Reinhold Würth über Arbeitsmoral: „Wir müssen wieder fleißiger werden“
Der Hohenloher Unternehmer Reinhold Würth hat sich zur Arbeitsmoral geäußert. Er trifft Aussagen über eine verwöhnte Generation, zu hohe Krankheitstage sowie die Work-Life-Balance.
In Deutschland wird derzeit viel über die Arbeitsmoral diskutiert. Zuerst hatte Bundeskanzler Friedrich Merz behauptet, die Krankheitstage seien zu hoch – und hatte dafür eine Kritik erhalten. Nun äußert sich der Hohenloher Unternehmer Reinhold Würth zu dem Thema. „Wir müssen wieder mehr schaffen in Deutschland. Wir müssen fleißiger werden“, sagte der 90-Jährige der „Augsburger Allgemeinen“.
Auch die Forderung, Feiertage, die auf Wochenenden fallen, nachzuholen, kritisierte Würth. „Es ist doch eine verrückte Idee von Gewerkschaftern, einen Feiertag, der auf einen Samstag oder Sonntag fällt, nachzuholen. Wo sind wir denn? Wer so etwas fordert, muss der Meinung sein, das Geld falle wie Schneeflocken vom Himmel.“ Wirtschaftsvertreter stellen hingegen immer wieder Feiertage wie der Pfingstmontag infrage.
Reinhold Würth über Entwicklung des Wohlstands – Forderung nach „mehr Geld und noch weniger Arbeit“
Die Statistik spreche eine klare Sprache, sagte Würth. „Da kann einem Angst und Bange um Deutschland werden: In anderen Ländern wird bei deutlich niedrigeren Stundenlöhnen länger gearbeitet.“ Und heimische Beschäftigte seien auch noch häufiger krank als Mitarbeitende in anderen Industrieländern.
„Nach der Phase des Wohlstands, des Wohllebens, der Pracht, ja der Freiheit und des freien Worts wuchsen in Deutschland die Begehrlichkeiten nach mehr Geld und noch weniger Arbeit“, sagte Würth, der in Künzelsau im Hohenlohekreis einen Weltmarktführer im Bereich der Befestigungs- und Montagetechnik aufgebaut hat. „Die Work-Life-Balance wurde immer mehr in Richtung Life-Balance verschoben.“ Das unterstreichen auch manche Umfragen: Die Arbeit verliert als Sinn des Lebens immer mehr an Bedeutung.
„Wahnsinnig verwöhnt“ – Reinhold Würth äußert sich zu Generationen und Arbeitsmoral
„Wir sind jetzt in Deutschland an der Kante vom Sein zum Vergehen angekommen, befinden uns also in einer Phase, in der der Niedergang nicht weit ist.“ Zurückzurudern werde unglaublich schwierig, „weil die heutigen jüngeren Beschäftigten von ihren Eltern, die aus der Generation der Babyboomer stammen, wahnsinnig verwöhnt wurden“, sagte Würth weiter. Für die Aussage, dass die Generation Z verwöhnt sei, hatte der Unternehmer bereits im vergangenen Jahr Kritik erhalten.
Er selbst schaffe auch im hohen Alter immer noch, erklärte der 90-Jährige. „So diktiere ich manchmal um 21:30 Uhr abends zuhause noch Briefe und gehe immer wieder ins Büro“, sagte Würth der Zeitung. „Und ich schwimme jeden Tag eine halbe Stunde.“ Seine Smartwatch habe ihm unlängst einen Orden verliehen, weil er sich über sechs Jahre entsprechend viel bewegt habe.
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Stimme.de
Kommentare
am 27.01.2026 14:48 Uhr
Man muss nicht immer einer Meinung sein mit Herrn Würth. Aber da kann man ihm vollumfänglich zustimmen.
Nur die ganze Misere jetzt auf die Arbeitnehmer abzuladen ist etwas einseitig. Die öffentliche Hand hat noch niemals für schlechte Zeiten vorgesorgt. Da wurde immer alles verpulvert und noch mehr. Strukturelle Finanzprobleme und Schulden sind die Folge. Soziale Wohltaten über Wohltaten. Arbeit lohnt sich nicht mehr. Die Fleißigen werden bestraft während die Faulen in der Hängematte hängen und die wirklich Bedürftigen bleiben auf der Strecke.
Die Gehaltslücken im Handwerk und Dienstleistung sind immer größer geworden zu Industrie, IT und öffentlicher Hand. Gut ausgebildete junge Leute aus Handwerk und Dienstleistung haben gerade wegen der besseren Arbeitszeiten, Löhne, Boni und sonstigen Sonderzahlungen den Wechsel zu den ganz Großen vollzogen. Jetzt wo es enger wird ist das Heulen und Wehklagen groß und man möchte diese Leute wieder loswerden.
Auch die Gewerkschaften spielen dabei eine große Rolle. Insbesonders Verdi hat bei einer Staatsquote von über 50 % den Schuß nicht gehört. Mehr Lohn bei der öffentlichen Hand geht nur, wenn in bestimmten Bereichen massiv Personal abgebaut wird. Der Vorstoß im Ressort von Bärbel Bas geht in die richtige Richtung - mal sehen wie eingedampft das wieder wird.
Jürgen Mosthaf
Dagmar Wolter am 27.01.2026 14:19 Uhr
Dieses pauschale Abkanzeln von Menschen hat in konservativen Kreisen Tradition. Da reiht sich Würth in eine lange Reihe von Populisten ein.
Wie kann man mit soviel Lebenserfahrung so abwertend von ganzen Gruppen sprechen?
Natürlich nur im eigenen Interesse: die Arbeitskraft der Beschimpften zur eigenen Bereicherung nutzen.
Die Politiker der CDU und FDP sind hier willfährige Kumpanen - klar man schätzt sich und die regelmäßigen Spenden aus der Wirtschaft.
Anneliese Scholz am 27.01.2026 08:22 Uhr
jedes seiner Worte stimmt!
Teilzeit arbeiten - ohne Grund-ist verwerflich. Aber dann Lohnerhöhung erstreiken, heulen weil die Rente nicht reicht und diejenigen die arbeiten über das Bürgergeld/ Grundsicherung/ Sozialhilfe erneut zur Kasse zu fordern ist unanständig.
Wer weniger arbeiten will- ohne Grund- bitte schön dann aber bis zum Lebensende die Konsequenzen tragen.