Stimme+
Iftar
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Ramadan in Eppingen: Ehrenamtliche kochen hunderte Portionen Essen für Fastenbrechen

   | 
Lesezeit  2 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Es ist Ramadan. Im muslimischen Fastenmonat kommen Moscheegemeinden abends zum gemeinsamen Essen zusammen. In Eppingen wird die Mahlzeit von motivierten Ehrenamtlichen zubereitet. 

Hieraus wird mal ein Lammeintopf: Ehrenamtliche kochen für das Fastenbrechen in Eppingen.
Hieraus wird mal ein Lammeintopf: Ehrenamtliche kochen für das Fastenbrechen in Eppingen.  Foto: Simon Bitsch

Der Geruch von Essen liegt in der Luft. In einem großen Topf köchelt literweise Linsensuppe, mit einem Schneebesen wird die gelbliche, cremige Flüssigkeit verrührt. In Behältern aus Metall stapeln sich Unmengen geschnittenes Gemüse. Da ist Blattsalat und Kraut, Paprika und Tomaten. Daraus wird später mal Salat und ein Lamm-Eintopf. Dazu wird es Reis und Brot geben, als Nachtisch etwas Süßes.

Doch das Essen hier wird nicht etwa direkt gegessen, sobald es vom Herd genommen wird. Auf einen bestimmten Moment muss gewartet werden: den Sonnenuntergang. In der Küche im Eppinger Industriegebiet wird nämlich das Essen für das Iftar – das Fastenbrechen im Ramadan – für die Moscheegemeinde gekocht.

Ramadan in Eppingen: Hunderte Muslime kommen zum Fastenbrechen zusammen

Seit Mitte Februar läuft der Ramadan. In dem heiligen Fastenmonat verzichten gläubige Muslime von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen und Trinken. Zum Fastenbrechen kommen die Mitglieder der Moscheegemeinden meistens zusammen und feiern den Anlass mit einem großen gemeinsamen Essen. Im Eppinger Kulturzentrum schwankt die Zahl der täglichen Besucher beim gemeinsamen Iftar, sagt Erkan Çetinkaya, der Vorsitzende der Türkisch Islamischen Gemeinde zu Eppingen.

An einem schwachen Tag unter der Woche seien es mal nur 300. An einem gut besuchten Tag am Wochenende steigere sich die Zahl aber auf 800 bis 900. All diese Menschen bekommen dann zu Sonnenuntergang die vor Ort frisch zubereitete Mahlzeit – und zwar kostenlos. Das Essen wird jeden Tag von mehreren Einzelpersonen, Familien oder Geschäftsleuten gesponsert.

Kochen für die Mahlzeit beim großen gemeinsamen Fastenbrechen: Alle Helfer sind ehrenamtlich dabei.
Kochen für die Mahlzeit beim großen gemeinsamen Fastenbrechen: Alle Helfer sind ehrenamtlich dabei.  Foto: Simon Bitsch

Ehrenamt im Ramadan: Freiwillige kochen und organisieren gemeinsames Fastenbrechen in Eppinger Kulturzentrum

Basiszutaten in großen Mengen, wie Reis und Bulgur oder Nudeln, werden gleich in großen Mengen besorgt. 20, 30, 40 Kilogramm würden davon alleine an einem Werktag weggehen, am Wochenende noch mehr, erklärt Çetinkaya. Frische Zutaten wie Gemüse, Brot oder Fleisch würden täglich eingekauft. Çetinkaya kann für den Einkauf, das Putzen, das Vorbereiten, das Kochen, die Essensausgabe und das Abspülen auf einen engagierten Pool an Ehrenamtlichen zurückgreifen.

Das gemeinsame Fastenbrechen wird sogar ausschließlich durch ehrenamtliche Arbeit getragen. „Die machen das mit Spaß“, beschreibt Çetinkaya die Köche aus seiner Gemeinde, die alle schon viele Jahre dabei sind. Das Lob, das die Teilnehmer des Fastenbrechens gelegentlich aussprechen, sei genug Verdienst für sie. „Das ist die größte Belohnung“, sagt Çetinkaya.

Fünf bis sechs Köche sind jeden Tag im Ramadan mit der Essenszubereitung beschäftigt. Gekocht wird nach türkischer Küche. Ein kurzer Blick an den Herd und an die Theke verrät: Hier wird gerne gekocht. Motiviert rühren, schneiden und würzen die Helfer. Die Köche fasten auch selbst. Die Arbeit mit dem Essen kann zu Beginn des Ramadans daher etwas schwerer fallen. „Aber man gewöhnt sich nach ein paar Tagen daran“, sagt Çetinkaya. Abschmecken dürfen die Köche das Essen übrigens. Das breche nicht das Fasten, erklärt der Vorsitzende.

Fastenbrechen in Eppingen: Im Ramadan engagieren sich Ehrenamtliche mit viel Einsatz

Der erste Helfer betrete die Küche sechs bis sieben Stunden vor dem Fastenbrechen, berichtet Çetinkaya. Nach und nach treffen weitere Ehrenamtliche ein. Fertig ist das Essen dann eine halbe bis dreiviertel Stunde vor dem Fastenbrechen und wird auch schon etwas davor ausgegeben, damit die Gemeindemitglieder zu Sonnenuntergang das gefüllte Tablett bereits vor sich stehen haben.

Die viele ehrenamtliche Arbeit schätzt Çetinkaya sehr. „Das kann man mit Geld nicht machen. Das muss mit dem Herz sein“, sagt er. Gerade auch die Frauen der Moscheegemeinde zeigen im Ramadan viel Einsatz. Zum Fastenbrechen eingeladen sind nicht nur Menschen, die fasten, oder gläubige Muslime. Die Türkisch Islamische Gemeinde zu Eppingen lädt alle Mitbürger herzlich ein. „Das ist das Allerschönste“, sagt Çetinkaya.

Übriggebliebenes Essen werde zudem nicht weggeworfen. Wer Dosen mitbringt, kann Reste mit nach Hause nehmen.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben