27:3 Punkte: TSV Weinsberg beendet Saison mit legendärer Heimbilanz
Die Weinsberger Regionalliga-Männer gewinnen in der Weibertreuhalle gegen den VfL Waiblingen nicht nur ihr vorletztes Saisonspiel, sondern auch ihr zehntes Heimspiel in Serie. Abschiede gibt es vorwiegend im Trainerteam.

Die Nachspielzeit passte zur besonderen Saison der Regionalliga-Männer des TSV Weinsberg: Es waren besondere Momente, als sich die Mannschaft am Samstagabend in der Weibertreuhalle drei Turnbänke schnappte, vor der Tribüne platzierte und die 21 Personen sich vis-à-vis der Fans bei gedimmten Licht hinsetzten. „Es ist nicht selbstverständlich, dass bei einer Verabschiedung hier die Halle voller ist als bei anderen Vereinen bei Spielen“, sagte Torhüter Stefan Koppmeier. 400 Zuschauer waren zum letzten Heimspiel gegen den TSV Waiblingen gekommen, mehr als die Hälfte waren nach dem 36:25 (16:10)-Sieg geblieben: Sie wollten dabei sein, beim Abschied von Trainer Edin Hadzimuhamedovic.
„Edin ist der Baumeister der Entwicklung der vergangenen Jahre. Er hat extrem viel Zeit und Herzblut reingesteckt“, erklärte Stefan Koppmeier, der verlängerte Arm des Trainers auf dem Feld, der mit seinen 31 Jahren auch der mit Abstand älteste Spieler der jungen Truppe ist. Der Altersschnitt liege bei 20, 21 Jahren, man wird die Saison nächste Woche in den Top Vier, Top Fünf beenden: „Das ist so viel mehr als wir erwartet hatten.“
Aufwärtstrend der jungen Weinsberger Mannschaft setzt sich fort
Vor einem Jahr waren die jungen Wilden aus der Weibertreu-Stadt überraschend mit 22:38 Punkten Elfter geworden, sind vor dem letzten Spiel bei der HSG Ostfildern am Sonntag mit 38:20 Punkten und einer sagenhaften Heimbilanz Fünfter. Der VfL Waiblingen war schon die zehnte Mannschaft in Serie, die seit dem 33:33 gegen Tabellenführer TSB Schwäbisch Gmünd Anfang November in der Festung Weibertreuhalle unterlag. 27:3 Punkte zu Hause in der vierthöchsten Liga, das ist schon jetzt legendär. „So eine Heimbilanz hatte ich noch nie, Wahnsinn“, sagte Rückraum-Spieler Jonas May, der mit 26 Jahren der Zweitälteste des Teams.
May steuerte drei seiner fünf Tore in der Anfangsviertelstunde bei, da stand es 8:5 für den TSV. Dass es schwer für Waiblingen werden würde, war klar, denn den Gästen standen nur drei Auswechselspieler zur Verfügung. Doch Weinsberg verteidigte gegen die „Tigers“ wild entschlossen. „Unsere Abwehr war perfekt“, urteilte Dean Köhler, so dass sich die Torhüter auszeichnen konnten: Stefan Koppmeier mit 14, in der zweiten Hälfte dann Marc Krammer mit sechs Paraden. Zweimal führte der TSV mit 14 Toren (27:13 in der 40. und 34:20 in der 52. Minute), am Ende hatten bei der 36:25-Machtdemonstration alle reichlich Spielzeit bekommen.
Kein zweiter Anzug: Beim TSV Weinsberg sind alle wichtig
Es sei der große Vorteil der Mannschaft, dass jeder Spieler im Laufe der Monate Verantwortung übernommen habe. „Deshalb sieht das bei uns gar nicht so nach zweitem Anzug aus“, sagte Stefan Koppmeier. So glänzte beispielsweise Jannik Schmitt, etatmäßig vierter Kreisläufer, mit fünf Toren. „Das war ein ganz besonderes Spiel, nämlich mein letztes Heimspiel für Weinsberg“, sagte der 21-Jährige, der nach zwei Jahren zur SG BBM Bietigheim II in die Oberliga wechselt. „Dass ich so hier aufhören darf, so viel Vertrauen vom Trainer im letzten Heimspiel bekommen habe, ist überragend.“

Neben Jannik Schmitt wurde von Abteilungsleiter Marco Horst noch Nils Eilers verabschiedet. Der 26-jährige Linksaußen, erster Siebenmeterschütze mit insgesamt bisher 109 Toren diese Saison, schließt sich Drittliga-Aufsteiger Schwäbisch Gmünd an. „Das Tolle:“, sagte Stefan Koppmeier erfreut: „Der Rest bleibt zusammen.“ Doch der Trainer, der vor 27 Jahren nach Weinsberg kam, geht – einen Schritt zurück.
Familiengefühle machen Trainer Edin Hadzimuhamedovic die Arbeit leicht
Nach Applaus im Stehen und rhythmischem Klatschen von Zuschauern und Spielern sagte Edin Hadzimuhamedovic zu seinen zwei Jahren als Trainer und Kaderplaner: „Es hat sich wie Familie angefühlt, das macht es so leicht.“ Der 49-Jährige hat die B-Jugend übernommen, die er am Sonntag in Neuhausen/Filder in vier Qualifikationsspielen zur Regionalliga betreute. Seine Motivation: „Ich will das, was auch ich bekommen habe, weitergeben.“
Das fruchtet beim TSV Weinsberg: Neun Spieler der Regionalliga-Mannschaft „haben bei uns in der Jugend gespielt“, sagte Edin Hadzimuhamedovic, „und wir haben gegen Waiblingen mit zwei A-Jugend-Spielern begonnen“. Auch das ist besonders.
Spielstatistik
TSV Weinsberg: Koppmeier (14 Paraden), Krammer (6 Paraden), Koch – J. Pröllochs (7), May (5), Rieser (5/2), Schmitt (5), Eilers (4/2), Paulsen (4), Kandic (3), Ehrlich (2), Köhler (1), Brodmann, Schimoneck, Titzmann, Weber.
Erfolgreichste Werfer VfL Waiblingen: Lion Haase (9/4), Dominik Burgi (5).
Schiedsrichter: Markus Kolb/ Samuel Wilhelm.
Siebenmeter: TSV Weinsberg: 4/7; VfL Waiblingen: 4/6.
Zeitstrafen: 2/3.
Zuschauer: 400.
Marc Krammer beerbt Torwarttrainer Oliver Rieth
Beim TSV Weinsberg gibt es rund um die Mannschaft mehr Veränderungen als im Kader selbst. Am Samstagabend wurde nicht nur Trainer Edin Hadzimuhamedovic verabschiedet, sondern auch Torwarttrainer Oliver Rieth und Physiotherapeut Michael Kaluza. Dass Stefan Martin den Chefposten übernimmt, war bekannt. Wobei Edin Hadzimuhamedovic sagte: „Stefan war nie Co-Trainer für mich, sondern immer Kollege. Ich weiß meine Mannschaft in guten Händen.“ Marco Horst, Leiter der Handballabteilung des TSV, verriet nun, wer Oliver Rieth beerbt: „Wir haben heute Marc Krammer letztmals im Trikot gesehen, er wird unser neuer Torwarttrainer.“ Oliver Rieth ist erleichtert.
„Dieser Wechsel ist schon stressig“, sagte der Fachmann für die besondere Position. Sein Arbeitstag hatte bei den Bundesliga-Frauen der Sport-Union Neckarsulm begonnen, bei der er die Torhüterinnen auf das erste Playoff-Heimspiel eingestellt und in der Halbzeit noch Tipps gegeben hatte. „Dann bin ich nach Weinsberg gefahren“, sagte Rieth und erkundigte sich nach dem Endergebnis der Frauen. „Es ist eine Riesenumstellung, gerade von den Wurfbildern“, sagt der 59-Jährige nach zwei Jahren Doppelschichten. „Das hatte ich anfangs unterschätzt.“ Torhüter Stefan Koppmeier ist guter Dinge mit Blick auf die Umstellungen beim TSV: „Wir haben einen nahtlosen Übergang. Es tut immer gut, nach zwei Jahren neue Reize zu haben.“
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