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Deutschland feiert Handball-Party mit kleinen Anlaufschwierigkeiten

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Die deutsche Nationalmannschaft feiert mit 5527 Fans in Stuttgart den vorzeitigen Hauptrunden-Einzug. Der 38:12-Erfolg gegen Uruguay ist am Anfang noch schwerfällig, wird dann aber doch noch zur großen Handball-Party.

Nina Engel, Aimée von Pereira, Alina Grijseels (verdeckt), Alexia Hauf und Jolina Huhnstock (von links) feierten den Hauptrunden-Einzug mit den Fans per La Ola.
Nina Engel, Aimée von Pereira, Alina Grijseels (verdeckt), Alexia Hauf und Jolina Huhnstock (von links) feierten den Hauptrunden-Einzug mit den Fans per La Ola.  Foto: Marijan Murat (dpa)

„Kann man nicht einschätzen“, „Kennt man nicht“, „Man weiß nicht, was auf einen zukommt“: Die Meinungen der deutschen Nationalspielerinnen über ihre Gegnerinnen aus Uruguay waren vor dem zweiten Vorrundenspiel bei der Handball-Weltmeisterschaft eindeutig uneindeutig gewesen.

Am Freitagabend erwiesen sich die Südamerikanerinnen dann tatsächlich als große Unbekannte, nicht aber als allzu hohe Hürde. In Stuttgart behielt die DHB-Auswahl im allerersten Pflichtspiel-Duell zwischen beiden Mannschaften mit 38:12 (15:7) klar die Oberhand und feierte durch die damit verbundenen zwei Punkte zugleich den vorzeitigen Einzug in die Hauptrunde. „Wir nehmen auch dank der Fans sehr viel Rückenwind mit“, lobte Rückraum-Akteurin Xenia Smits das Stuttgarter Publikum unmittelbar nach Spielschluss am Hallenmikrofon.


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Uruguay zeigt sich zunächst unbeeindruckt 

Mehr als das, etwa die erwartete Handball-Party mit Kabinettstückchen und Torfestival, hatte der Abend allerdings erst nach der Halbzeit geboten.

Denn die im Ligaalltag auf Amateurniveau spielenden Uruguayerinnen, die bei der vergangenen Mittel- und Südamerikameisterschaft teilweise noch vor 80 Zuschauern gespielt hatten, zeigten sich von der großen Kulisse in der erneut ausverkauften Porsche-Arena anfangs wenig beeindruckt. Sie spielten zwar technisch nicht immer sauber, aber wie von Bundestrainer Markus Gaugisch vorausgesagt, mit viel Herz.

Viele Siebenmeter-Pfiffe in den Anfangsminuten

Nachhaltig absetzen konnte sich die deutsche Mannschaft in den ersten 20 Minuten trotz aller Überlegenheit daher nicht. Im Gegenteil, der frühe Fünf-Tore-Vorsprung schrumpfte zeitweise wieder auf einen Treffer zusammen.

Das lag einerseits an zwei unglücklichen Pfostentreffern von Spielmacherin Alina Grijseels und Linksaußen Alexia Hauf, andererseits an der kleinlichen Linie der beiden Schiedsrichterinnen aus Kuwait, die allein in den ersten 13 Minuten vier Siebenmeter für die Südamerikanerinnen pfiffen. Uruguay war zudem zu langen Ballbesitzphasen gezwungen, weil die deutsche Abwehr auf acht Metern meist resolut zu Werke ging.



„Am Anfang waren es einige Kleinigkeiten: Wenn man zwei Minuten hinten in der Abwehr steht, dann haben wir den Ball vielleicht zu schnell nach vorne gegeben, wo Mitspielerinnen noch nicht hundertprozentig frei waren“, beschrieb Antje Döll die Anfangsminuten. „So etwas ist dann immer ärgerlich und sicherlich für die Zuschauer auch ein bisschen zäh, aber am Ende haben wir es super gut gemacht, aktiv verteidigt und Ballgewinne gehabt. Von daher bin ich sehr, sehr zufrieden“, sagte die 37-jährige Spielerin der Sport-Union Neckarsulm, die „eigentlich nicht viel zu meckern“ hatte.

Neuer Schwung kommt mit Gaugischs ersten Wechseln

Neuer Schwung kam erst ins deutsche Spiel, als Gaugisch rund um die 20-Minuten-Marke seine ersten Wechsel vornahm und Nieke Kühne, Nina Engel sowie Annika Lott, die beim ersten Turnierspiel noch mit Schulterproblemen zum Zuschauen gezwungen gewesen war und am Freitagabend den Kaderplatz von Emily Vogel (Erkältung) geerbt hatte, auf die Platte schickte. Das Rückraum-Trio fand die größer werdenden Lücken im Deckungsverbund Uruguays und eroberte auch in der Abwehr den ein oder anderen Ball, was wiederum zu schnellen Gegenstoßtoren führte.


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So stand zur Pause dann doch ein bereits vorentscheidendes 15:7 auf dem Videowürfel der Porsche-Arena. Und auch die Prophezeiung von Spielführerin Antje Döll – „Das Schöne an einer WM ist ja auch, dass es die Gegner hergeben, dass man jede Spielerin in das Turnier reinkommen lassen kann und alle spätestens im zweiten Spiel ihre Minuten bekommen werden“ –, hatte sich nach den ersten 30 Spielminuten bereits erfüllt.

Lott fühlt sich beim Comeback gut − und trifft gleich drei Mal

„Ich glaube, man hat gesehen, dass ich fit bin und die Schulter hält. Ich habe mich gut gefühlt und es war ein unbeschreibliches Gefühl mit den Mädels zu spielen“, sagte Annika Lott nach der Partie, in der sie, von der Bank kommend, in etwas mehr als 20 Minuten Spielzeit drei Treffer beigesteuert hatte.

Torhüterin Sarah Wachter feierte sechs Paraden, den zweiten Turniersieg und den Einzug in die Hauptrunde.
Torhüterin Sarah Wachter feierte sechs Paraden, den zweiten Turniersieg und den Einzug in die Hauptrunde.  Foto: Marijan Murat

„Es ist immer eine Ehre, für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen zu dürfen und es war natürlich auch ein gutes Spiel für mich, um in dieses Turnier hineinzukommen“, gab die 25-Jährige vom französischen Club Brest Bretagne zu. „Es ist für uns an einem Tag wie heute auch wichtig, dass wir unseren Spaß am Handball zeigen können. Jede von uns spielt Handball, weil sie das liebt.“

Deutschland tut nach der Pause etwas für das Torverhältnis

Aus der Kabine kam die deutsche Mannschaft dann mit viel mehr Tempo und Zielstrebigkeit. Angeführt von den treffsicheren Engel und Kühne sowie der gut haltenden Sarah Wachter zwischen den Pfosten tat der Co-Gastgeber bereits durch einen 7:1-Lauf in den ersten acht Minuten nach Wiederbeginn etwas für sein Torverhältnis, schraubte das Ergebnis in standesgemäße Höhen und sorgte damit doch noch für die von den 5527 Fans erhoffte Handball-Party.

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Sarah Wachter erwartet noch Gegner anderen Kalibers

„Es ist immer wichtig, abzuwägen und smart zu sein: in welchen Situationen gehen wir in einem Spiel volles Risiko und wann nicht. Ansonsten war das heute ein guter, toller Auftritt von uns. Und es ist ja auch nicht immer leicht gegen einen deutlich schwächeren Gegner zu spielen, aber das haben wir echt gut gemacht“, bilanzierte Antje Döll, die bei sechs Toren mit einer hundertprozentigen Trefferquote überzeugte.

„Die Gegner, die uns auf den Zahn fühlen, werden in diesem Turnier aber noch kommen“, sagte Sarah Wachter in weiser Voraussicht. Bereits gegen Serbien dürfte die Aufgabe am Sonntagabend (18 Uhr, Porsche-Arena) dann auf jeden Fall etwas anspruchsvoller werden. „Das Wichtigste ist, dass du ein solches Spiel so angehst, dass du danach nicht über Negatives sprechen musst“, sagte Bundestrainer Gaugisch. „Und vor allem nicht über Dinge wie Einstellung. Das gelingt uns jetzt zum wiederholten Mal und das gefällt mir sehr, sehr gut.“


Deutschland: Wachter (6 Paraden); Filter (6 Paraden) – Behrend (2), Leuchter (1), Von Pereira, X. Smits (4), Grijseels (1), Hauf (2); Engel (7/3), Antl (1), Thomaier (1), Kühne (7), Lott (3), Maidhof (2), Döll (6/3), Huhnstock (1).

Erfolgreichste Werferinnen Uruguay: Sabrina Grieco Vigna (2), Camila Barreiro Guerra (2).

Schiedsrichterinnen: Maali Al-Enezi/Dalal Al-Naseem (Kuwait).

Siebenmeter: Uruguay: 4/7; Deutschland: 6/7.

Zeitstrafen: 1/2.

Zuschauer: 5527 (ausverkauft).


Spielerinnen-Quartett der Sport-Union Neckarsulm ist im Turnier angekommen

Neben Deutschland und Antje Döll sind inzwischen auch die drei anderen WM-Teilnehmerinnen der Sport-Union Neckarsulm ins Turnier gestartet. Bereits am Donnerstagabend hatte Tschechien trotz zwei Toren von Kamila Kordovská mit 23:31 gegen Schweden verloren.

Während das deutsche Team bereits sein zweites Spiel bestritt, waren Österreich mit Lena Ivancok und Polen mit Paulina Uscinowicz am Freitagabend erstmals im Einsatz. Ivanock und die Alpenrepublik hatten nach einem 29:20 in Rotterdam gegen Ägypten ebenso Grund zur Freude wie Polen in ‘s-Hertogenbosch gegen China (36:20) – auch dank vier Uscinowicz-Toren. 

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