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Fastenbrechen in der Moschee
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Ramadan hat begonnen: Für Muslime in Gundelsheim ist der Fastenmonat mehr als Verzicht

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Der Ramadan hat begonnen. In der Moschee in Gundelsheim kommen die Gläubigen zum gemeinsamen Fastenbrechen zusammen. Ein Gemeindemitglied spricht über die Bedeutung des Fastenmonats.


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Singende Töne in arabischer Sprache hallen durch den Raum. Der Imam ruft am Donnerstagabend im Untergeschoss der Selimiye Moschee in Gundelsheim (Landkreis Heilbronn) pünktlich zum Iftar, dem Fastenbrechen. Manche der Anwesenden, die an Sitzgarnituren gesellig zusammengekommen sind, halten ihre Hände mit den Innenflächen nach oben vor sich – eine klassische Gebetshaltung im Islam. Dann brechen die Versammelten das Fasten – essen die für die gesamte Gemeinde zubereitete Mahlzeit. Es ist das erste Mal in diesem Jahr, dass die Gemeinschaft den Moment gemeinsam feiert.

In Gundelsheimer Moschee: Täglich brechen 300 Menschen gemeinsam das Fasten

Der Donnerstag ist der erste Fastentag des Ramadans, den fast zwei Milliarden Muslime weltweit begehen. In dieser Zeit essen und trinken Menschen islamischen Glaubens von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nichts. Das Fasten im Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islam, also eine der grundlegenden Pflichten für alle Gläubigen.

Nach dem gemeinsamen Essen geht es zum Abendgebet.
Nach dem gemeinsamen Essen geht es zum Abendgebet.  Foto: Simon Bitsch

Jeden Tag kämen rund 300 Menschen in der Selimiye Moschee in Gundelsheim zusammen, erzählt Emre Kara, Sekretär der türkisch islamischen Gemeinde zu Gundelsheim. „Am ersten Tag ist aber immer weniger los als normalerweise, weil viele das erste Fastenbrechen zu Hause mit der Familie feiern“, erklärt er. Das Essen ist für alle kostenlos, denn es wird jeden Tag von anderen Personen oder Familien gesponsert. In der Moschee gibt es dazu eine Liste, in die man sich eintragen kann, um mit einem festen Betrag das Essen für alle zu unterstützen.

Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Kalender, dieser richtet sich nach dem Mond. Der Ramadan beginnt mit der Sichtung der ersten Mondsichel nach dem Neumond des Vormonats Scha’ban. Das war in Deutschland am Mittwochabend der Fall. Zu Ende ist der Ramadan dann mit der Sichtung der Mondsichel der nächsten Mondphase, was für den 19. März erwartet wird. Dann beginnt der Folgemonat, Schawwal. Der Ramadan geht 29 Tage. Laut islamischer Zeitrechnung leben wir im Jahr 1447.

Jugendleiter aus Moschee Gundelsheim: Ramadan ist mehr als Verzicht

Doch Ramadan ist viel mehr als tagsüber auf Essen und Trinken zu verzichten, weiß Yusuf Zeyrek, Jugendleiter in der Moscheegemeinde. Für ihn ist der Ramadan auch eine innere Reise. Er kommt Gott in der Zeit näher. „Wir verlieren uns manchmal im Alltag und finden uns wieder im Ramadan“, sagt er.

Ramadan-Tagebuch

Gemeindemitglieder aus der Moschee in Gundelsheim werden ihre Erfahrungen im Ramadan in einem Tagebuch dokumentieren. Auszüge erscheinen im Laufe des Fastenmonats auf Stimme.de.

Im Ramadan sei Zeyrek zufriedener mit sich selbst, weil er mehr dankt. Die Vorfreude auf den Fastenmonat beginnt bei Yusuf Zeyrek bereits zwei Monate vorher, denn die beiden Monate vor dem Ramadan, Radschab und Scha’ban, haben auch schon eine besondere Bedeutung. Zeyrek bereitet sich dann spirituell auf den Ramadan vor. „Der Ramadan ist dann die Krönung, der heiligste Monat.“

Ramadan in der Region Heilbronn: „In dem Monat bin ich noch mehr und deutlicher mit dem Glauben verbunden“

Zu diesem heiligen Monat gehören für Zeyrek auch das Zusammenkommen, Wertschätzung, auch für kleine Dinge, Empathie, Nächstenliebe. Man solle auch an die Bedürftigen denken und Almosen geben. Man versuche Sünden zu minimieren und gute Taten zu vollbringen. „In dem Monat bin ich noch mehr und deutlicher mit dem Glauben verbunden“, sagt er. Im Laufe des Ramadans steigere sich die Spiritualität dann. Der Höhepunkt ist der 26. Abend des Monats. Die Nacht ist einer der heiligsten im Islam – Muslime feiern zu diesem Zeitpunkt die Offenbarung des Korans an den Propheten Mohammed.

In der Gebetsnische, die nach Osten ausgerichtet ist, sitzt der Imam beim Abendgebet vor den Gläubigen.
In der Gebetsnische, die nach Osten ausgerichtet ist, sitzt der Imam beim Abendgebet vor den Gläubigen.  Foto: Simon Bitsch

Nach dem Essen steht das Abendgebet an. Dazu geht die Gemeinde in den Gebetsraum. Nach Osten ausgerichtet gibt es eine Gebetsnische aus Holz, die mit Kalligrafien geschmückt ist. Eine bedeutete „Mohammed“, eine andere „Allah“ – Gott.

In dem mit Teppichboden ausgelegten Raum mit Kronleuchtern und kunstvoll verzierten Wänden kommt die Gemeinde auf den Gebetsruf folgend zusammen – Frauen und Männer auf zwei getrennten Etagen. Der Imam rezitiert Stellen aus dem Koran, die Gemeinde folgt dem traditionellen muslimischen Gebetsablauf. Viele bleiben auch noch bis zum Nachtgebet, beschreibt Kara. Dieses ist im Ramadan länger als sonst.

Für jeden gab es zum Sonnenuntergang eine Mahlzeit.
Für jeden gab es zum Sonnenuntergang eine Mahlzeit.  Foto: Simon Bitsch

Nach Ende des Fastenmonats wird das dreitägige Fest des Fastenbrechens – in der Türkei oft „Zuckerfest“ genannt – gefeiert.

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