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Matthias Odenwald: Vom Balkan in die Linke

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Der Nervenarzt und Psychiater hat mit Kriegstraumatisierten gearbeitet. Nach seiner Rückkehr will er sich politisch engagieren – und kandidiert für den Landtag, nicht um dort einzuziehen.

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Matthias Odenwald ist nach seinem Eintritt in die Linkspartei vor fünf Jahren direkt Vorstandsmitglied des Kreisverbands Schwäbisch Hall-Hohenlohe geworden.
Matthias Odenwald ist nach seinem Eintritt in die Linkspartei vor fünf Jahren direkt Vorstandsmitglied des Kreisverbands Schwäbisch Hall-Hohenlohe geworden.  Foto: Götz Greiner

„Tax the rich“ – Reiche besteuern! Das steht auf Matthias Odenwalds Wahlplakaten. Eines der Kernthemen der Partei Die Linke, Umverteilung, „ist ein wichtiges Thema für mich“. Für ihn war es keine Frage, vor gut fünf Jahren in die Linkspartei einzutreten: Matthias Odenwald, heute 72 Jahre alt, war da gerade aus Bosnien-Herzegowina zurückgekehrt, wo der Nervenarzt und Psychiater mehr als zehn Jahre lang praktizierte.

Arbeit mit traumatisierten geflüchteten Menschen

Zu Zeiten des Balkankrieges hat Odenwald geflüchtete Menschen behandelt. Gemeinsam mit Amnesty International hat der aus Heidenheim stammende Mediziner in Ulm das Behandlungszentrum für Folteropfer in Ulm (BFU) gegründet und betrieben. Dort hat er Menschen therapiert, die aus dem Krieg nach Deutschland geflohen war. Als der beendet war, habe er viele Gutachten schreiben müssen, weil Vielen die Abschiebung drohte. „Es ist keine gute Idee, traumatisierte Menschen dahin zurückzuschicken, wo sie traumatisiert wurden.“ Später ist er dann selbst dorthin gegangen. Mit seiner Ehefrau hat Odenwald in Bosnien-Herzegowina ein Haus mit Unterkunft aufgebaut und dort Menschen behandelt. Deswegen spricht er fließend Bosnisch.

Odenwald will nicht „die rote Fahne voraustragen“

„Als wir zurückkamen, hat mich das herausgefordert, politischen Einfluss zu nehmen.“ Odenwald, der in Gerabronn wohnt, rückte nach seinem Eintritt in die Linke direkt zum Vorstandsmitglied im Kreisverband Schwäbisch Hall-Hohenlohe auf. „Es ist völlig klar, dass keine realistische Chance besteht, dass ich im Landtag sitzen werde.“ Odenwald steht nicht auf der Landesliste der Linken. Seine Kandidatur sei notwendig, damit sich die Partei zeigt und ihre Aussagen wahrgenommen werden können: „Ich werde so präsent sein, wie die Medien das einem ermöglichen“, sagt Odenwald. Bei Podiumsdiskussionen und Veranstaltungen von Vereinen will er die Argumente der Linken denen der anderen Parteien entgegenstellen. „Ich werde nicht die rote Fahne voraustragen“, sondern thematisch argumentieren. Eigene Wahlveranstaltungen der Linken wird es im Wahlkreis Hohenlohe nicht geben. Nach der Kandidatur will er die Arbeit zurückfahren: „Nachdem die Mitgliederzahlen gezeigt haben, dass sich die Partei gut entwickelt“, wolle er den Staffelstab an jüngere Menschen weitergeben – „die Vorstandsarbeit braucht mich nicht mehr“.

Für ein ambulant organisiertes Gesundheitswesen

Sein Steckenpferd ist die Gesundheitspolitik. Odenwald hält es für richtig, dass Krankenhäuser kommunalisiert werden, wie es in Schwäbisch Hall im Ansatz geschehen ist: Dort hat der Landkreis das Diak gekauft, sucht aber gerade einen privaten oder freigemeinnützigen Partner. Anders als einige Parteigenossen ist er nicht strikt gegen Klinikschließungen: „In Ballungszentren kann es sein, dass Kliniken nah beieinander sind – dann ist das möglich.“ Außerdem hält er ein ambulant organisiertes Gesundheitswesen für sinnvoll: Auch weil es mehr Ärzte gibt, die in Teilzeit arbeiten wollen, seien größere Ärztehäuser ein gutes Modell.

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