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Sport-Union Neckarsulm geht mit zwei „Neuzugängen“ ins Playoff-Abenteuer

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Der Neckarsulmer Handball-Bundesligist möchte zum Playoff-Auftakt beim SV Union Halle-Neustadt aus den Fehlern des Heimspiels lernen und zugleich die Grundlagen für seinen großen Traum schaffen.

So schnell kann es gehen: Für Finia Siegle geht es in den nächsten Wochen statt in der Regionalliga Baden-Württemberg in den Bundesliga-Playoffs zur Sache.
So schnell kann es gehen: Für Finia Siegle geht es in den nächsten Wochen statt in der Regionalliga Baden-Württemberg in den Bundesliga-Playoffs zur Sache.  Foto: Dorian Frick

Die Frage, ob die Sport-Union in den Playoffs um oder gegen etwas spielt, beantwortet Trainer Thomas Zeitz klar mit ersterem: „Wir freuen uns auf sechs spannende Spiele. Und ich habe den Mädels gesagt, wir können aus dieser Saison noch rein zahlentechnisch die erfolgreichste Neckarsulmer Bundesliga-Spielzeit überhaupt machen.“

Statt in den am Wochenende beginnenden Playoffs gegen den Abstieg zu spielen, visiert die Sport-Union Neckarsulm Tabellenplatz fünf an − ohne ihn als klares Ziel auszurufen. „Wir gucken erst einmal in alle Richtungen“, sagt Zeitz mit Blick auf die nach dem Hauptrunden-Ende wieder enger zusammengerückte Tabelle.

Durchatmen in Neckarsulm: Nationalspielerinnen sind wohlbehalten zurück

Hoffnungsvoll stimmt ihn, dass Antje Döll, Lena Ivancok und Paulina Uscinowicz von ihren Reisen mit der deutschen, österreichischen und polnischen Nationalmannschaft wieder wohlbehalten nach Neckarsulm zurückgekehrt sind, was für Zeitz angesichts des ohnehin dezimierten Kaders das Allerwichtigste gewesen war.

Daher bleibt es bei den Ausfällen von Angunn Gudmestad (Wadenbeinbruch), Alessia Riner und Munia Smits (beide Kreuzbandriss) sowie Kamila Kordovská (Schulterruptur) und Lilli Holste (Knöchelbruch). Während die Saison für die vier Erstgenannten bereits beendet ist, könnte Holste vor ihrem Wechsel zu Zweitligist HC Rödertal ab dem dritten Playoff-Spiel wieder in den Kader rutschen.

Keine Maskottchen: Befördertes Rückraum-Duo könnte Einsatzminuten bekommen

Bis dahin ist das Pech der einen vorerst das Glück von Rebecca Schäfer und Finia Siegle. Denn das Rückraum-Duo aus der zweiten Mannschaft der Sport-Union wird am Samstag (19 Uhr) mit zum ersten Playoff-Spiel nach Sachsen-Anhalt reisen, um Zeitz gegen Aufsteiger SV Union Halle-Neustadt personelle Alternativen zu bieten.

„Beide sind schon die ganze Saison regelmäßig im Training und verdienen sich diese Belohnung daher auch“, sagt Zeitz. Zudem sei es auch ein gutes Signal nach außen, dass sich talentierte Nachwuchsspielerinnen mit Leistung und Einsatz in der Regionalliga-Mannschaft durchaus einen Kaderplatz im Erstliga-Team sichern könnten, sofern die Personalsituation es zulasse. „Beide kennen die Mädels und unsere Abläufe“, sagt Thomas Zeitz und betont, ohne Einsatzgarantien auszusprechen: „Wir werden sie nicht nur als Maskottchen mitnehmen.“

Schäfer kennt Bundesliga-Parkett noch aus dem Frühjahr 2023

Siegle, die aus der Jugend von Frisch Auf Göppingen stammt, hatte sich während des Saisonverlaufs mit ihrem Engagement in einzelnen individuellen Trainingseinheiten eine regelmäßige Teilnahme am Mannschaftstraining erarbeitet. Und Schäfer, die bereits auf drei Bundesliga-Spiele mit einem Einsatz und einem Siebenmeter-Tor 2023 unter Interimstrainer Mart Aalderink zurückblicken kann, sei als „Allround-Talent“ beinahe überall einsetzbar, wie Zeitz sagt, was ihm und seinen Spielerinnen im Training bereits seit der Vorsaison zugutegekommen sei.

Ihr Variabilität könnte Rebecca Schäfer in den nächsten Wochen zu weiteren Bundesliga-Einsätzen verhelfen.
Ihr Variabilität könnte Rebecca Schäfer in den nächsten Wochen zu weiteren Bundesliga-Einsätzen verhelfen.  Foto: Kunz, Christiana

Zwei frühe Siege sollen sorgenfreie Rest-Runde ermöglichen

Die Zielsetzung für die Playoffs wurde in Neckarsulm angesichts der großen Verletzungssorgen etwas heruntergeschraubt, auch wenn der sechste Platz aus der Spielzeit 2020/2021 nicht für alle Ewigkeiten das beste Bundesliga-Abschneiden des Vereins bleiben soll. Im nun wieder engen, jeweils nur von einem Punkt getrennten Teilnehmerfeld, möchte sich das Zeitz-Team in einem ersten Schritt mit zwei Siegen vorzeitig von Relegationsplatz elf entfernen. Alles weitere entscheide sich dann von Spiel zu Spiel.

Von konkreten Europapokal-Plänen bereits für die nächste Saison ist man bei der Sport-Union vor dem Start in die entscheidende Saisonphase daher auch noch ein ganzes Stück entfernt − obwohl der besten Playoff-Mannschaft als Tabellenfünfter nicht nur ein direkter Viertelfinal-Einzug im DHB-Pokal 2026/2027 (inklusive Heimrecht, sofern der Gegner keine klassentiefere Mannschaft ist) winkt, sondern auch eine Teilnahme an der zweiten Qualifikationsrunde der European League. Und sogar als Tabellensechster bestünde noch die Möglichkeit, einen Antrag auf eine Zulassung für die European League zu stellen. 

Sport-Union Neckarsulm würde Europapokal-Abenteuer wagen

„Von der Wildcard-Nummer halte ich nichts“, sagt Thomas Zeitz klar. „Aber wenn wir Fünfter werden sollten“, sagt Rolf Härdtner, „müssen wir die Qualifikation auch machen.“ In einem solchen Fall würde der Vereinsvorsitzende seine Spielerinnen nicht um den Lohn ihrer Arbeit bringen wollen. „Erst einmal wäre ich aber froh, wenn wir in den Playoffs zwei Spiele gewinnen. Dann schlafe ich nämlich beruhigter“, will Härdtner noch nicht allzu weit in die Zukunft schauen.

Sollte der Playoff-Fünfte freiwillig auf den ihm zustehenden Europapokal-Start verzichten, drohe dem Verein vonseiten der Handball Bundesliga Frauen (HBF) außerdem eine Geldstrafe, sagt Thomas Zeitz. Sollte sich aus der Bundesliga zudem kein Nachrücker finden, der den deutschen Startplatz übernehme, dürfte der Verein auch von der Europäischen Handballföderation (EHF) zur Kasse gebeten werden.

Abwehr, Rückraum und Tempo-Spiel stehen im Vordergrund

All das ist jedoch noch weit entfernt. Zuerst „tun wir uns einen Gefallen, wenn wir in Halle vernünftig verteidigen“, sagt Thomas Zeitz, „das würde uns nämlich schon in die Richtung bringen, in die wir wollen“. Zudem dürfte das bei der 23:24-Heim-Niederlage im Januar kaum gesehene Tempospiel einen Vorteil bringen. Aus dem Rückraum wird es auf Paulina Uscinowicz’ Distanz-Würfe und Alicia Soffels Eins-gegen-Eins-Qualitäten ankommen.

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