Stimme+
Handball

Neckarsulms künftige Torhüterin Annie Linder: „Die Sport-Union hat noch eine Menge Potenzial“

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Noch hütet Annie Linder das Tor des Buxtehuder SV, doch ihren neuen Club aus Neckarsulm hat sie bereits im Blick. Im Interview spricht die Schwedin zudem über Unterschiede im europäischen Handball und den bevorstehenden Konkurrenzkampf im Neckarsulmer Tor.

Annie Linder hat sich seit ihrem Wechsel im Dezember in die Bundesliga als eine der besten Torhüterinnen der Liga etabliert.
Annie Linder hat sich seit ihrem Wechsel im Dezember in die Bundesliga als eine der besten Torhüterinnen der Liga etabliert.  Foto: Christiana Kunz

Annie Linder hat schon bessere Handball-Abende verlebt als am vergangenen Samstag. Nur zwei Paraden glückten der Torhüterin in Diensten des Buxtehuder SV gegen die Sport-Union Neckarsulm bei ihrem allerersten Spiel in der Ballei. Zur Pause musste die Schwedin daher ihren Platz im Tor für Ex-Neckarsulmerin Oliwia Kaminska räumen.

Doch am Ende überwog bei der 27-Jährigen, die mit 112 Paraden statistisch zu den besten Torhüterinnen der Liga zählt, die Freude über den 32:24-Sieg, mit dem der BSV wichtige Zähler für den Klassenerhalt sammelte. Noch gilt Linders Fokus nämlich allein den Niedersachsen. Nach dem Spiel nahm sich die künftige Neckarsulmerin dennoch Zeit, um ein wenig voraus zu blicken.

Frau Linder, Glückwunsch zu einem verdienten ersten Sieg in den Playoffs, der am Ende überraschend deutlich war, oder?

Annie Linder: Wir hätten nie gedacht, dass es so deutlich werden würde. Denn die anderen Spiele, die wir in der Hauptrunde gewonnen haben, waren allesamt harte und enge Partien. Wir waren dabei gezwungen, jedes Mal bis zur letzten Sekunde zu kämpfen, so dass es für uns heute ein ganz ungewohntes Gefühl war, gegen Ende des Spiels sogar ein bisschen relaxen zu können. Aber wir hatten uns gut vorbereitet und schon vor dem Spiel ein gutes Gefühl.

Es war Ihr erster Besuch in der Ballei; wie haben Sie die Halle und die, angesichts des Spielverlaufs sicherlich etwas gedämpfte, Atmosphäre wahrgenommen?

Linder: Die Fans hatten eine Menge Energie, die sie an die Mannschaft weitergegeben haben. Das hat mir gefallen. Es herrschte eine gute Stimmung.

Ihr Fokus liegt verständlicherweise noch gänzlich auf dem Buxtehuder SV, aber verfolgen Sie denn zumindest schon mal mit einem Auge, was in Neckarsulm passiert?

Linder: Ja, natürlich; das ist schließlich mein zukünftiger Club. Und ich freue mich auch schon, mit Thomas (Zeitz, Trainer der Sport-Union Neckarsulm, Anm. d. Red.) und der Mannschaft etwas aufzubauen.

Zur Person

Annie Linder wurde 1999 im schwedischen Synnerby geboren und zu Jugendzeiten handballerisch bei Skara HF ausgebildet. Über Erstligist Skövde HF landete die Rechtshänderin 2023 schließlich in Göteborg beim schwedischen Spitzenclub IK Sävehof, mit dem sie gleich in ihrer ersten Saison das nationale Double aus Meisterschaft und Pokalsieg feierte. Nach ersten Einsätzen in der Champions League wechselte die 1,79 Meter große Torhüterin im Januar 2025 für ein halbes Jahr zu Jomi Salerno nach Italien, wurde dort ebenfalls Meisterin und verbrachte anschließend einige Monate bei Heimatclub Skara HF, bevor sie im Dezember des vergangenen Jahres vom Buxtehuder SV unter Vertrag genommen wurde.

Bei der Sport-Union Neckarsulm hat Linder zur Saison 2026/2027 einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben und wird gemeinsam mit ihrem Partner auch ihren Lebensmittelpunkt nach Neckarsulm verlegen.

War diese Perspektive, etwas aufzubauen, auch ein Grund für Ihren Wechsel?

Linder: Auf jeden Fall. Ich denke, der Verein und ich teilen die Visionen und Ziele für die Zukunft. Dass wir gemeinsam die gleichen Ambitionen verfolgen, war für mich der wichtigste Punkt. Das gesamte Konzept hier in Neckarsulm hat mir schnell ein gutes Gefühl gegeben und ich bin davon überzeugt, dass der Verein noch eine Menge Potenzial hat.

Wird es Ihnen den Einstieg erleichtern, dass es mit Ihnen und Barbara Győri von Sachsen Zwickau ein gänzlich neues Torhüterinnen-Gespann geben wird und Sie nicht gegen eine vermeintliche Nummer eins um den Platz zwischen den Pfosten kämpfen müssen?

Linder: Nein, so weit habe ich, ehrlich gesagt, gar nicht gedacht. Ich konzentriere mich erst einmal auf mich selbst und auf mein Spiel, denn was Barbara macht, kann ich nicht beeinflussen. Ich freue mich vielmehr, eine neue Torhüterinnen-Freundin zu bekommen und hoffe, dass wir eine gute Zusammenarbeit haben werden.

Sie haben bisher schon in ihrer schwedischen Heimat und in Italien gespielt und sind nun seit Dezember in der Bundesliga aktiv. Welche Unterschiede haben sie da festgestellt?

Linder: Oh, relativ viele und relativ große. (lacht) Der größte Unterschied besteht zwischen Schweden und der Bundesliga. Hier heißt es vor allem: Vollgas voraus. Kraft, Tempo und Geradlinigkeit im Angriff haben hier einen viel höheren Stellenwert. In Schweden ist alles ein bisschen entspannter, man spielt ein wenig taktischer und mit Köpfchen. In Schweden gewinnt daher meistens diejenige Mannschaft, die die andere mit der besseren Taktik auszuspielen weiß. In der Bundesliga ist es daher manchmal die durchaus etwas spaßigere Art Handball zu spielen, weil man nicht dauernd über jeden Spielzug nachdenken muss.

Mit Blick auf Ihre Statistiken scheinen Sie mit der Umstellung aber kein großes Problem gehabt zu haben...

Linder: Das stimmt, was aber vielleicht auch daran liegt, dass sich die Ligen in Italien und Deutschland in ihrer Art zu spielen ein wenig mehr ähneln − denn in Italien denken sie fast gar nicht nach und spielen nur (lacht). Als Torhüterin kommt es aber natürlich vor allem auf die Würfe der Gegner an und die sind in Schweden meist mit viel Ruhe herausgespielt, während Spielerinnen hier recht schnell und dann auch oft mit viel Explosivität zum Abschluss kommen.

Es macht aber Spaß, sich an die verschiedenen Spielerinnen und Spielstile anzupassen. Und unter dem Strich habe ich dadurch vielleicht sogar einen kleinen Vorteil, weil ich weiß, wie zum Beispiel in Skandinavien ausgebildete Spielerinnen vorwiegend werfen.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben