Heute Homeoffice, morgen Büro
Unternehmen und Beschäftigte haben flexiblere Arbeitsformen schätzen gelernt. Wie werden wir künftig arbeiten? Manche Unternehmen in der Region zeigen, wo die Reise hingeht.

Die Arbeitswelt befindet sich in einem rasanten Wandel, sie wird vielfältiger, flexibler, aber auch unübersichtlicher. Treiber ist die Digitalisierung, die überkommene Arbeitszeitmodelle und -routinen infrage stellt und teilweise überflüssig macht. Die Corona-Krise mit dem plötzlichen Zwang zum Homeoffice hat diesen Wandel beschleunigt.
Klar ist: Das klassische Arbeitsmodell im Büro, wo man sich morgens um 8 Uhr an seinen Schreibtisch setzt und um 17 Uhr den Rechner wieder herunterfährt, hat weitgehend ausgedient.
Hybrides Arbeiten, also eine Mischung aus mobilem Arbeiten etwa im Homeoffice und Präsenz im Büro, ist stattdessen angesagt. Während der Pandemie hat das in den meisten Unternehmen erstaunlich gut funktioniert. Und Umfragen zeigen, dass ein Großteil der Beschäftigten auch künftig solche flexiblen Arbeitsformen beibehalten will.
In der Wirtschaft vollzieht sich ein Kulturwandel
Thomas Batz, Studiendekan BWL-Dienstleistungsmanagement an der DHBW Heilbronn, spricht von einem Kulturwandel, der sich in der Wirtschaft vollzieht. "In vielen Köpfen ist immer noch drin: Wenn ein Mitarbeiter zwölf Stunden im Büro ist, ist es ein super Mitarbeiter", sagt Batz. Das gelte nun nicht mehr, künftig müssten Mitarbeiter nach Leistung und nicht nach Anwesenheit beurteilt werden. Entsprechend müssten Führungskräfte umdenken, die ihre Beschäftigten am liebsten immer im Büro sähen, weil sie dort vermeintlich mehr arbeiten als zu Hause.
Forscher Batz hingegen hat festgestellt, dass die Produktivität im Homeoffice häufig größer ist als im Büro. Zudem sei Homeoffice ein wichtiges Instrument, um für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu sorgen.
In Unternehmen wie Würth oder Bosch ist flexibles Arbeiten längst möglich
Weite Teile der Wirtschaft haben sich längst auf den Weg in die neue Arbeitswelt gemacht und ermöglichen ihren Mitarbeitern flexibles Arbeiten. Corona hat dieser Entwicklung einen zusätzlichen Schub verliehen. "Das Jahr 2020 hat uns angespornt, kreativer gemacht", sagt beispielsweise Robert Friedmann, Chef der Künzelsauer Würth-Gruppe. Künftig setzt man bei dem Handelskonzern auf "einen gesunden Mix zwischen digitalen und persönlichen Treffen", sagt er.
Denn klar sei auch, dass es gerade im Vertrieb auf persönliche Begegnungen und Kontakte ankomme. Ähnlich wird das Thema auch beim Autozulieferer Bosch gehandhabt, wo im Rahmen des Projekts "Hybrides Arbeiten" die positiven Erfahrungen der Corona-Monate genutzt werden sollen, um ein zukunftstaugliches Konzept für die mobile Arbeit und die Arbeit vor Ort zu entwickeln.
Desk-Sharing und Clean-Desk-Policy
Auch die Büroarbeit ändert sich - nicht zuletzt dadurch, dass durch Homeoffice der Platzbedarf sinkt. So wird künftig nicht mehr jeder Mitarbeiter seinen eigenen Schreibtisch haben, den er individuell gestalten kann. Immer mehr Unternehmen wie Würth oder Recaro setzen auf flexible Konzepte: Der Mitarbeiter schnappt sich morgens seinen Rollcontainer und sucht sich einen freien Schreibtisch - den er abends aufgeräumt wieder verlässt.
Desk-Sharing und Clean-Desk-Policy heißt das neudeutsch, auch wenn das papierlose Büro noch immer eine Utopie ist. Damit sich Mitarbeiter dennoch wohlfühlen und gerne ins Büro kommen, gehören moderne Rückzugsräume mit gemütlichen Sesseln, Kaffeebars oder Stehtische für Besprechungen in lockerer Atmosphäre inzwischen zur Standardeinrichtung in vielen Unternehmen.
Studie "Arbeiten in der Corona-Pandemie"
Die Deutsche Gesellschaft für Personalführung hat in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation für die Studie "Arbeiten in der Corona-Pandemie" mehr als 500 Unternehmen befragt. Ergebnis: 71 Prozent wollen ihren Mitarbeitern auch nach Corona mehr Möglichkeiten zum Arbeiten im Homeoffice geben. Unterm Strich sei das erfolgreich gewesen. Mehr als die Hälfte der Befragten sagte, dass die Leistung der Mitarbeiter während des Distanzarbeitens gleich geblieben sei, und mehr als 30 Prozent melden sogar eine Produktivitätssteigerung.



Stimme.de
Kommentare