Warum ein Heilbronner Bäcker wieder umstrittene Faschingskrapfen verkauft
2023 macht der Heilbronner Bäcker Ralf Herrmann Schlagzeilen: Wegen der Dekoration seiner Faschingskrapfen wird ihm Rassismus vorgeworfen. Wie er heute darüber denkt.
Es ist inzwischen drei Jahre her, dass es der Heilbronner Bäcker Ralf Herrmann bundesweit in die Schlagzeilen schaffte. Er dekorierte seine Faschingskrapfen 2023 mit verschiedenen stereotypisch dargestellten Figuren, darunter Clowns, Piraten und Cowboys.
Für Aufsehen sorgten zwei Figuren: Eine davon stellte eine Person mit dunkler Hautfarbe mit dicken Lippen, Knochenschmuck und Kleidung aus Blättern dar. Die andere einen Indianer mit brauner Hautfarbe, Irokesenfrisur und Federtracht. Eine Kundin fotografierte die Männchen und kontaktierte die Antidiskriminierungsstelle (Adi) in Heilbronn.
Antidiskriminierungsstelle rügte Heilbronner Bäcker: Fall sorgt für Aufsehen
Diese schrieb dem Bäcker einen Brief und erklärte: „Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass sich Darstellungen dieser Art stereotypen Bildern bedienen. Es handelt sich um eine Reproduktion kolonialistischer Vorstellungen und einer Geschichte von Unterdrückung und kultureller Aneignungen.“ Mit der realen Lebenswelt von schwarzen und indigenen Menschen hätten die Darstellungen nichts zu tun. Die Stelle bat deshalb darum, die Figuren abzuändern.
Herrmann weigerte sich und machte den Fall öffentlich. Es folgten unzählige Anrufe von Journalisten in Herrmanns Backstube, viele Male musste der 58-Jährige Stellung nehmen. Alle namhaften deutschen Medien hatten über den Fall berichtet. Auch im vergangenen Jahr sei er wieder von Journalisten angerufen worden, erzählt Herrmann heute.

Heilbronner Bäcker Ralf Herrmann verkauft umstrittene Faschingskrapfen erneut
Auch dieses Jahr verkauft Ralf Herrmann die Berliner mit Figuren-Deko wieder, einige davon liegen an diesem Dienstag in der Filiale in Heilbronn-Sontheim. Die Rassismus-Vorwürfe gegen ihn und die Diskussion um die Krapfen kann er bis heute nicht nachvollziehen. „Was soll daran problematisch sein?“
Mirjam Sperrfechter, Leiterin der Adi, hatte das Schreiben der Stelle damals verteidigt. Wenn sich jemand beschwere, müsse man tätig werden. Außerdem habe man den Bäcker nicht abgemahnt, sondern nur auf das Problem hingewiesen. Die Adi wurde aufgrund des Vorfalls damals mit beleidigenden und hasserfüllten E-Mails geflutet.
„Ich habe ja keine Gegner“: Bäcker Herrmann erlebt Zuspruch für Krapfen-Deko
„Ich diskriminiere niemanden“, findet Ralf Herrmann. Wenn sich aber jemand doch diskriminiert fühle, solle er bei ihm vorbeikommen. „Dann diskutieren wir das aus.“ Grundsätzlich habe er in dem Streit um die Berliner nur Zuspruch erlebt, betont Herrmann. „Ich habe ja keine Gegner.“ Anders die Antidiskriminierungsstelle: Deren Vorgehen hätten viele kritisiert.
Warum Figuren, wie sie auf den Krapfen dargestellt werden, problematisch sind, erklärt Merle Plachta von der Landesarbeitsgemeinschaft Antidiskriminierungsberatung in Baden-Württemberg. Wenn schwarze Menschen mit Knochen, überzeichnetem Gesicht und Bastrock dargestellt werden, seien das „historisch gewachsene Stereotype“: „Diese Bilder kommen häufig aus kolonialen oder rassistischen Erzählungen, in denen Menschen auf wenige, oft abwertende Merkmale reduziert und als ,fremd‘, ,primitiv‘ oder ,exotisch‘ gezeigt wurden.“
Auch wenn keine böse Absicht dahinter stehe, könne das problematisch sein, sagt Plachta. Solche Darstellungen können „bestehende Vorurteile verfestigen, weil sie Gruppen nicht als vielfältige Menschen zeigen, sondern als Karikaturen. Für Betroffene kann das verletzend sein, da ihre Identität auf klischeehafte und entwürdigende Bilder verkürzt wird.“ Zur Faschingszeit werde oft behauptet, es gehe nur um Spaß. Für Plachta gilt aber: „Humor endet dort, wo er auf Kosten anderer geht.“
Kunden in Heilbronn fragen jedes Jahr, ob’s die dekorierten Krapfen wieder gibt
Wenn es eine Welle der Kritik gegen ihn gegeben hätte, hätte er die Dekoration nicht mehr verwendet, sagt Bäcker Ralf Herrmann. Die Menschen hätten ihm die Berliner jedoch aus den Händen gerissen. „Ich bin mit dem Backen gar nicht mehr hinterhergekommen.“ Rund 1800 der Faschingskrapfen habe er 2025 verkauft. Wichtig sei ihm jedoch, dass es nicht ums Geld geht, sondern „rein ums Prinzip“, unterstreicht Herrmann.
Jedes Jahr zu Fasching, auch dieses Jahr, bekomme er Nachfragen, ob er die dekorierten Berliner wieder anbietet. „Wenn die Leute das als Diskriminierung ansehen würden, dann würde ich nicht so viele verkaufen.“
Eine Deko-Figur ist beim Hersteller nicht mehr erhältlich
Eine Änderung gibt es aber doch. Die Figur, die einen schwarzen Menschen mit Knochenschmuck zeigt, gebe es vom Hersteller nicht mehr. Der Indianer werde jedoch weiterhin produziert, sagt Herrmann und zeigt seinen Vorrat.
Das Thema bewegt den Heilbronner noch immer sichtlich. Vieles laufe falsch, erzählt Herrmann, während er mit beiden Armen im Fastnachtsküchle-Teig steckt. Dass der Gemeinderat der Adi die Co-Finanzierung verweigert hat, findet er nachvollziehbar. Aus seiner Sicht könne man das Geld an anderer Stelle gut gebrauchen, zum Beispiel für die Rettungshundestaffel. „Die bekommen für ihre Einsätze nichts.“
„Jeder der mich respektiert, wird auch von mir respektiert“, sagt Herrmann dann noch abschließend. „Aber man sollte sich um die Dinge kümmern, die wichtig sind. Und nicht um unsere Faschingsküchle.“
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Kommentare
Markus Henkel am 15.01.2026 11:22 Uhr
Man muss sich kurz vor Augen halten, worum es hier im Kern geht: Um Verzierungen auf einem Siedegebäck aus Hefeteig.
Das Thema erscheint vor allem denjenigen unwichtig, die nicht davon betroffen sind. Man könnte jedoch einfach respektieren, dass Menschen, die aufgrund ihrer Hautfarbe oder Herkunft betroffen sind, nicht auf Berlinern lächerlich gemacht werden möchten. Es gibt genug andere Motive, mit denen man Berliner zur Faschingszeit verzieren kann (Clowns, Piraten und Tiermotive sind doch ausreichend). Wer jedoch trotzig darauf besteht, Berliner mit Dekomotiven anzubieten oder zu kaufen, die Menschen mit anderer Hautfarbe lächerlich macht, beweist zumindest Taktlosigkeit und schlechten Geschmack. Nur weil es einen nicht persönlich betrifft, kann man dennoch im Umgang mit anderen rücksichtsvoller umgehen und muss das nicht in jedem Einzelfall "ausdiskutieren".