Trotz neuer Gelber Tonne: Warum auf Recyclinghöfen immer noch einiges los ist
Dosen, Plastikfolien und Getränkekartons getrennt entsorgen: Die neue Gelbe Tonne revolutioniert das Müllsystem im Landkreis Heilbronn. Wie es weitergeht mit den Recyclinghöfen? Ein Vor-Ort-Besuch in der Region.
Die Gelbe Tonne revolutioniert das Recycling im Landkreis Heilbronn. Über Jahre mussten die Einwohner zu Hause trennen nach Dosen, Plastikfolie, Becher und Getränkekartons, und damit zu den Recyclinghöfen fahren. Das ist Geschichte, fast alles kann daheim in die Gelbe Tonne. Die Recyclinghöfe sind trotzdem weiterhin gefragt.
Die Parkplätze sind fast alle belegt am Samstag auf dem Recyclinghof Bad Friedrichshall-Jagstfeld. Überwiegend Männer schleppen Plastik zu Containern, entsorgen Flaschen und Holzlatten. Man könnte meinen, die Gelbe Tonne gäbe es nicht in der Region.
Viel los auf dem Recyclinghof in Bad Friedrichshall-Jagstfeld: Mitarbeiter zählen 800 Fahrzeuge
Das heute sei nichts, sagt Wolfgang Geml, der auf dem Recyclinghof mitarbeitet. Direkt nach Weihnachten und am Freitag nach Silvester sei es hier sehr voll gewesen, an einem Tag hätte das Team gut 800 Fahrzeuge gezählt – ein Rekordwert. „Wir mussten den Verkehr regeln“, sagt er. Einwohner, die keine Gelbe Tonne bestellt hätten, kämen weiterhin vorbei, sagt er. Oder solche, die Besonderes zu entsorgen hätten, das nicht in die Gelbe Tonne gehört – wie etwa Elektroartikel.
Interessant, überlegt Wolfgang Geml, werde es außerdem in der warmen Jahreszeit. Getränkekartons in die Gelbe Tonne werfen: Das Team des Recyclinghofs weiß, dass kurz nach dem Entsorgen die Wespen kommen. Ob das jedem gefällt, der zu Hause eine Gelbe Tonne im Freien hat? Viele dürften solches Material deshalb vermutlich weiterhin auf den zentralen Höfen entsorgen, sagt er.
Wohin mit Styropor? Auf dem Recyclinghof werden Fragen beantwortet
Trotz Gelber Tonne daheim kommt Gerhard Kieber vorbei. Er sei ohnehin unterwegs und wisse nicht, ob Styroporteile überhaupt in die neue Tonne dürften. Deshalb gehört für ihn der Abstecher zum Recyclinghof dazu. Da weiß er: „Hier ist es immer richtig.“ Zumal sich das System verändert hat: Nicht mehr wie früher müssen die Einwohner verschiedenes Material in unterschiedlichen Tonnen entsorgen. Vieles kann hier zusammen in die großen Behälter – sozusagen in Gelbe Tonnen XXL.
Florian Kratz gehört zu den Bewohnern im Landkreis Heilbronn, die keine Gelbe Tonne bestellt haben. Warum er darauf verzichtet hat? Er weiß es gar nicht mehr genau, also gehört weiterhin alle zwei Wochen der Abstecher zum Recyclinghof dazu. Es sei zur Routine geworden. „Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir zu Hause trennen.“
Fallen Recyclinghöfe weg? Personalsituation treibt sogar eine Nutzerin um
Zumal die regelmäßige Fahrt mehr ist als eine Entsorgungsfahrt. „Recyclinghöfe sind soziale Treffpunkte.“ Hier sehe man oft Bekannte. Dass nun nicht mehr alles sortenrein abgegeben werden muss, darüber ist Florian Kratz dann doch erstaunt. „Ich musste mich erst orientieren.“
Die Zukunft aller zentralen Anlaufstellen ist ungewiss, das treibt sogar eine Nutzerin in Bad Friedrichshall um. „Immerhin habt ihr euren Job“, sagt sie zu einem der Recyclinghof-Angestellten, „das ist das Wichtigste.“
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