„Frechheit“: Merz erntet Kritik für Krankenstand-Aussage in Sozialen Medien
Bei einem Auftritt in Bad Rappenau kritisiert Bundeskanzler Friedrich Merz den Krankenstand in Deutschland und stellt die telefonische Krankmeldung infrage. Auf Facebook hagelt es Kritik.
Friedrich Merz (CDU) sorgt deutschlandweit für eine hitzige Debatte. Der Bundeskanzler hat den hohen Krankenstand in Deutschland kritisiert. „14,5 Tage, das sind fast drei Wochen, in denen die Menschen aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“, stellt Merz bei einem Wahlkampfauftritt in Bad Rappenau infrage. Außerdem wirft er eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung in den Raum.
Bei vielen Arbeitnehmern sorgt die Kritik von Merz für Unmut. Das wird vor allem in den Kommentaren unter einem Facebook-Eintrag der Heilbronner Stimme deutlich.
Merz kritisiert Krankenstand und stellt telefonische Krankmeldung infrage
Was ist passiert? Am Freitag (16. Januar) war Friedrich Merz Gast in der Mühltalhalle in Bad Rappenau (Landkreis Heilbronn) – als Unterstützung für den CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel, mit Blick auf die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März 2026.
Bei seinem Auftritt lobte Merz zunächst: „Hier sind Hunderte Menschen, die jeden Tag Außergewöhnliches leisten“. Baden-Württemberg und die Region Heilbronn sind wirtschaftlich stark aufgestellt, mit großen Unternehmen. Dennoch lässt es sich der Bundeskanzler nicht nehmen, die Arbeitnehmer in Deutschland zu kritisieren.
„Wir sind das Land, das es sich mittlerweile leistet, mit die wenigsten Arbeitsstunden der Welt zu haben“, sagt Merz. Der Bundeskanzler kritisiert: Deutschland habe sich zu einem Land entwickelt, das sich mehr mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche beschäftige als mit Wettbewerbsfähigkeit. So könne der Wohlstand nicht gehalten werden.
Dann stellt er infrage, ob 14,5 Krankheitstage „wirklich notwendig“ sind. Die Union dringt auf eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung: „Während der Coronazeit begründet richtig, heute immer noch?“, fragte der Kanzler.
Die AOK Heilbronn-Franken hat auf die Krankmeldungs-Debatte reagiert und der Aussage von Merz widersprochen. Ein Zusammenhang zwischen der Höhe des Krankenstands und telefonischen Krankmeldungen könne nicht bestätigt werden.
„Mit akutem Norovirus ins Wartezimmer – tolle Idee!“: Kritik an Merz-Aussagen
Eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung dürfte laut AOK also kaum den von Merz erwünschten Effekt bringen, dass die Krankentage zurückgehen. Manche befürchten wohl eher das Gegenteil. Der ironische Kommentar einer Facebook-Nutzerin: „Mit akutem Norovirus ins Sprech- bzw. Wartezimmer – tolle Idee!“
Ein anderer Leser weist darauf hin: „Es gibt halt viele, die dem Wetter ausgesetzt sind, weil sie draußen arbeiten müssen, und dass man sich dann auch mal etwas einfangen kann, sollte jeder wissen, vor allem bei solchem Hin und Her. Mal hat man 10 Grad+ und ein paar Tage später wieder 10 Grad.“
Auch andere weisen darauf hin: Wer sich eine Grippe einfängt, braucht gegebenenfalls bis zu zwei Wochen, sich vollständig auszukurieren: „Bei der momentanen Grippe hat man ja schon 10 Krankheitstage und das Jahr hat erst angefangen“, lautet ein Kommentar. Auch in der Region Heilbronn ist die Grippe auf dem Vormarsch.
Scharfe Kritik: „Aussage von Merz zu den Krankheitstagen ist eine Frechheit“
Eine Leserin findet deutliche Worte: „Die Aussage von Merz zu den Krankheitstagen ist eine Frechheit. Er greift hier die Menschen an, die in Deutschland arbeiten und für die Steuereinnahmen sorgen, die er dann in der Welt verteilt.“
Für manche scheint Merz generell den falschen Fokus zu legen. Statt Arbeitnehmer zu kritisieren, würde sich ein Facebook-Nutzer eher wünschen, dass sich Deutschlands Bundeskanzler „um wichtigere Dinge kümmert“ und nennt als Beispiel, dass mehr Geld bei den Rentner ankommt. Immer mehr Deutschen droht die Altersarmut.
Zustimmende Kommentare sind unter dem Facebook-Beitrag nicht zu finden – negative Kommentare überwiegend eindeutig. Bei dem Auftritt von Merz in Bad Rappenau ging es aber bei weitem nicht nur um den Krankenstand in Deutschland – der Bundeskanzler hat auch über Themen wie Steuersenkungen, die Migrationspolitik und der Ukraine-Krieg gesprochen.
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