielerinnen liefern konnte.
„Markus und ich haben immer noch die gleiche Denkweise und die gleiche Sicht auf das Spiel. Aber wir versuchen auch, uns immer und bewusst zu hinterfragen. Unser Vorteil ist dabei, dass wir sehr ehrlich miteinander reden und auch verschiedene Meinungen aushalten können“, sagt Frederick Griesbach.
DHB-Auswahl möchte Uruguay den Spaß am Handball nehmen
Einig ist man sich im Trainerteam, dass Uruguay, der Drittplatzierte der vergangenen Mittel- und Südamerikameisterschaft, der erstmals seit 2011 wieder an einer Weltmeisterschaft teilnimmt und 15 Spielerinnen, die bei Vereinen in der Heimat auf Amateurniveau spielen, im Kader hat, keine allzu hohe Hürde darstellen sollte.
„Die lassen ihr Herz auf dem Platz und haben im ersten Spiel gegen Serbien relativ schnell die Sympathien des Publikums erobert und gezeigt, dass sie Spaß am Handball haben. Das Ziel für uns ist, so sympathisch sie auch sind, dass sie 60 Minuten lang gar keinen Spaß am Handball haben“, sagt Griesbach.
Griesbach schafft Fundament für Halbzeit-Analyse
Der Gymnasiallehrer wird auch gegen Uruguay wieder mit dem Tablet auf dem Schoß auf der Bank sitzen und eifrig Spielszenen im Video festhalten. „Die kann ich dann mit Spielerinnen noch auf der Bank individuell besprechen. Ich markiere während des Spiels im Video aber auch mannschafts- und gruppentaktische Dinge für die Halbzeit-Besprechung, die wir uns in der Kabine über einen Beamer dann auch direkt anschauen können“, erklärt Frederick Griesbach seine Arbeit.
„Bei der Vor- und Nachbereitung der Spiele bin ich oft in der individuellen Ebene beteiligt und mache zum Beispiel das Sieben-gegen-sechs und Markus übernimmt das Spiel mit vier Rückraum-Spielerinnen.“
Gegen Uruguay zeichnen sich weitere Rotationen ab
Letzteres dürfte es auch am Freitag wieder zu sehen geben. Ansonsten werde man „nichts ganz Verrücktes ausprobieren“, das aktive und vorwärtsgerichtete Verteidigen und die Variation mit vier Rückraum-Spielerinnen aber weiter forcieren. Außerdem wird Spielzeit verteilt werden, „damit alle zu ihrer Turnierform finden“. Dementsprechend könnte auch Torhüterin Sarah Wachter, die im Auftaktspiel gegen Island (32:25) nur etwas mehr als fünf Minuten gespielt hatte, länger zum Einsatz kommen.
Am Donnerstag bat das Trainergespann „G & G“ noch zu einer Trainingseinheit in die Halle. „Die Birne dadurch nochmal in die richtige Richtung zu lenken, ist, glaube ich, nicht schlecht“, sagt Markus Gaugisch mit einem breiten Grinsen. Bei dieser Gelegenheit wurden auch jene Feinheiten im uruguayischen Spiel angesprochen, die Griesbach am Mittwochabend auf der Tribüne der Porsche-Arena entdeckt hatte.
Griesbach hat den TSB Horkheim noch immer im Blick
Obwohl sein Terminkalender als Mitglied des Trainerstabs der Nationalmannschaft nicht leerer geworden ist, hat Frederick Griesbach weiterhin ein Auge auf seinen ehemaligen Verein TSB Horkheim. „Den verfolge ich auf jeden Fall noch, wobei es natürlich weniger und weniger wird“, wie der 36-Jährige zugibt. „Aber es sind ja noch ein paar Menschen im Verein, mit denen ich noch gespielt oder die ich trainiert habe.“
Weiterhin pflege er den Kontakt zu Ex-Mitspieler Sebastian Heymann, „aber auch zu Daniel Rebmann zum Beispiel, der ja der Mann von Jasmina (Jasmina Rebmann-Jankovic, Torwart-Trainerin der Nationalmannschaft, Anm. d. Red.) ist und dessen Bruder Johannes jetzt in Horkheim spielt.“




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