Weiterer Stellenabbau droht bei Porsche – Autobauer muss Gürtel enger schnallen
Porsche ist zuletzt tief in die Krise gerutscht und hat kaum noch Gewinn gemacht. Nun sind wohl größere Einschnitte unumgänglich. So wird es unter anderem einen weiteren Stellenabbau geben.
Porsche wollte seit jeher hoch hinaus. Das sieht man schon von weitem, wenn man an den Stammsitz des Autobauers in Stuttgart-Zuffenhausen fährt. Unweigerlich stellt sich dem Betrachter der Skulptur die Frage: Wie sind die Fahrzeuge nur nach oben gekommen? Drei Sportwagen sind auf in den Himmel ragenden Stelen angebracht, ganz so, als wollten sie durchstarten in luftige Höhe. Die VW-Tochter fuhr lange Zeit von Rekord zu Rekord: Absatz und Gewinn kletterten immer weiter nach oben, zweistellige Renditen waren beim Sportwagenbauer normal.
Zuletzt aber ging es in die andere Richtung, die Ertragsperle des VW-Konzerns hat einen beispiellosen Absturz hinter sich: Das operative Ergebnis fiel von 5,6 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf nur noch 413 Millionen Euro im Jahr 2025 ab – ein Minus von rund 93 Prozent. Das entspricht einer operativen Rendite von 1,1 Prozent (Vorjahr: 11,1). Das Ergebnis nach Steuern brach im Jahresvergleich um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro ein. Somit fällt sogar zum ersten Mal seit 2007 die Prämienzahlung für die Beschäftigten aus.
Krise bei Autobauer Porsche: Strategieschwenk kostet die VW-Tochter viel Geld
Neben den US-Zöllen, die allein 2025 mit 600 Millionen Euro zu Buche geschlagen haben, kostet der Strategieschwenk des Unternehmens viel Geld. 2019 hatte Porsche mit dem Taycan sein erstes E-Auto vorgestellt. Zügig wollte man den Anteil der Stromer steigern. Das selbst erklärte Ziel von 80 Prozent bis zu Mitte des Jahrzehnts wurde schnell wieder einkassiert. „Gerade im Sportwagen- und Luxussegment beobachten wir, dass sich die Elektromobilität nicht so schnell entwickelt, wie das mal erwartet wurde“, sagt der neue Vorstandschef Michael Leiters.
Daher sollen Fahrzeuge mit Verbrenner länger laufen als zunächst geplant, bis spät in die 2030er Jahre. Dafür entwickelt Porsche sogar nochmal ein gänzlich neues SUV, das spät in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts auf den Markt kommen soll. Diese „Reskalierung des Unternehmens“, wie es Finanzvorstand Jochen Breckner nennt, schlug vergangenes Jahr mit mit 2,4 Milliarden Euro zu Buche.
Porsche-Absatz sinkt: Frühere Zahlen aus China werden wohl nicht mehr erreicht
Der Start ins neue Jahr verlief für Porsche erneut unerfreulich: Im ersten Quartal 2026 mussten die Stuttgarter einen deutlichen Absatzrückgang hinnehmen. In den ersten drei Monaten wurden weltweit 60.991 Fahrzeuge ausgeliefert. Das sind 15 Prozent weniger als im ersten Quartal des Vorjahres. Die Finanzzahlen für das erste Quartal verkündet Porsche am morgigen 29. April.
Besonders schwach entwickelt sich der Markt in China. Oliver Blume, Chef des VW-Konzerns, hatte bereits Ende vergangenen Jahres prognostiziert, dass der Sportwagenbauer die früheren Absatzzahlen in der Volksrepublik wohl nicht mehr erreichen wird. Daher müsse man „das Geschäft vor Ort auf die neuen Gegebenheiten anpassen“.
Porsche-Werke und Personal wurden auf weiteres Wachstum ausgelegt
2025 ist der weltweite Absatz von Porsche um zehn Prozent auf 279.449 Fahrzeuge zurückgegangen. Die Zahl der Auslieferungen sank damit zum zweiten Mal in Folge. In den Hochzeiten hat die VW-Tochter mehr als 300.000 Autos ausgeliefert. „Das ist das größte Problem im Moment: Bei Porsche wurde bereits alles auf weiteres Wachstum in einer Größenordnung von 350.000 Fahrzeugen jährlich und mehr ausgelegt“, sagt einer aus dem Umfeld des Konzernaufsichtsrats.
So verdoppelte sich die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen Jahren nahezu weltweit auf mehr als 42.000, allein um die 23.000 davon in Deutschland. Die Kapazitäten in den Produktionsstätten Zuffenhausen und Leipzig wurden erweitert. Nun hingegen, so ist aus Unternehmenskreisen zu hören, geht man davon aus, dass der Absatz wohl mittel- und langfristig deutlich unter 300.000 Autos bleiben wird.
Porsche-Chef: „Werden das Unternehmen schlanker und schneller machen“
„Wir werden Porsche umfassend neu aufstellen, das Unternehmen schlanker, schneller und die Produkte noch begehrlicher machen“, sagt Porsche-Chef Leiters. Unlängst hat er erste konkrete Eckpunkte seiner Strategie 2035 skizziert: „Wir denken über eine Ausweitung unseres Produkt-Portfolios nach, um in margenstärkeren Segmenten zu wachsen. Dabei untersuchen wir Modelle und Derivate sowohl oberhalb unserer heutigen zweitürigen Sportwagen als auch oberhalb des Cayenne.“
Angesichts der aktuellen Lage werde es „tiefe Einschnitte“ geben, wie zuletzt aus Kreisen des Unternehmens zu hören war. Unternehmen und Betriebsrat verhandeln bereits über ein zweites Sparprogramm. Was es alles beinhaltet, ist bislang noch unklar. „Es wird einen weiteren Stellenabbau geben“, hatte der neue Vorstandschef bereits in Aussicht gestellt.
Insider sprechen von 4000 bis 5000 Stellen, die bei Porsche wegfallen könnten
Bereits im Frühjahr 2025 hatte die VW-Tochter angekündigt, am Stammsitz des Unternehmens in Zuffenhausen und im Entwicklungszentrum in Weissach rund 1900 Stellen abzubauen. Betriebsbedingte Kündigungen sind angesichts der Beschäftigungssicherung in Deutschland bis Ende Juli 2030 ausgeschlossen. Nun berichten Insider, dass weitere 4000 bis 5000 Jobs auf der Kippe stehen könnten.
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