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Zwischen ausverkaufter Porsche-Arena und Weihnachtsmarkt liegen Deutschlands Handball-Frauen voll im Soll

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Ihre spielfreien Tage verbringen die Nationalspielerinnen während der Weltmeisterschaft mit Freunden und Familien, auf dem Weihnachtsmarkt oder mit dem Videostudium des nächsten Gegners. Am Sonntag geht es gegen Serbien um den Gruppensieg.

Nach den erledigten Hausaufgaben auf dem Feld zieht es Xenia Smits auf den Ludwigsburger Weihnachtsmarkt.
Nach den erledigten Hausaufgaben auf dem Feld zieht es Xenia Smits auf den Ludwigsburger Weihnachtsmarkt.  Foto: Marijan Murat

Die erste, zugegeben niedrige, Hürde ist gemeistert, doch übersprungen werden musste auch sie erst einmal: Nach zwei Siegen aus zwei Spielen steht die deutsche Handball-Nationalmannschaft der Frauen bei der Heim-Weltmeisterschaft bereits vor ihrem letzten Vorrunden-Spiel am Sonntag gegen Serbien (18 Uhr/SportEurope.tv) in der Hauptrunde.

Weder das Auftaktspiel gegen Island (32:25) noch das darauffolgende Schaulaufen gegen Uruguay (38:12) haben bei den Verantwortlichen, Spielerinnen und Fans an Nerven und Kräften gezehrt. Stand jetzt lässt sich einzig festhalten: Voll im Soll.

Auf Training folgt Video und Weihnachtsmarkt

So bleibt, wie schon am vergangenen Donnerstag, auch am Samstag neben den mannschaftlichen Verpflichtungen rund um Training, Regeneration und Videoanalyse ein wenig Zeit für Ablenkung vom Turnier-Alltag. Hoch im Kurs steht dabei der Weihnachtsmarkt in Ludwigsburg. „Es könnte tatsächlich sein, dass ich da noch vorbeischaue“, gibt Xenia Smits mit einem Lachen einen Einblick in die angedachten Freizeitaktivitäten.

Guten Gewissens könnten er und Bundestrainer Markus Gaugisch seine Spielerinnen dort hinschicken, versichert Co-Trainer Frederick Griesbach. Die Gefahr, dass die ein oder andere im Überschwang des gelungenen Turnierstarts womöglich zu tief in den Glühwein-Topf schauen könnte, bestehe überhaupt nicht. „Xenia ist vertrauensvoll, die darf durchaus auf den Weihnachtsmarkt – außerhalb der Trainings- und Videozeiten“, sagt Griesbach mit einem Schmunzeln.

DHB-Präsident Michelmann lobt Stuttgart als "hervorragende Gastgeberstadt"

In der gemütlichen Barockstadt, in der die deutsche Mannschaft während der Vorrunde im Nestor Hotel untergekommen ist, fühle man sich äußerst wohl, betonte DHB-Präsident Andreas Michelmann bereits zu Turnierbeginn. Auch die Gastgeberstadt Stuttgart bekam vom 66-Jährigen gute Noten – ebenso wie von Rückraum-Spielerin Smits.


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„Die Atmosphäre in der Halle ist super, das ist genauso, wie man es sich vorstellt. Stuttgart kann Handball“, sagt die 31-Jährige, während Michelmann voll des Lobes von einer „hervorragenden Gastgeberstadt für die Weltmeisterschaft“ sprach.

Schwester Munia drückt Xenia Smits die Daumen

Wen es nicht auf den Weihnachtsmarkt zieht, der hat an den spielfreien Tagen ein wenig Zeit für Freunde und Familie. So wie Nina Engel. „Das gibt einem schon noch einmal Energie und es tut gut, wenn man mal für eine Stunde mit Familie und Freunden Zeit verbringen und aus dieser ‚Bubble" heraus kann. Das war auch beim vergangenen Turnier so“, erzählt die 22-Jährige. Regeneration und vereinzelt auch noch einige Trainingseinheiten stünden aber „natürlich„“ an allererster Stelle.


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Den Kontakt zur Familie hält auch Xenia Smits während des Turniers. Schwester Munia von der Sport-Union Neckarsulm drückt selbstverständlich die Daumen, wenn ihre ältere Schwester im Einsatz ist. „Vor allem vor dem Spiel gab es einen kurzen Austausch zwischen Schwestern, sie hat mich beglückwünscht und mir gesagt, wie stolz sie ist“, erzählt Smits nach dem Auftaktspiel. „Nach einem Spiel ist der Handball dann aber kein großes Thema mehr. Da geht es vielleicht um das Ergebnis, aber sonst bleibt es da auf familiärer Ebene.“

DHB vertraut seinen Nationalspielerinnen

Der Deutsche Handballbund und das Trainerteam lassen die Akteurinnen an den Tagen zwischen den Spielen an der langen Leine. „Wir sperren die Spielerinnen nicht ein; das ist nicht zeitgemäß und hat noch nie zu mehr Erfolg geführt. Und wenn man sieht, wie diszipliniert die Spielerinnen ihr gesamtes Leben nach dem Handball und auf dieses Heim-Turnier ausrichten, wie sie trainieren, was sie investieren, wie sie sich ernähren, da herrscht – und da kann ich, glaube ich, auch für Markus sprechen – bei uns vollstes Vertrauen in die ganze Mannschaft“, betont Co-Trainer Griesbach.

Bei Torhüterin Sarah Wachter dreht sich hingegen auch am spielfreien Tag alles um Handball: „Für mich als Torhüterin heißt es am Tag vor dem nächsten Spiel vor allem: Video, Video, Video für den nächsten Gegner.“ Nach ihren sechs Paraden im Spiel gegen Uruguay ist inzwischen auch die 25-Jährige im Turnier angekommen.


Vorrunden-Abschluss gegen Serbien am Sonntag

Im letzten Vorrunden-Spiel am Sonntagabend gegen Serbien geht es für die DHB-Auswahl darum, als Gruppenerster und verlustpunktfrei in die Hauptrunde einzuziehen. Bundestrainer Markus Gaugisch und sein Assistent Frederick Griesbach haben beim Team vom Balkan klassische Kreuzungsvarianten sowie die Rückraum-Kreis-Kooperation als bevorzugte spielerische Stilmittel identifiziert. Die reaktivierte Kreisläuferin Dragana Cvijic (35) sei dabei die zentrale Figur, sagt Gaugisch.

„Bei Serbien haben wir die Champions League analysiert und die Spielerinnen auch bei ihren Vereinen gescoutet, um die individuellen Dinge zu sehen. Dragana Cvijic spielt zum Beispiel bei FTC in Ungarn mit Emily Vogel zusammen: Da nehmen wir uns natürlich nochmals speziell die Spiele heraus und schauen, was macht sie gerne und wo ist sie anfällig“, erklärt Griesbach.

Keine Verrücktheiten, aber mehr Körperlichkeit

Gaugisch warnt – „Sie spielen einen nicht allzu komplizierten Handball, aber das, was sie spielen, machen sie auf den Punkt“ –, stellte aber bereits vor Turnierbeginn klar: „Wir gehen als Favorit in alle drei Spiele und nehmen die Rolle natürlich auch an, damit haben wir kein Problem.“

Davor, dass es gegen die körperbetont spielenden Serbinnen am Sonntagabend wohl wieder etwas rustikaler zugehen wird als noch gegen Uruguay, hat Gaugisch keine Angst. „Serbien ist in Sachen Körperlichkeit ja viel näher an dem, was wir eigentlich gewohnt sind. Gerade die Spielerinnen, die in der Champions League spielen, haben das ja jedes Wochenende“, betont der 51-Jährige und verweist zugleich auch auf seine eigenen Defensiv-Akteurinnen, die ebenfalls alles andere als Leichtgewichte seien: „Ich glaube, es macht auch wenig Spaß gegen uns zu laufen. Zum Glück muss ich im Training nicht mehr mitmachen, denn gegen unseren Innenblock möchte ich auch nicht unbedingt kommen.“

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