Ramadan in Neckarsulm: Moscheegemeinde und Stadtgesellschaft gemeinsam an einem Tisch
Zum Ramadan laden Neckarsulmer Muslime seit einigen Jahren Vertreter der Stadtgesellschaft zum gemeinsamen Fastenbrechen ein. Die Veranstaltung ist mittlerweile zur Tradition geworden

„Es ist Tradition im Islam, dass man seinen Nachbarn zum Essen einlädt“, beschreibt Abdülkerim Ari den Brauch in seiner Religion. Man lebt diese Tradition in der Imami-Azam-Moschee in Neckarsulm, in der Ari Imam ist.
Seit Jahren lädt das Kulturzentrum, der an die Moschee angegliederte Verein, den Gemeinderat, die Verwaltung und weitere Vertreter der Stadtgesellschaft, im Ramadan zu einem gemeinsamen Fastenbrechen ein. „Ramadan heißt ja auch zu teilen, gemeinsam zu erleben“, sagt Mustafa Bilgi aus dem Vorstand des Vereins.
Zwei Milliarden Muslime weltweit Fasten im Ramadan – auch in Neckarsulm
Fast zwei Milliarden Muslime weltweit begehen aktuell den Fastenmonat Ramadan. Von der Morgendämmerung bis Sonnenuntergang verzichten Gläubige auf Essen und Trinken. Das Einhalten des Ramadans ist eine der fünf Säulen des Islams. Das sind die wichtigsten Pflichten aller Muslime. Das gemeinsame Fastenbrechen mit einer Mahlzeit nach Sonnenuntergang wird „Iftar“ genannt.
Zum gemeinsamen Iftar in diesem Jahr erscheint auch Uli Bertok. „Ich bin sehr gerne hier, nicht bloß wegen des leckeren Essens, sondern auch wegen der Gespräche“, sagt die fraktionslose Neckarsulmer Stadträtin. Sie ist nicht zum ersten Mal gekommen.
Neckarsulmer Stadtrat zum Fastenbrechen in Moschee eingeladen: Veranstaltung ist Tradition
Ähnlich geht es ihrem Kollegen Karl-Heinz Ullrich von der SPD-Fraktion. Das siebte oder achte Mal ist er beim gemeinsamen Iftar dabei, sagt er. „Im Herbst bin ich auch immer beim Tag der offenen Moschee“. Für ihn ist es bereits eine Tradition geworden. Yilmaz Kocak vom Kulturzentrum kenne er beispielsweise schon seitdem dieses in der Neckarsulmer Rötelstraße gebaut wurde.
Es ist ein geselliges Treffen an den geschmückten Tischen im Kulturzentrum. Kontakte werden neu geknüpft, bestehende Verbindungen aus den Vorjahren vertieft. Anwesend sind auch der Neckarsulmer Oberbürgermeister Steffen Hertwig und zwei evangelische Pfarrer sowie Vertreter des Kulturvereins und Geistliche der Moscheegemeinde.
Neckarsulms Oberbürgermeister Hertwig zum Ramadan: Werte verbinden Religionen
Vor dem Fastenbrechen zu Sonnenuntergang um 18.17 Uhr spricht Mustafa Bilgi aus dem Vorstand noch ein paar Worte „Es ist für uns immer etwas Besonderes“, sagt er. OB Hertwig erwidert: „Es sind die Werte des Ramadans, die die Religionen verbinden.“ Diese würden sie jetzt leben, denn sie sitzen gemeinsam am Tisch. „Es ist schön, dass wir in Neckarsulm das schaffen, was in anderen Staaten der Welt nicht geht“, so der Verwaltungschef.
Zum Essen gibt es unter anderem türkische Spezialitäten. Als süße Kleinigkeit wird beispielsweise Baklava serviert. Mit einem Tischgebet dankt ein Geistlicher für das Essen und bittet um Segen für alle, die es zubereitet und gegessen haben. Gesprochen wird es nach dem Essen, wie es anders als im Christentum, im Islam üblich ist. Nach dem Essen gibt es Çay – türkischen Tee.
Am Tisch erinnern sich die Teilnehmer an die gemeinsamen Abende der vergangenen Jahre. In den Sozialräumen des Kulturzentrums habe man sich schon im Tischtennis oder am Tischkicker duelliert, beschreibt Hertwig. Das gemeinsame Fastenbrechen hat sich etabliert.
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