Stimme+
Handball

Sport-Union Neckarsulm macht es in Halle erst mit Köpfchen, dann mit Fäusten

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Eine erwachsene Leistung bringt der Sport-Union Neckarsulm beim SV Union Halle-Neustadt ihren ersten Sieg in den Bundesliga-Playoffs − weil die verbliebenen Rückraum-Spielerinnen auftrumpfen und die Mannschaft mit ihren Kräften zu haushalten weiß.

Hat mit ihren kraftvollen Distanzwürfen dem ersten Playoff-Spiel ihren Stempel aufgedrückt – wie in dieser Deutlichkeit noch nie in Diensten der Sport-Union Neckarsulm: Paulina Uscinowicz (hier beim Wurf im Heimspiel gegen die HSG Blomberg-Lippe).
Hat mit ihren kraftvollen Distanzwürfen dem ersten Playoff-Spiel ihren Stempel aufgedrückt – wie in dieser Deutlichkeit noch nie in Diensten der Sport-Union Neckarsulm: Paulina Uscinowicz (hier beim Wurf im Heimspiel gegen die HSG Blomberg-Lippe).  Foto: Ralf Seidel

Der Samstagabend hatte nichts von einem Handball-Krimi gehabt und die Sport-Union Neckarsulm angesichts ihrer Personalsituation eine gute Leistung gezeigt sowie trotz eines über weite Strecken engen Spielverlaufs ihren 34:30 (16:15)-Sieg gegen den SV Union Halle-Neustadt absolut verdient.

Und doch wirkte Thomas Zeitz in der SWH-Arena erleichtert wie selten. Als die Schlussminute lief und Alicia Soffel gerade nach einem tollen Zuspiel von Paulina Uscinowicz – wie so häufig an diesem Abend – die Deckung der „Wildcats“ durchbrochen und kompromisslos zum 33:29 getroffen hatte, riss der Neckarsulmer Trainer an der Seitenlinie mehrfach beide Arme in die Höhe, die Hände zu Fäusten geballt.

Thomas Zeitz hatte großen Respekt vor der Auswärtsaufgabe

Es war eben alles doch ein bisschen emotionaler, erleichternder und auch richtungsweisender, als man es in Neckarsulm vor Beginn der Bundesliga-Playoffs zugegeben hatte. Die Verletzungssorgen, der kleine Kader, die wenigen Mannschaftstrainings nach der Nationalmannschaftspause mit einer annehmbaren Zahl von Spielerinnen und die latente Angst, durch einen schlechten Playoff-Auftakt beim Tabellenschlusslicht vielleicht doch noch in die unschönen Tabellenregionen hinabzurutschen – all das hatte (unterbewusst) eine Rolle gespielt, als der Neckarsulmer Reisetross am Samstagmorgen nach Sachsen-Anhalt aufgebrochen war.

Entsprechend gut taten die ersten zwei erspielten Punkte, die die Neckarsulmerinnen zusammen mit den sechs in der Hauptrunde verdienten Bonuszählern nach dem ersten Spieltag gleich die Tabellenführung übernehmen ließen. „Ich bin unheimlich stolz auf meine Mannschaft, weil wir mit großem Respekt hierhin gefahren sind“, gab Thomas Zeitz im Nachgang und mit einer wieder alltagstauglicheren Armhaltung zu. „Wir wussten, wie schwierig es hier wird, entsprechend wichtig waren heute diese zwei Punkte für uns.“

Paulina Uscinowicz drückt dem Spiel ihren Stempel auf

Seine personell dezimierte Mannschaft hatte für ihren gelungenen zweiten Saisonstart ordentlich arbeiten müssen. 45 Minuten lang mit dem gastgebenden Aufsteiger auf Augenhöhe, danach aber mit sichtbaren Qualitäts-, Konzentrations- und Cleverness-Vorteilen. „Unser Matchplan ist gut aufgegangen. Die Situation ist für uns angesichts des nicht so großen Kaders nicht leicht, aber wir haben zusammengehalten, und jede Spielerin hat heute einen wichtigen Teil beigetragen – und das war der Plan“, sagte Paulina Uscinowicz, die mit zehn Toren nicht nur beste Werferin des Abends gewesen war, sondern mit ihren kraftvollen Distanzwürfen dem Spiel auch ihren Stempel hatte aufdrücken können – in dieser Deutlichkeit erstmals überhaupt im Neckarsulmer Trikot.

Weil auch Alicia Soffel, wie im Vorfeld von Thomas Zeitz erhofft, ihre Eins-gegen-Eins-Qualitäten gewinnbringend einzusetzen wusste und auch Annefleur Bruggeman ansprechend auftrat, fiel kaum auf, dass aufgrund der allesamt verletzten Lilli Holste, Munia Smits, Angunn Gudmestad und Kamila Kordovská die Rückraum-Alternativen rar und der Druck auf die verbliebenen Kolleginnen entsprechend groß war. „Wir haben einen super Kader, das hat man heute wieder gesehen“, betonte Thomas Zeitz und hatte dabei besonders die Phase nach der Pause im Blick, in der die Sport-Union nach ihrer zwischenzeitlichen Vier-Tore-Führung (13:9/20. Minute) erstmals in Rückstand geraten war (17:18/33.). „Das kann dann auch schon mal in die Hose gehen“, bemerkte der Trainer.

Sport-Union verliert auch unter Zeitdruck nicht den Kopf

Doch seine Spielerinnen hatten in weiser Voraussicht schon zuvor immer wieder das Tempo aus dem Spiel genommen und mit den Kräften gehaushaltet; Zeitspiel oder Zeitmanagement – das lag im Auge des Betrachters. Bei beinahe jedem Neckarsulmer Angriff ging jedenfalls der Arm der Unparteiischen Paul Kijowsky und Lukas Strüder in die Höhe, doch mit klarem Kopf, insgesamt nur acht Technischen Fehlern und wenigen überhasteten Abschlüssen ließ sich die Sport-Union davon nicht aus der Ruhe bringen.

Stattdessen zogen die Gäste dank eines Vier-Tore-Laufs nach der 45-Minuten-Marke auf 29:23 davon und ließen sich vom SV Union Halle-Neustadt danach nicht mehr in Verlegenheit bringen. So stand am Ende eine erwachsene Leistung ebenso wie ein verdienter, abgeklärter Sieg, bei dem alle im Neckarsulmer Team Souveränität und auch in schwächeren Phasen die selbstsichere, aber nicht arrogante Gewissheit ausgestrahlt hatten, sich auf keine Diskussionen um den rechtmäßigen Erben dieser zwei Punkte einlassen zu wollen. Und diese Tatsache war das eigentlich Bemerkenswerteste des gesamten Abends.

Spielstatistik

Sport-Union Neckarsulm: Ivancok (4 Paraden); Fossum (4 Paraden) – Ossenkopp (1), Soffel (9), Hinkelmann (2), Uscinowicz (10), Bruggeman (4), Döll (7/2); Holtman (1), van der Linden, Schäfer, Siegle, Albers.

Erfolgreichste Werferinnen SV Union Halle-Neustadt: Lynn Molenaar (7), Fabienne Büch (6/2).

Schiedsrichter: Paul Kijowsky/Lukas Strüder.

Siebenmeter: SV Union Halle-Neustadt: 2/2; Sport-Union Neckarsulm: 2/3.

Zeitstrafen: 1/2.

Zuschauer: 743.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben