Fasten im Ramadan: Muslim beschreibt seinen Weg durch den heiligen Monat
Abends am 18. Februar hat der Ramadan angefangen. Wie alle gläubigen Muslime fastet auch Bilal Mert von der Moscheegemeinde Gundelsheim. In einem Tagebucheintrag erzählt er von seinen Eindrücken.
Noch bis zum 19. März verzichten Muslime weltweit von der Morgendämmerung bis Sonnenuntergang auf Essen und trinken. Es ist Ramadan. Der Fastenmonat zählt als eine der fünf Säulen des Islam. In vielen Moscheen wird Abends gemeinsam das Fasten gebrochen.
Der erste Fastentag war der 19. Februar. Seitdem verzichtet auch Bilal Mert von der Moscheegemeinde Gundelsheim tagsüber auf Essen. In einem Tagebuch erzählt der Student über seine Sehnsucht nach Kaffee und wie er innere Ruhe gefunden hat.
Tagebuch über Fastenmonat Ramadan: Muslim von Gundelsheimer Moschee berichtet aus seinem Alltag
Normalerweise beginnt mein Tag mit einem vertrauten Geräusch: dem Mahlen der Kaffeemaschine im Büro oder dem geschäftigen Treiben in der Uni-Cafeteria. Als Masterstudent und Werkstudent ist das Koffein oft mein wichtigster Begleiter durch lange Vorlesungen und noch längere Arbeitstage. Doch im Ramadan bleibt die Tasse leer.
Besonders in den ersten Stunden am Schreibtisch spüre ich diese Sehnsucht nach dem gewohnten Ritual. Es ist ein ehrlicher Moment der Entbehrung, der mir zeigt, wie sehr wir oft an materiellen Gewohnheiten hängen. Doch während die körperliche Müdigkeit kurzzeitig anklopft, macht sie Platz für eine ganz neue Form der Wachsamkeit.

Alltag im Ramadan: Muslim aus Moscheegemeinde Gundelsheim beginnt Tag sehr früh
Mein Tag beginnt lange vor dem ersten Sonnenstrahl, in einer Zeit, in der die Welt um mich herum noch tief atmet. Um vier Uhr morgens sitze ich in der Stille meiner Küche für das Suhoor, die letzte Mahlzeit vor der Morgendämmerung. Nach dem Gebet und einem kurzen Moment des Innehaltens lege ich mich noch einmal hin, bevor der Wecker mich zurück in die Realität des Alltags zwischen Büro und Hörsaal holt. Dieser Rhythmus ist fordernd, ja – aber er verleiht dem Tag eine Tiefe, die über das bloße Funktionieren hinausgeht.
In den Momenten, in denen die Konzentration im Job oder im Studium nachlässt, erinnert mich das leise Knurren im Magen an das eigentliche Herzstück dieses Monats: die Empathie. Ramadan ist kein reiner Verzicht auf Nahrung; es ist eine Reise zur Nächstenliebe und zur Spiritualität. Wenn ich den Hunger spüre, ist das meine Brücke zu den Menschen, für die Entbehrung kein freiwilliger Zustand, sondern tägliche Realität ist. Es ist ein Monat, in dem ich versuche, meinem Glauben und mir selbst ein Stück näherzukommen, während der Stress des Alltags im Hintergrund verblasst.
Gemeinsames Fastenbrechen in Moschee in Gundelsheim: Miteinander erleben
Wenn der Abend schließlich anbricht, zieht es mich in die Moschee zum gemeinsamen Fastenbrechen. Es wäre ein Leichtes, nach einem anstrengenden Tag den Tisch mit unzähligen Gerichten zu überladen. Doch dieses Jahr habe ich mir ein anderes Ziel gesetzt: Minimalismus. Wir leben in einer Gesellschaft des Überflusses, doch der Ramadan lehrt uns die Kunst des Maßhaltens. Es geht nicht darum, sich beim Iftar vollzufressen, sondern den Wert der kleinen Dinge neu zu entdecken.
Eine einzige Dattel, ein einfacher Schluck Wasser – diese Bescheidenheit schenkt mir eine Dankbarkeit, die kein Luxusmenü der Welt ersetzen könnte. Mit wenigem auszukommen bedeutet, Raum für das Wesentliche zu schaffen: für das Gebet, für das Miteinander und für die Stille in einer lauten Welt. Nach der ersten Woche spüre ich, wie die anfängliche Sehnsucht nach Kaffee einer inneren Ruhe gewichen ist. Eine Ruhe, die mich gestärkt durch die nächsten Wochen tragen wird.
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