Zeugen im Niedernhaller Mordprozess: Angeklagter verfolgte Zwölfjährigen gezielt
Im Niedernhaller Mordprozess haben am Donnerstag Augenzeugen über das Tatgeschehen berichtet. Demnach habe der Angeklagte mit seinem Auto den getöteten zwölfjährigen Jungen gezielt überfahren.
Auch der fünfte Verhandlungstag im Niedernhaller Mordprozess war für die Eltern des zwölfjährigen getöteten Jungen eine Tortur. Denn am Donnerstag hörte die 15. Große Jugendkammer des Heilbronner Landgerichts die Zeugen, die am 11. September 2025 auf dem Edeka-Parkplatz in Niedernhall ihr Kind zuletzt lebend und als erste tot unter dem Auto des Angeklagten gesehen haben.
Eigentlich wollte er an diesem Abend zusammen mit seiner Freundin Einkäufe erledigen, sagte der Zeuge, der aus kurzer Distanz die tödliche Fahrt des 18 Jahre alten Angeklagten beobachtet hatte. Sein Fahrzeug hatte er wenige Meter neben dem schwarzen Audi A3 des Angeklagten abgestellt. Plötzlich habe er laute Musik und mehrfaches Aufheulen des Motors des mutmaßlichen Tatfahrzeugs gehört. „Man muss sich das so vorstellen, wie wenn jemand einen Rennwagen startet“, sagte der Kfz-Meister.
Fünfter Verhandlungstag im Mordprozess Niedernhall: Zeugen schildern dramatische Szenen auf Edeka-Parkplatz
Schließlich sei der wegen Mordes angeklagte 18-Jährige mit quietschenden Reifen losgefahren und habe den Jungen auf seinem Fahrrad zielgerichtet verfolgt. „Das Kind hat noch versucht, mit dem Fahrrad wegzufahren“, sagte der Zeuge. „Aber das Auto hat ihn irgendwann erwischt“, so der 29-Jährige. Ohne zu bremsen.

Die Kollision habe er selbst gesehen. „Das Kind wurde quasi überrollt“, sagte der Zeuge. Dass keine Bremslichter aufgeleuchtet haben, bestätigten auch andere Zeugen. Eine weitere Zeugin sprach davon, dass der Angeklagte den Jungen gejagt habe.
Alles habe sich innerhalb weniger Sekunden abgespielt. Nachdem das mutmaßliche Tatfahrzeug schließlich zum Stehen gekommen sei, seien er und seine Lebensgefährtin sofort hingerannt. Das Kind lag noch unter dem Wagen. Das Auto hatte es laut Staatsanwaltschaft mehr als 20 Meter weit mitgeschleift. Eine weitere Zeugin sprach von einem langen Schleifgeräusch, wie sie es noch nie gehört habe.
Zeuge vor Ort holte Angeklagten aus dem Fahrzeug
Während der Zeuge den Fahrer aus dem Auto geholt und den Zündschlüssel abgezogen habe, habe seine Freundin einen Notruf abgesetzt. „Steig aus, oder ich schlag dich tot“, habe er zu dem 18 Jahre alten Angeklagten gesagt, so der Zeuge, der den Angeklagten und dessen 16 Jahre alten Beifahrer anschließend aufgefordert habe, sich auf den Boden zu setzen.
Gleich danach habe der Zeuge, der in seinem Betrieb auch Ersthelfer ist, versucht, den Puls des Jungen zu fühlen und dabei unters Auto geschaut. „So wie das Kind lag, war aber klar, dass das keiner überleben kann“, sagte der Zeuge. Eine weitere Zeugin, die sofort zu dem Auto gerannt war, sagte, sie habe noch die Hand des Kindes gehalten. „Ich dachte, vielleicht spürt er noch, dass jemand da ist“, sagte die 22-jährige Zeugin, die wegen des Vorfalls bis heute arbeitsunfähig ist.
Angeklagter soll immer wieder nach seinem Handy gefragt haben
Der Versuch, mit einem Wagenheber das Kind unter dem Auto vorzuholen, sei nicht gelungen. Währenddessen habe der Angeklagte immer wieder nach seinem Handy gefragt, bestätigte die Lebensgefährtin des ersten Zeugen. Und sie habe gehört, was der Fahrer und der Beifahrer gesprochen haben. Dabei soll der 16 Jahre alte Freund des Angeklagten gesagt haben: „Ich habe dir gesagt, du sollst das nicht machen.“
Die 22-jährige Zeugin beschrieb den Angeklagten als gleichgültig. „Er saß mit verschränkten Armen auf den Boden und hat immer wieder gesagt, das Kind habe ihn provoziert.“ Der Angeklagte habe immer wieder gesagt, dass er jetzt seinen Führerschein und seinen Ausbildungsstelle verlieren werde. Nach dem toten Jungen unter seinen Auto habe er „zu keinem Zeitpunkt gefragt“, sagte eine andere Zeugin.
Staatsanwältin Kathrin Rührich wirft dem Angeklagten Mord vor. Er soll am 11. September 2025 auf dem Edeka-Parkplatz in Niedernhall einen „niederträchtigen Racheplan“ in die Tat umgesetzt haben. Er habe den Jungen angefahren und 26 Meter mitgeschleift, weil es vorher zu einem Streit gekommen sein soll.
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