Fahrzeug als Waffe? Bei Straftaten spielen Autos derzeit häufig eine zentrale Rolle
Von Führerscheinbetrug bis Mord: Vor den Heilbronner Gerichten häufen sich die Prozesse, in denen Autos im Fokus stehen. Eine Momentaufnahme.
Dem Automobil kommen in Deutschland viele Bedeutungen zu. Es ist Transportmittel, Statussymbol, und es steht für unabhängige Mobilität. Derzeit häufen sich allerdings Gerichtsprozesse auch in Heilbronn, in denen Fahrzeuge die zentrale Rolle bei Straftaten spielen.
Nach tödlichem Unfall in Heilbronn: Gericht bestätigt Ausweisung des Wollhaus-Rasers
Anfang der Woche ist der sogenannte Wollhaus-Raser mit seiner Klage gegen seine Ausweisungsverfügung gescheitert. Das Verwaltungsgericht Stuttgart ist der Auffassung, dass von dem 23 Jahre alten türkischen Staatsbürger weiterhin eine Gefahr ausgeht.
Am 12. Februar 2023 ist der damals 20-Jährige in der Wollhausstraße mit rund 100 Stundenkilometern in das Fahrzeug einer Familie gekracht. Der Familienvater starb. Seine Frau und die beiden Kinder wurden verletzt. Das Landgericht hat ihn dafür im April 2024 wegen Mordes zu neun Jahren Jugendhaft verurteilt. Das Tatwerkzeug: ein hochmotorisierter BMW.
Illegales Straßenrennen in Ludwigburg: Lebenslange Haftstrafe wegen Mordes
Ebenfalls anfangs der Woche hat das Stuttgarter Landgericht zwei Brüder verurteilt, die sich in Ludwigsburg ein illegales Straßenrennen geliefert haben und dabei bis zu 130 Stundenkilometer gefahren sind. Bei einem Crash kamen zwei unbeteiligte Frauen ums Leben. Während der Unfallverursacher wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, verhängten die Richter 13 Jahre Freiheitsstrafe wegen Mordversuchs für den Bruder. Die Tatwerkzeuge: zwei PS-starke Limousinen.
Der Tod eines Zwölfjährigen am 11. September 2025 in Niedernhall hat die Menschen weit über die Region hinaus erschüttert. Angeklagt ist ein 18 Jahre alter deutscher Staatsbürger, der das Kind mit seinem Audi A3 auf dem Edeka-Parkplatz mit quietschenden Reifen und aufheulenden Motor überfahren und mehr als 20 Meter mitgeschleift haben soll.

Fall Niedernhall: Angeklagter soll Zwölfjährigen mit seinem Auto ermordet haben
Der Prozess vor dem Heilbronner Landgericht läuft seit Mitte März. Die Anklage lautet auf Mord. Demnach soll sich der Angeklagte wegen eines Streits an dem Jungen gerächt haben. Im laufenden Prozess sagten Augenzeugen aus, der Angeklagte habe gesagt, dass der Zwölfjährige ihn provoziert habe. Das mutmaßliche Tatwerkzeug: ein Audi A3.
Verhandelt wird seit Anfang März gegen einen zur Tatzeit 17 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Heilbronn. Er soll in der Nacht auf den 13. Oktober 2024 mit einem gestohlenem Mercedes eine Höllenfahrt von Wüstenrot bis nach Heilbronn hingelegt haben. Dabei habe er mehrere Polizeisperren durchbrochen und zehn Menschen gefährdet.
Anklage in Heilbronn: zehnfacher versuchter Mord nach „Höllenfahrt“
Schließlich sei er ohne linkes Vorderrad in der Heilbronner Innenstadt mit 125 Stundenkilometern weitergerast und in ein Auto gekracht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten zehnfachen versuchten Mord vor. Das mutmaßliche Tatwerkzeug: ein hochmotorisierter Mercedes.
Für Aufsehen sorgt der Prozess wegen eines mutmaßlich versuchten Auftragsmordes in Waldenburg. Laut Anklage soll einer der Angeklagten zwei Komplizen angestiftet haben, seine Exfrau zu ermorden. Um den Auftrag auszuführen, soll der zweite Angeklagten das Opfer am 23. Mai 2025 vor dem Kindergarten in Waldenburg mit einem Ford Focus schwer verletzt haben.
Der Prozess läuft seit Anfang Januar. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten gemeinschaftlich versuchten Mord vor. Das mutmaßliche Tatwerkzeug: ein Ford Focus.
Prozesse um Führerscheinbetrug in Heilbronn – Stellvertreter zu Haftstrafen verurteilt
Und nicht zuletzt spielen Autos beim Prozessauftakt am Donnerstag vor dem Heilbronner Landgericht wegen versuchten Führerscheinbetrugs zumindest eine indirekte Rolle. Angeklagt sind zwei Fahrschulbestreiber aus Heilbronn und Göppingen sowie drei sogenannte Vermittler. Die fünf Angeklagten sollen sich laut Staatsanwaltschaft arbeitsteilig organisiert haben, um mit sogenannten Stellvertretern für die regulären Fahrerlaubniserwerber bei theoretischen Führerscheinprüfungen zu betrügen.
Amts- und Landgericht Heilbronn haben in vorangegangen Prozessen bereits mehrere dieser Stellvertreter zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Zentrales Thema auch bei diesen Straftaten: das Automobil.
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