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Landtagswahl

Große Unterschiede: So haben sich die Hohenloher Kandidaten beim Wahlforum geschlagen

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Beim HZ-Wahlforum sitzen die sechs Hohenloher Kandidaten der Grünen, CDU, AfD, SPD, FDP und Linken auf der Bühne. Die inhaltlichen Unterschiede werden deutlich. 

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Die sechs Kandidaten der im Land- und Bundestag vertretenen Parteien stellen sich den Fragen von Ralf Reichert (links) und Yvonne Tscherwitschke (rechts).
Die sechs Kandidaten der im Land- und Bundestag vertretenen Parteien stellen sich den Fragen von Ralf Reichert (links) und Yvonne Tscherwitschke (rechts).  Foto: Ralf Seidel

Es ist von Anfang an klar, worum es den Hohenloher Landtagskandidaten geht, beim Wahlforum am Dienstagabend in der Kupferzeller Carl-Julius-Weber-Halle: Sie wollen das Direktmandat.  Mario Dietel (Grüne), und Tim Breitkreuz (CDU) können nur über das Direktmandat nach Stuttgart.

  Anton Baron (AfD), der als einziger auf dem Podium bereits im Landtag ist, könnte entspannt Wahlkampf machen. Er hat Listenplatz drei und ist somit sicher wieder dabei. Doch auch er hat sich zum Ziel gesetzt, den Wahlkreis zu gewinnen. Eher chancenlos sind dagegen Jonas Aberle (SPD), Finn Pfaller (FDP) und Matthias Odenwald (Die Linke). Sie vertreten engagiert die Positionen ihrer Parteien.

AfD-Kandidat sicher im Landtag

Mit großer Sicherheit bekommt der AfD-Kandidat Anton Baron ein Mandat im neuen baden-württembergischen Landtag. Er ist auf Listenplatz drei. Würde er auch das Direktmandat über die Erststimme der Wähler erhalten, wäre er der einzige Vertreter aus dem Wahlkreis Hohenlohe. Um diese Stimmen buhlen auch Mario Dietel (Grüne) und Tim Breitkreuz, die wohl keine Chance haben, über die Listen ihrer Parteien einzuziehen. 

Hohenloher Landtagskandidaten: Inhaltliche Unterschiede schon bei erster Frage klar

Wie unterschiedlich diese sind, zeigt sich an der ersten Fragen zu politischen Inhalten, die die HZ-Redakteure Yvonne Tscherwitschke und Ralf Reichert stellen: „Was würden die Kandidaten als erstes ändern, wenn sie in den Landtag kämen?“ Dietel hält für dringend – und „schnell machbar“: ein verpflichtendes letztes Kita-Jahr, das „vielen Menschen helfen würde“ und wegen der Verpflichtung gratis sein müsste. Breitkreuz will eine Förderung, damit junge Menschen schnell an Wohneigentum kommen und die Grunderwerbssteuer abzusenken. Baron würde sich als erstes um die Einführung von Volksabstimmungen kümmern. „Dann wird es wieder bergauf gehen mit Deutschland und Baden-Württemberg.“

Aberle, der als einziger der Kandidaten in einem handwerklichen Beruf arbeitet, will „sein Herzensthema voranbringen“ – die Förderung der beruflichen Aus- und Weiterbildung. „Menschen sollen nicht sagen, sie haben ,nur’ eine Ausbildung gemacht.“ Analog zu den Studiengebühren sollen auch hier die Kosten abgeschafft werden. Pfaller will als erstes einen Blick in die Ministerien werfen: Wie es sein könne, dass tausende Lehrer-Stellen nicht besetzt werden – „und das Finanzministerium nicht bemerkt, dass man diese Lehrer nicht bezahlt?“, fragt der FDP-Kandidat. Die Linke wolle 100 000 Wohnungen bauen, denn „die Wohnungsnot ist groß“, sagt Odenwald. Dafür würde die Partei die Landeswohnbaugesellschaft „wieder auf die Beine stellen“.

Landtagskandidaten mit fundierten Antworten

Die Kandidaten antworten fundiert auf Fragen zu Bildung, Mobilität und Finanzen – auch wenn sie manchmal bei Nachfragen überlegen müssen. Gegenseitig zeigen sie sich persönlich wertschätzend, aber politisch kantig. So schüttelt Anton Baron den Kopf, wenn Matthias Odenwald die Wiedereinführung der Steuer auf große Vermögen fordert. Und Finn Pfaller, der öfters die FDP-Forderung betont, die Verwaltung müsse verschlankt werden, kontert: „Es ist genügend Geld in den Kassen!“.

Vor allem die drei Kandidaten mit Chancen auf das Direktmandat zeigen Kante: Als Breitkreuz das Bundesteilhabegesetz kritisiert, das zu viel Bürokratie aufgebaut hat, wirft Baron ein: „Das hat Schwarz-Rot eingeführt, also auch die CDU.“ Breitkreuz entgegnet – oder weicht aus: „Es ist egal, von wem das kommt, man muss in die Zukunft schauen. Und: „Da höre ich von Ihnen keine Themen, wie es weitergehen kann“. Baron dazu: Es habe konkrete Vorschläge der AfD gegeben, zum Beispiel beim Einsparen. Relevant sei da „das Thema Asyl, aber auch die Frage der Bürgergeldempfänger“.

Landtagskandidaten auf Tour

In einem anderen Moment beklagt Baron, dass die „bekannten Medien“ nur über Krisen in seiner Partei berichtet würden. Gesteht aber ein, „dass wir schon auch Probleme haben, gute Leute zu finden“. Ob das selbstkritisch sein soll oder ein Widerspruch ist zu seiner Aussage, dass die Partei von rechtsextremen „Querulanten“ gesäubert sei, lässt sich im Kontext nicht erschließen. Mario Dietel greift subtiler an: Wen er auf eine Bootstour auf dem Kocher mitnehmen würde, wollen die Moderatoren wissen. Seine, wie er sagt, „politische Antwort“ verlangt nach einem Kreuzfahrtschiff. Es dürfen mit Pfaller, Aberle und Breitkreuz. Um zu erklären, dass das, was er eine „schwarze Ampel“ nennt, schlecht für Baden-Württemberg wäre.

Die drei Mitriesenden sehen sich fragend an und bezeichnen ihrerseits eine solche Regierung als „Deutschland-Koalition“. Überhaupt stellen sie Dietel öfters vor die Aufgabe, die Politik der Ministerpräsidentenpartei zu rechtfertigen – nicht alle im Publikum kann der Grüne mit seinen Antworten dabei zufrieden stellen. Sollte tatsächlich nur ein Platz im Boot frei sein, wäre der für Pfaller, mit dem ihn viel verbindet.

Einen klaren Gewinner unter den sechs Kandidaten – geschweige denn unter den drei chancenreichen – gibt es an dem Abend nicht. Unterhaltsam und informativ war es allemal. Das bekundet das Publikum, das an diesem Abend auch mehrfach um seine Meinung gebeten wurde.

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