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Handball-Regionalliga
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Die spektakuläre Rückkehr des Mathis Paulsen beim TSV Weinsberg

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Der TSV Weinsberg deklassiert Schlusslicht TSV Blaustein zum Rückrundenstart mit 42:15 und feiert die Rückkehr von Mathis Paulsen. Immer wieder sorgen Kreuzbandrisse für Rückschläge.

Erstes Spiel und erstes Tor nach rund zehnmonatiger Pause: Der 18-jährige Mathis Paulsen (rechts) trifft nach knapp 24 Minuten zum 15:6 und wird besonders gefeiert.
Erstes Spiel und erstes Tor nach rund zehnmonatiger Pause: Der 18-jährige Mathis Paulsen (rechts) trifft nach knapp 24 Minuten zum 15:6 und wird besonders gefeiert.  Foto: Berger, Mario

Die Regionalliga-Männer des TSV Weinsberg spielen Hochgeschwindigkeitshandball. Torhüterparade, langer Ball, Tor – das passiert in Sekundenschnelle. Manche Tore haben aber eine monatelange Vorgeschichte. Wie der außerordentlich umjubelte Treffer von Mathis Paulsen zum 15:6 beim sagenhaften 42:15 (20:6)-Sieg gegen den TSV Blaustein beim Rückrundenstart.

Es waren am Samstagabend in der Weibertreuhalle 23 Minuten und 56 Sekunden gespielt, als Mathis Paulsen bei einem dieser Expresskonter traf. Alle Spieler auf der Weinsberger Bank sprangen auf, viele Zuschauer, der 18-Jährige aus Ellhofen fiel auf dem Spielfeld als erstes Mitspieler Jan Pröllochs in die Arme, dann an den Außenlinie Trainer Edin Hadzimuhamedovic, was zweifelsohne unterstrich: Das war kein alltägliches Tor.

Kreuzbandriss: Mathis Paulsen ist nach knapp zehn Monaten Pause zurück

„Endlich wieder spielen zu dürfen nach so langer Zeit, war echt geil. Besser hätte ich es mir nicht vorstellen können“, sagte Mathis Paulsen knapp zehn Monate nach seinem Kreuzbandriss. Der Linksaußen („Ich war extrem nervös“) traf nach seiner Einwechslung zwei Mal, warf unter anderem einen Traumpass über das ganze Feld auf Weinsbergs am Samstag mit sieben Treffern erfolgreichsten Torschützen Maximilian Zeisler und war schlichtweg selig vor Freude, wurde von allen Mitspielern innig geherzt.

„Endlich wieder spielen zu dürfen nach so langer Zeit, war echt geil. Besser hätte ich es mir nicht vorstellen können.“

Mathis Paulsen

Es war kein Zufall, dass Jan Pröllochs erster Gratulant gewesen war. „Das ist mein Mann in der Mannschaft“, sagte Mathis Paulsen. Weil sie sich schon ewig kennen. Und weil sie beide harte Reha-Monate zusammen verbracht haben – auch Jan Pröllochs hatte 2025 einen Kreuzbandriss, ein paar Wochen vor Paulsen. Pröllochs freute sich „brutal für Mathis, dass er so gut zurückgekommen ist“. So wie der 18-jährige Pfedelbacher selbst, der vor ein paar Tagen einen Einjahresvertrag beim TSV unterschrieben hat.

Ein Foto mit drei Handballern und drei verschiedenen Kreuzbandrissphasen

Im März 2025 war beim Fest des Sports in Heilbronn ein besonderes Foto entstanden: Die drei jungen Kerle Mathis Paulsen, Jan Pröllochs und Justus Köhler stehen nebeneinander, stehen für drei verschiedene Phasen des Kreuzbandrisses. Jan Pröllochs vergaß im Moment der Freude nicht die Leidensgenossen: Er hoffe, dass Justus Köhler, der zur zweiten Mannschaft gehört, möglichst bald wieder richtig fit werde.

Drei verschiedene Stadien eines Kreuzbandrisses von Spielern des TSV Weinsberg, aufgenommen beim Fest des Sports im März 2025 (von links): Justus Köhler, Mathis Paulsen und Jan Pröllochs.
Drei verschiedene Stadien eines Kreuzbandrisses von Spielern des TSV Weinsberg, aufgenommen beim Fest des Sports im März 2025 (von links): Justus Köhler, Mathis Paulsen und Jan Pröllochs.  Foto: Berger, Mario

„Und nicht zu vergessen Basti!“, erinnerte Jan Pröllochs. Der 19-jährige Sebastian Mühlegg wurde am 8. Januar  operiert – Kreuzbandriss. „Ich werde ihn die nächsten Tage zu Hause besuchen“, kündigte Trainer Edin Hadzimuhamedovic an und betonte: „Wir kümmern uns um verletzte Spieler noch mehr als um gesunde.“ Die jungen Kerle liegen ihm sehr am Herzen. Weil er sie zum Teil seit der D- oder C-Jugend trainiere: „Das sind meine Jungs!“ 

TSV Blaustein 21 Minuten ohne Torerfolg

Jeder verletzte Spieler fehlt. Trotzdem zelebriert das Team des Tabellenzweiten ungebremst sein Tempospiel mit gnadenloser Abwehr. Das bescherte den dezimierten und völlig überforderten Gästen zwischen dem 7:6 und dem 22:7 tatsächlich 21 Minuten ohne Torerfolg und einen 0:15-Lauf. „In der Regionalliga hat es so etwas wahrscheinlich noch nicht gegeben“, sagte Edin Hadzimuhamedovic.

„In der Regionalliga hat es einen 0:15-Lauf wahrscheinlich noch nicht gegeben.“

Edin Hadzimuhamedovic

Der scheidende Cheftrainer versicherte nach dem zweiten Heimspielsieg mit 42 Toren hintereinander - am 6. Dezember wurde die HSG Willstädt/Hanauerland 42:32 geschlagen: „Wir werden weiterhin mit viel Demut von Spiel zu Spiel denken. Wir werden jetzt auf keinen Fall überheblich.“

Kreuzbandriss bedeutet mindestens neun Monate Pause - mindestens

Und Edin Hadzimuhamedovic freute sich: „Mathis hat sich seinen Einsatz und seine Tore durch Leistung und Können verdient. Die Spielzeit hat er nicht geschenkt bekommen.“ Schon vor dem Spiel sei abgemacht gewesen, dass es bei der Rückkehr nicht mehr als 20 Minuten sein werden - Vorsichtsmaßnahme. Ebenso, „dass bei uns jeder Spieler nach einem Kreuzbandriss mindestens neun Monate nicht eingesetzt wird“. 

„Wir haben eine junge Mannschaft und sind in der gleichen Phase, in der Weinsberg vor zwei Jahren war.“

Felix Hirsmüller, Trainer des TSV Blaustein

Sein Kollege Felix Hirsmüller, erst ein paar Tage zuvor hatte er überraschend das Traineramt beim TSV Blaustein übernommen, sagte nach seiner Premiere einerseits geknickt, andererseits anerkennend: „Du kannst dich nicht 60 Minuten gegen dieses Tempospiel wehren. Wir haben eine junge Mannschaft und sind in der gleichen Phase, in der Weinsberg vor zwei Jahren war.“ Auf die Jugend setzen lohnt sich - auch wenn es mal Enttäuschungen und Rückschläge gibt. Oder Kreuzbandrisse.

TSV Weinsberg: Koppmeier; Koch – Zeisler (7), Eilers (5/5), Kandic (5), J. Pröllochs (5), Schimoneck (5), Brodmann (4); Ehrlich (2), Paulsen (2), Schmid (2), Titzmann (2), Köhler (1), May (1), Weber (1), N. Pröllochs.

Erfolgreichste Werfer TSV Blaustein: Daniel Schmid (4), Yannis Fleischer (3).

Schiedsrichter: Roland Hofmann/Daniel Sohns.

Siebenmeter: Weinsberg: 5/5; Blaustein: 2/5.

Zeitstrafen: 3/4.

Disqualifikation: Florian Hipp (20./Blaustein).

Zuschauer: 250.

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