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Ramadan in der Region: So erlebt ein Muslim aus Gundelsheim die erste Woche Fasten

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Der Ramadan hat begonnen. Für Yusuf Zeyrek von der Moscheegemeinde Gundelsheim ist der Fastenmonat mehr als Verzicht. In einem Tagebucheintrag erzählt er, wie er die erste Woche erlebt hat.


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Es ist Ramadan. Der Fastenmonat der Muslime begann mit der ersten Sichtung der Mondsichel am Mittwochabend, 18. Februar. 29 Tage, bis zum 19. März geht dieser Monat des islamischen Kalenders, in dem gläubige Muslime tagsüber auf Essen und Trinken verzichten. Das Fasten im Ramadan gilt als eine der fünf Säulen im Islam.

Nun ist die erste Woche vorbei und Yusuf Zeyrek, Jugendleiter in der Moscheegemeinde in Gundelsheim, erzählt in einem Tagebuch seine Eindrücke der ersten Fastentage. Für ihn ist der Ramadan mehr als Verzicht.

Ramadan-Tagebuch: Muslim aus Gundelsheim berichtet über Fastenmonat

Endlich ist er da. Der Monat, dessen Ankunft man als Muslim das ganze Jahr über im Herzen trägt. Die Vorfreude, die sich über Wochen aufgebaut hat, mündete letzte Woche in diesem tiefen Gefühl der Dankbarkeit, als der erste Tag des Ramadans anbrach. Die erste Woche liegt nun hinter mir, und es war eine Reise – für den Körper, aber vor allem für die Seele.

Nach dem Fastenbrechen geht es in der Moschee in Gundelsheim zum Abendgebet.
Nach dem Fastenbrechen geht es in der Moschee in Gundelsheim zum Abendgebet.  Foto: Simon Bitsch

Die ersten Tage sind immer eine ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst. Der Wecker, der einen mitten in der Nacht aus dem Schlaf reißt für das Suhoor, die letzte Mahlzeit vor der Morgendämmerung. Der erste Schluck Wasser, der einem bewusst macht, wie kostbar er ist. Und ja, natürlich, das leise Knurren des Magens am Nachmittag. Der Körper protestiert ein wenig gegen die neue Ordnung. Aber während er leiser wird, wird eine andere Stimme lauter: die des Geistes. Man bewegt sich langsamer durch den Tag, aber bewusster. Jede Handlung, jedes Wort scheint mehr Gewicht zu haben.

Fastenbrechen in Gundelsheim während des Ramadans: „Welle der Verbundenheit“ 

Was mich in dieser ersten Woche am meisten berührt hat, war die Veränderung in der Atmosphäre um mich herum. Es ist, als würde die Welt ein wenig den Atem anhalten. Die Abende haben eine ganz besondere Magie. Wenn die Sonne untergeht und die Familie zum Iftar, dem Fastenbrechen, zusammenkommt, liegt eine fast greifbare Stille in der Luft. Der erste Bissen einer Dattel, gefolgt von einem Schluck Wasser – das ist kein reines Stillen von Hunger und Durst. Es ist ein Moment purer Dankbarkeit, der einen tief erdet.

Yusuf Zeyrek von der Moscheegemeinde Gundelsheim.
Yusuf Zeyrek von der Moscheegemeinde Gundelsheim.  Foto: privat

Besonders faszinierend fand ich die Beobachtung meiner Mitmenschen. In der muslimischen Gemeinschaft spürt man eine Welle der Verbundenheit. Ein Lächeln, das man mit einem anderen Fastenden auf der Straße teilt, fühlt sich an wie ein stilles Einverständnis, eine unsichtbare Bruderschaft. Man teilt Essen, man fragt nacheinander, man rückt in der Moschee enger zusammen. Es ist ein „Wir-Gefühl“, das im Alltag leider manchmal verloren geht.

Fasten im Ramadan: So reagieren Nicht-Muslime darauf

Aber auch außerhalb der Gemeinschaft habe ich wunderschöne Erfahrungen gemacht. Meine nicht muslimischen Kollegen, die mit einer Mischung aus Neugier und Respekt fragen: „Schaffst du das wirklich, den ganzen Tag nichts zu trinken?“ oder „Ich bewundere deine Disziplin.“ Diese Fragen sind keine leeren Floskeln, sie sind Türöffner für Gespräche, für Verständnis. 

Es sind diese kleinen Gesten, die zeigen, dass Zusammenleben funktioniert, wenn man einander mit offenem Herzen begegnet. Man wird nicht als der „Andere“ gesehen, sondern als Teil des Ganzen, der gerade eine besondere Zeit durchlebt.

Jetzt, nach einer Woche, hat sich ein neuer Rhythmus eingestellt. Der Körper hat sich an den Verzicht gewöhnt, und der anfängliche Kampf ist einem Gefühl der Klarheit und inneren Ruhe gewichen. Es ist, als hätte man die Seele entstaubt. Die erste Woche ist geschafft, und es mischt sich ein Gefühl von Stolz mit einer großen Portion Demut. Stolz, weil man die erste Hürde genommen hat, und Demut, weil man weiß, dass noch drei wertvolle Wochen vor einem liegen. Wochen, um weiter an sich zu arbeiten, um dankbarer zu sein und um die Stille zu genießen, die dieser heilige Monat mit sich bringt.

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