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Der Bessermacher der Sport-Union

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Oliver Rieth ist als Torhüterinnen-Trainer die Konstante im Team der Sport-Union Neckarsulm. Am Samstag wartet auf den Bundesligist ein wichtiges Heimspiel gegen Bad Wildungen.

Trainer kommen, Trainer gehen, doch Oliver Rieth (Mitte) ist seit Jahren fester Bestandteil des Neckarsulmer Bundesliga-Teams. Auch Mart Aalderink (links) weiß die Arbeit seines Torhüterinnen-Trainers zu schätzen.
Trainer kommen, Trainer gehen, doch Oliver Rieth (Mitte) ist seit Jahren fester Bestandteil des Neckarsulmer Bundesliga-Teams. Auch Mart Aalderink (links) weiß die Arbeit seines Torhüterinnen-Trainers zu schätzen.  Foto: Veigel, Andreas

"Natürlich muss man ein Stück weit verrückt sein", sagt Oliver Rieth und lacht. Wer sich freiwillig aus kürzesten Distanzen Kunstleder-Bälle um die Ohren werfen lasse, der sei schon ein wenig speziell, gibt der Torwarttrainer der Sport-Union Neckarsulm mit einem Schmunzeln zu. Doch dass Sarah Wachter, Valentyna Salamakha und Anita Polácková möglichst wenig um die Ohren fliegt, liegt im Verantwortungsbereich von Oliver Rieth.

Am Samstagabend, wenn die Bad Wildungen Vipers ab 18 Uhr in der Ballei gastieren, könnten die Torhüterinnen den Unterschied ausmachen. Denn die statistisch zweitschlechteste Abwehr (Bad Wildungen), trifft auf die drittschlechteste (Neckarsulm) - es könnte also ein Spiel der Torhüterinnen werden.

Rieth ist mit einer kurzen Unterbrechung seit 2017 im Amt

Daher ist Oliver Rieth, den in Neckarsulm alle nur "Oli" nennen, bereits Mitte der Woche damit beschäftigt, den Gegner und dessen Wurfverhalten zu analysieren. "Ich versuche, die Torhüterinnen so vorzubereiten, dass sie später im Spiel nicht überrascht werden." Neben der Arbeit in der Halle mit Reaktions- und Konzentrationsübungen gehört daher auch die Beobachtung der gegnerischen Wurfbilder zum Alltag des 56-Jährigen.

Seit 2017 ist Rieth - mit einer kurzen Unterbrechung - im Unterland für die Torhüterinnen verantwortlich. Damals hatte er, vom TSV Weinsberg kommend, den Job von Sven Fischer übernommen und hat seitdem fünf Trainer erlebt und zahlreiche Torhüterinnen betreut. Spielerinnen und Trainer kamen und gingen, doch Rieth blieb.

Bei seiner Arbeit hat er weitgehend freie Hand, steht aber in stetem Austausch mit dem Cheftrainer - auch vor Neuverpflichtungen für die Position zwischen den Pfosten. "Es gab immer Absprachen, mit Tanja Logvin, mit Pascal Morgant und jetzt auch mit Mart", erzählt Oliver Rieth.


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Großes Lob vom aktuellen Cheftrainer

In den vergangenen Monaten hat die Kommunikation aber noch einmal deutlich zugenommen. Denn ohne nominellen Co-Trainer ist Rieth für Trainer Mart Aalderink erster Ansprech- und Diskussionspartner. "Ich liebe es echt, mit Oli zusammenzuarbeiten", sagt der Niederländer. "Oli hat nicht nur Ahnung vom Torwart-Spiel, sondern er versteht das Spiel auch allgemein. Wir besprechen daher viel auf der Bank." Aalderinks Abwehr-Ideen und das Bewegungsverhalten der Torhüterinnen erfordern schließlich ein enges Zusammenspiel.

Sarah Wachter (links) war in dieser Saison schon mehrmals ein sicherer Rückhalt für die Sport-Union. Neuzugang Valentyna Salamakha bringt viel Erfahrung ein.
Sarah Wachter (links) war in dieser Saison schon mehrmals ein sicherer Rückhalt für die Sport-Union. Neuzugang Valentyna Salamakha bringt viel Erfahrung ein.  Foto: Veigel, Andreas

Dass die Sport-Union in der Bundesliga bislang mehr als 31 Tore pro Spiel hinnehmen musste, liegt zu allerletzt am Torhüterinnen-Trio. Die ambitionierte Sarah Wachter (23), die routinierte Valentyna Salamakha (36) und die engagierte Anita Polácková (19) verkörpern durchaus gewisse Gegensätze, was gewollt ist. "Wir versuchen immer, mindestens zwei unterschiedliche Torhüterinnen im Kader zu haben", erklärt Rieth. Das gelte für den persönlichen Charakter wie für die Bewegungsabläufe.

Gutes Miteinander zwischen den Torhüterinnen

In der Theorie birgt ein solches Konstrukt durchaus Konfliktpotential, doch bei der Sport-Union herrsche ein gutes Miteinander, versichert Rieth. "Valy ist mit der Situation sicherlich nicht zufrieden, sie will spielen", sagt Rieth. "Doch Sarah ist derzeit im Flow. Es werden aber auch wieder schwächere Phasen kommen - und dann ist Valy da und macht Druck."

Erste, zweite, fünfte Liga − Anita Polácková hat bisher viel Flexibilität bewiesen.
Erste, zweite, fünfte Liga − Anita Polácková hat bisher viel Flexibilität bewiesen.  Foto: Veigel, Andreas

Für Anita Polácková sei hingegen das Zweitspielrecht in Ketsch ein wichtiger Schritt gewesen. "Sie ist eine junge Spielerin, die mehr als fünf oder zehn Minuten Spielzeit braucht. Wir wollten sie nicht hängenlassen", erklärt Oliver Rieth. Die tschechische U-Nationalspielerin hat bislang einen vielversprechenden Eindruck hinterlassen - auch abseits des Feldes.

Stolz auf Wachters Entwicklung zur Nationalspielerin

Fast schon zur Routine ist inzwischen Wachters Berufung in die Nationalmannschaft geworden. Unter der Woche erhielt sie eine Einladung für die WM-Playoff-Partien gegen Griechenland. "Das macht mich selbst auch stolz", sagt Oliver Rieth, der Wachter zur Nationalspielerin formte.

Groll über ihren Wechsel nach Dortmund hegt er nicht. Im Gegenteil: "Für sie ist der Schritt genau richtig, sie muss international spielen" und werde sich mittelfristig auch in der Nationalmannschaft als Stammkraft etablieren, ist Rieth überzeugt. "Sarah hat unglaublich an Selbstvertrauen gewonnen und sich auch in ihrer Persönlichkeit weiterentwickelt." Am Samstag könnte genau das den Unterschied ausmachen.

 
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