Stimme+
Abfall
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Lob und Kritik für neues System in Heilbronn: „Müll-Management muss man lernen“

   | 
Lesezeit  3 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Während die Abfuhr und der Tonnentausch noch stottern, gibt es vereinzelt auch positive Stimmen. Mit der abrechnungsbezogenen Gebühr könne man Geld sparen, so ein Heilbronner. 


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Der Heilbronner Gastronom Bernd Groß befasst sich seit mehr als 20 Jahren mit den Themen Mülltrennung und -vermeidung. Sein Fazit, sowohl im Gewerbe als auch privat: „Wenn man dafür bezahlen muss, produziert man auch weniger Müll.“ 

Daher begrüßt Groß das neue Müll-System in der Stadt und im Landkreis Heilbronn, bei dem ab diesem Jahr die Zahl der Leerungen Grundlage für die Abrechnung beim Müll ist. Privat wohnt Groß in Oberstenfeld im Landkreis Ludwigsburg. „Da gibt es die leerungsbezogene Gebühr schon länger.“ Und – es funktioniert: „Wenn man für die Leerungen zahlen muss, ist das ein Anreiz zur Kostenersparnis.“ 

Heilbronner Gastronom wünscht sich weniger Müll in der Tonne und auf den Straßen

Nicht nur in der Restmülltonne ist dann mehr Platz, ist sich Groß sicher. Auch die Einführung der Gelben Tonne hält er für das richtige Signal. „Mit der Tonne sieht es einfach wirtlicher aus auf der Straße, weil nicht überall die Gelben Säcke rumliegen.“ Es sei auch hygienischer, wenn die Verpackungen direkt in die Tonne gegeben werden können. 

Auch das zeitintensive Wegfahren der Wertstoffe zum Recyclinghof entfällt. „Das kostet ja auch Sprit und damit Geld“, meint Groß. Von seinen Mitarbeitern, die im Stadtgebiet wohnen, hat er schon gehört, dass die neuen Möglichkeiten gerade auch in Wohnanlagen Erleichterung bringen. 

Müll im Mehrfamilienhaus: „Man muss miteinander reden.“

Natürlich könne es Probleme mit sich bringen, wenn sich mehrere Parteien eine Tonne teilen. Gerade in Wohnanlagen, so befürchten Heilbronner Hausverwalter, könne dies zu Konflikten führen. „Müll-Management muss man lernen“, das weiß Groß. 

Ohne diskriminierend wirken zu wollen, sei dies oft eine Frage des Kulturkreises. Schon der Blick ins europäische Ausland zeigt: Mülltrennung ist typisch deutsch. Von „Müll-Sheriffs“ hält Groß aber wenig: „Man kann einzelne Bewohner ja zur Seite nehmen und sagen, ich erklär euch mal, wie das mit der Mülltrennung funktioniert.“ 

Mehrsprachige Informationen zur Mülltrennung gewünscht

Hilfreich wäre hier mehrsprachige Informationen. „Was gehört wo rein?“ Das Landratsamt bietet in einem Flyer Piktogramme mit Bildern an, die erklären, was in welche Tonne gehört: Bio, Verpackungen, Restmüll und Papier sollten fein säuberlich getrennt werden. 

Das habe Vorteile für alle Bewohner. „Wenn man alles in einer Tonne entsorgt, ist die halt schnell voll“, meint Groß. „Dann steigen die Leerungsgebühren.“ Auf der anderen Seite müsse es in einer Hausgemeinschaft immer auch Solidarität geben, wenn beispielsweise junge Familien im Haus wohnen, bei denen viele Windeln anfallen. 

Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Heilbronner Experte: „Müllvermeidung ist unsere Zukunft!“

Bernd Groß ist sich mit vielen Experten einig: Der beste Müll ist der, der gar nicht anfällt. „Wenn man bewusst einkauft und sauber trennt, kommt man im Privathaushalt mit deutlich weniger Restmüll und damit weniger Leerungen klar.“ Im Gespräch mit den Nachbarn, mit denen man eine Behältergemeinschaft bilden kann, könnten Singles, Familien und Senioren jeweils eine gute Lösung finden. Für Groß ist klar: „Müllvermeidung ist unsere Zukunft!“

Unter Umständen, wenn der Müll nicht sauber getrennt wird, kann die Tonne aber stehen bleiben. Schon jetzt wird kontrolliert, und mit den neuen Behältern wird künftig darauf geachtet, dass keine „Fehlwürfe“ in den Tonnen sind. 

Neues Müllsystem in Heilbronn: So machen es andere Landkreise

Im Hohenlohekreis, der die „Systemumstellung“ schon hinter sich hat, werden die Biotonnen ab diesem Jahr mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) durchleuchtet. Sind Fremdstoffe im Biomüll, bleibt die Tonne stehen. Auch im Landkreis Ludwigsburg verteilen „Müll-Scouts“ Gelbe und Rote Karten. Wichtig dabei: Es gibt immer Tipps, wie besser sortiert werden kann. 

Gute Beratung ist das A und O beim Systemwechsel. In der Stadt Heilbronn klappt das ganz gut, hat der Gastronom Bernd Groß festgestellt. „Die sind sehr kompetent, und man bekommt immer eine fachlich fundierte Auskunft.“ 

Tonnentausch, übervolle und stehen gebliebene Mülleimer: Der Systemwechsel stottert noch

Aber nach wie vor gibt es viele Reklamationen beim Behältertausch. Vor allem im Landkreis scheinen fehlerhafte Bestellungen die Zuordnung der neuen, mit Chip versehenen Tonnen zu ihren künftigen Nutzern zu erschweren. Aber auch mit den neuen Gelben Tonnen haben manche Nutzer ihre Probleme: In Mehrfamilienhäusern würden „diese nicht nur überquellen, sondern auch mit Restmüll, welche ja in die klassische Restmülltonne gehört, befüllt“, schreibt ein Leser.

Immerhin werden die Behälter geleert. Nicht so bei Otto Schmidt in den Höhenhöfen bei Bad Wimpfen. Hier hat noch kein Entsorgungsfahrzeug vorbeigeschaut. Den Verpackungsmüll sammelt Schmid mittlerweile in Säcken. 

Die Mülltonnen, vor allem die Gelbe Tonne von Otto Schmidt in den Höhenhöfen Bad Wimpfen, werden von der Müllabfuhr nicht abgeholt.
Die Mülltonnen, vor allem die Gelbe Tonne von Otto Schmidt in den Höhenhöfen Bad Wimpfen, werden von der Müllabfuhr nicht abgeholt.  Foto: Ralf Seidel

In Böckingen, Ilsfeld und auch anderen Orten haben sich im Januar die Restmüll-Leerungen verzögert, weshalb einige Leser sich schon gemeldet haben. „Der Müll liegt jetzt auf der Straße.“ Dem Eindruck, dass aus Zeitgründen nicht sorgfältig gearbeitet werde, tritt Boris Ziegler vom Entsorger Prezero aber entgegen: „Unsere Teams sind grundsätzlich angewiesen, die Tonnen ordentlich zurückzustellen und die Standplätze sauber zu hinterlassen.“

Es könne aber vorkommen, dass Biotonnen bei Frost nicht vollständig entleert werden. „Um die Behälter zu schonen, werden pro Tonne zwei Schüttversuche unternommen. Verbleiben danach Reste im Gefäß, sind diese in der Regel im Inneren verkeilt, verklebt oder – trotz gegenteiliger Wahrnehmung – festgefroren.“




Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben