Gelbe Tonne und Recycling im Raum Heilbronn: Mühen bei Mülltrennung vergebens?
Ein Möckmühler macht sich nach der Umstellung Sorgen ums Recycling, wenn Verpackungsabfälle nicht mehr getrennt werden. Das Entsorgungsunternehmen Prezero beruhigt aber.
„Mit Entsetzen“ hat Roman Malkow bei seinem samstäglichen Gang zum Recyclinghof Möckmühl festgestellt, dass „all unsere Bemühungen bei der Mülltrennung zunichte gemacht werden“. Statt der sorgfältigen Sortierung in bis zu sechs Produktgruppen sollten alle Verpackungsabfälle nun in einen Container geworfen werden.
Gelbe Tonne im Landkreis Heilbronn: „20 Jahre lang Verpackungs-Müll sorgfältig vorsortiert“
In verschiedenen Aufbewahrungsbehältnissen habe er im Keller Dosen, Tetra-Packs, Styropor, Schaumstoffverpackungen, Kunststoff-Becher, -Flaschen, -Kanister, Folien und Aluminium getrennt. Und dann natürlich auf dem Recyclinghof in den dafür vorgesehenen Containern abgegeben.
Es sei doch wohl klar, dass zum Beispiel Styropor und scharfkantige Konservendosen nicht zusammen gehören, so Malkow. „Das Styropor kann nicht in diesem Umfang recycelt werden kann, als wenn es vorsortiert zum Entsorger kommt. Ziel sollte es doch sein, möglichst viel Materialien der Wiederverwertung zuzuführen.“
Möckmühler meint: Umstellung des Sammelsystems ist eine „Rolle rückwärts“
Die Umstellung des Sammelsystems zum Jahresbeginn 2026 sei für das Recycling wohl eher eine „Rolle rückwärts“, schreibt Roman Malkow der Abfallwirtschaft im Heilbronner Landratsamt. Auch Ute und Michael Harst sehen das so: „Seit Jahren wurden wir dahingehend angehalten, Ressourcen schonend und sortenrein den Müll zu trennen, um eine hohe Wiederverwertbarkeit zu gewährleisten. Genau das Gegenteil tritt jetzt ein.“
Die hohen Abfallgebühren würden durch das aufwendige Sortieren des Verpackungsmülls steigen, so die Befürchtung. Dabei – das ist ein weit verbreitetes Missverständnis – ist die Gelbe Tonne für die Bürger des Landkreises Heilbronn, wie auch schon seit 20 Jahren in der Stadt Heilbronn, komplett kostenlos.
Fürs Einsammeln und Recyceln von Verpackungen sind die Dualen Systeme zuständig
Bei Verpackungen gilt nämlich das Verursacherprinzip: Für das Einsammeln und Recyceln sind die Dualen Systeme wie zum Beispiel der Grüne Punkt zuständig. Anders ausgedrückt: Wer Verpackungen verkauft, muss sie auch wieder zurücknehmen. Weil dies aber in den Ladengeschäften zu aufwendig ist, gibt es Firmen wie Prezero, die den Verpackungsmüll zu Hause abholen – und dabei gleich noch im Auftrag von Land- und Stadtkreis den Rest- und Biomüll ebenfalls mitnehmen.
Bislang haben die Dualen Systeme die vom Landkreis betriebenen Recyclinghöfe mit 1,5 Millionen Euro im Jahr unterstützt, weil hier die Verpackungen gesammelt wurden, 2100 Tonnen waren es jährlich. Dies fällt mit der Einführung der Gelben Tonne nun weg, weshalb auch in den Recyclinghöfen die Fraktionen nicht mehr getrennt erfasst werden. Beim Einsammeln von Verpackungen im Landkreis Heilbronn sei aber „noch viel Luft nach oben“, so die Experten von Prezero. Sprich: Noch zu viel recycelbares Material landet in der Restmülltonne.
Recycling-Expertin verspricht: Es wird alles sorgfältig getrennt
In einem Pressegespräch zur Einführung der Gelben Tonne haben die Recycling-Fachleute von Prezero erklärt, wie die Sortierung abläuft: Der Inhalt der Gelben Tonnen wie auch der Container für Verpackungen von den Recyclinghöfen werden zur Sortieranlage nach Ölbronn im Enzkreis gebracht. Dort werden jährlich 120.000 Tonnen Verpackungen, auch aus dem Heilbronner Raum, sortiert.
„50 Prozent können wieder verwertet werden“, informiert Verena Müller, die Expertin für die Dualen Systeme ist. Per Röntgen-Analyse können in der Sortieranlage in Sekundenschnelle verschiedene Kunststoffarten wie Polypropylen (PP) oder Polyethylen (PE) erkannt und mit einem gezielten Luftstoß in die richtigen Behälter geblasen werden. „Shampoo- oder Ketchup-Flaschen werden dann zu Granulat verarbeitet, das wieder für die Produktion neuer Verpackungen eingesetzt werden kann.“
Entsorger würden die Recyclingquote gerne erhöhen
Das Problem dabei, so Prezero-Sprecher Boris Ziegler: „Neumaterial ist immer noch preiswerter als Recycling.“ Man würde die Quoten beim Sammeln und Wiederverwerten gerne weiter steigern und hofft daher gerade auf die Gelbe Tonne. „Der Vorteil der haushaltsnahen Sammlung ist: Man muss den leeren Joghurtbecher nicht mehr zum Recyclinghof fahren.“
Leider lassen sich „Multi-Layer“ wie Tetrapacks und Mischkunststoffe nur schwer oder gar nicht verwerten, bedauern die Fachleute. Dabei wäre es aus Umweltgründen sicherlich nachhaltiger, so die Meinung der Recycling-Experten, wenn Verpackungen, Pfannen oder Kunststoffboxen immer mehr aus wiederverwerteten Materialien gemacht werden würden.
Abzug der öffentlichen Container: Dosen über Gelbe Tonne und Recyclinghöfe entsorgen
Dosen unter anderem für Getränke können bislang an den öffentlichen Containerstandplätzen und auf den Recyclinghöfen im Landkreis Heilbronn abgegeben werden. Seit dem Jahresbeginn 2026 stehen dafür die Gelbe Tonne sowie auf den Recyclinghöfen die Container für Leichtverpackungen zur Verfügung. Die Dosencontainer dagegen werden sukzessive abgezogen.
Die Abfallwirtschaft Landkreis Heilbronn bittet deshalb darum, diese öffentlichen Container ab sofort nicht mehr zu befüllen.
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Kommentare
Otto Egal am 10.01.2026 17:35 Uhr
^Sehr geehrte Damen und Herren,
ich muss Herrn Malkow beipflichten.
Über mehr als 20 Jahre hat die Mülltrennung durch engagierte Bürger zuverlässig funktioniert. Dieses bewährte System wird nun zugunsten einer stärker technisierten Nachsortierung aufgegeben. Ob dieser Schritt tatsächlich einen Fortschritt darstellt, darf bezweifelt werden.
Sicherlich lassen sich heute viele Trennprozesse technisch lösen. Die entscheidende Frage ist jedoch, zu welchen Kosten und mit welchem zusätzlichen Aufwand. Während leichte Kunststofffolien maschinell gut separiert werden können, bleibt das Problem verschmutzter Verpackungen bestehen. Becher, Dosen oder Verbundmaterialien mit Restinhalten verunreinigen andere recyclingfähige Stoffe und erschweren deren Wiederverwertung erheblich.
In der Praxis führt dies häufig dazu, dass erneut manuell nachsortiert werden muss – nicht selten durch Subunternehmen mit entsprechend niedrigen Löhnen. Damit wird ein Problem, das zuvor durch verantwortungsbewusstes Handeln der Bürger vermieden wurde, lediglich verlagert.
Der Grundsatz bleibt bestehen: Jede Dienstleistung und jede Arbeit verursacht Kosten.
Der Bürger im Landkreis hat über Jahre hinweg pflichtbewusst selbst getrennt. Dieses Engagement wird nun entwertet. Bereits die gelben Säcke sorgten vielerorts für ein unansehnliches Straßenbild. Angesichts des hohen Verpackungsaufkommens ist zu erwarten, dass auch die gelben Tonnen regelmäßig überfüllt sein werden.
Statt ein funktionierendes System gezielt weiterzuentwickeln, wird es grundlegend umgebaut. Ob dies zu besseren ökologischen Ergebnissen führt, ist offen. Der Eindruck drängt sich auf, dass weniger die Effizienz des Recyclings als vielmehr wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen.
Mit freundlichen Grüßen