Weinsberger Schaulaufen unter der Weibertreu
Der TSV Weinsberg entscheidet sein Regionalliga-Spiel gegen den TV Plochingen in weniger als 25 Minuten. Beim Heim-Comeback von Torhüter Marc Krammer fällt sogar fast die 50-Tore-Marke.

Die 50 wäre am Samstagabend auf der linken Seite der Anzeigetafel der Weibertreuhalle im Bereich des Möglichen gewesen, ganz sicher. Hätte der TSV Weinsberg in den fünf Schlussminuten des 22. Regionalliga-Spieltags nicht sein berühmt-berüchtigtes Tempospiel ein wenig gedrosselt, der TV Plochingen wäre mit 50 Gegentoren im Gepäck zurück in den Landkreis Esslingen gefahren. So waren es letztlich deren 48, die die Weinsberger dem TVP in ihrem 60-minütigen Schaulaufen beim 48:28 (24:15)-Erfolg einschenkten.
Was dabei besonders imponierte, war die mannschaftliche Geschlossenheit mit der der TSV Weinsberg das tat. Niemand fiel leistungstechnisch ab, niemand ließ trotz einer schon früh komfortablen Führung – 18:9 nach 22 Minuten – nach, niemand blieb außen vor.
TSV Weinsberg überzeugt mit Variabilität im Angriffsspiel
Stattdessen trafen die Gastgeber mal über den schrittweise in die Mannschaft zurückfindenden Nicolas Ehrlich mit ihrem gewohnten Tempospiel, mal dank Jonas May mit Kraft aus dem Rückraum und mal nach feinen Kreis-Anspielen auf Din Kandic und nach der Pause vor allem auf Samuel Schmid. Garniert wurde all das mit starken Torhüter-Leistungen von Stefan Koppmeier und Rückkehrer Marc Krammer.
„Ich dachte, in so schwierigen Wochen tut uns ein erfahrener Mann gut“, verriet Trainer Edin Hadzimuhamedovic, wie der 35-Jährige Schlussmann aus der zweiten Mannschaft plötzlich wieder in der Ersten gelandet war. Co-Trainer Stefan Martin hatte schließlich zum Telefonhörer gegriffen und Krammer bereits in der Vorwoche für die Duelle mit dessen beiden Ex-Vereinen TSV Heiningen und TV Plochingen reaktiviert.
Marc Krammer ist bei seiner Rückkehr gleich auf Betriebstemperatur
„Letzte Woche habe ich schon etwas Anlaufzeit gebraucht“, sagte Krammer lachend. „Da habe ich gemerkt, dass ich seit einem Dreivierteljahr nicht mehr auf diesem hohen Niveau trainiert hatte.“ Gegen den TV Plochingen benötigte der Mann in den kurzen Hosen keine Anlaufzeit: Die ersten beiden Strafwürfe parierte Krammer gleich in altbekannter Siebenmeter-Killer-Manier.
Ob es bei den beiden Kurz-Comebacks bleibt? „Das wird jetzt von Woche zu Woche entschieden“, verriet Krammer. Das neu gebildete „KKK-Trio“ zwischen den Pfosten mit ihm, Koppmeier und dem am Samstag in der Schlussphase ebenfalls gut aufgelegten Nicolas Koch ergänzt sich jedenfalls bestens. „Wir verstehen uns gut und ich kenne meine Rolle: aushelfen, wenn es nötig ist“, sagte Krammer und lag damit auf einer Wellenlänge mit seinem Trainer.
Viel Spaß, aber keine Demütigung: TSV Weinsberg beweist Charakter
„Wir sind wirklich eine Mannschaft. Hier kämpft jeder für den anderen und hier freut sich auch jeder für den anderen. Die Jungs haben, egal wie viel sie gespielt haben, bis zum Schluss überragend gut gekämpft und viele richtige Entscheidungen getroffen“, adelte Hadzimuhamedovic seine Schützlinge, die gegen den Tabellenvorletzten früh sichtlich Spaß am Handballspielen gefunden hatten, die von Anfang an chancenlosen Plochinger dabei aber zu keinem Zeitpunkt vorführten – auch das ein wichtiger Charakterzug im Angesicht des Erfolgs.
Der Leitwolf ist zurück
Nicolas Ehrlich tastet sich langsam wieder zurück in den Regionalliga-Alltag. Vier Spiele hatte der Weinsberger Spielmacher seit Mitte Januar mit Pfeifferschem Drüsenfieber verpasst. Nach zwei Treffern in der Vorwoche gegen den TSV Heiningen war der 21-Jährige gegen denTV Plochingen dreimal erfolgreich.
„Er ist der absolute Leitwolf und Führungsspieler dieser Mannschaft und hat uns auswärts zuletzt gefehlt“, sagte Edin Hadzimuhamedovic. Die schrittweise Rückkehr Ehrlichs erweitert den Strauß an taktischen Möglichkeiten beim TSV.
Normale Schwankungen: Hadzimuhamedovic sorgt sich nicht
Durch den 20-Tore-Sieg – nur das 42:15 im Januar gegen Tabellenschlusslicht TV Blaustein war in dieser Spielzeit deutlicher – ist der TSV Weinsberg weiterhin Teil der erweiterten Spitzengruppe der Regionalliga. Dass die Bilanz von nun zehn nicht verlorenen Begegnungen in der Weibertreuhalle hintereinander zu wenig für den Sprung nach ganz vorne ist, liegt daran, dass der TSV seit Mitte November nicht mehr in der Fremde gepunktet hat. Warum das so ist?
„Nachdem es für mich schwierig zu erklären war, wie wir in der Hinrunde den zweiten Platz geholt hatten, ist das jetzt für mich ganz leicht: Aktuell ist es einfach das wahre Leben. Dass eine so junge Mannschaft in einem Jahr Schwankungen hat, damit musst du als Trainer leben“, sagte Edin Hadzimuhamedovic. An Samstagabenden wie jenem gegen den TV Plochingen lebt es sich als Trainer besonders gut.
TSV Weinsberg: Koppmeier; Koch, Krammer – Zeisler (4), J. Pröllochs (7), Titzmann (4), Kandic (4), May (4), Paulsen; P. Brodmann (3), Schimoneck (4), N. Pröllochs, Köhler, Ehrlich (3), Schmid (7), Eilers (8/3).
Erfolgreichster Werfer TV Plochingen: Axel Steffens (6/3).
Schiedsrichter: Stephan Long/Sebastian Schott.
Siebenmeter: TSV Weinsberg: 3/3; TV Plochingen: 4/7.
Zeitstrafen: 5/5.
Disqualifikation: Dusan Ilijin (TV Plochingen/43.).
Zuschauer: 220.
Kommentare öffnen


Stimme.de
Kommentare