Anspruchsvolles Restprogramm trennt SGV Freiberg und Heilbronn von 3. Liga
Sieben Spiele in sechs Wochen entscheiden in der Regionalliga Südwest über Meisterschaft und Aufstieg des SGV Freiberg. Einiges spricht im Titel-Zweikampf für die künftigen Heilbronner, ihre Offensive und das Restprogramm allerdings nicht.
Von einem besonderen Spiel sprachen am späten Nachmittag des Ostermontags viele im Freiberger Wasenstadion, die es mit dem gastgebenden Sport- und Gesangsverein hielten.
Schließlich hatte der SGV auf dem Weg zu seinem großen Ziel 3. Liga eine kleine, aber kniffelige Zwischenhürde erfolgreich übersprungen.
SGV Freiberg gewinnt Derby gegen Stuttgarter Kickers und sammelt Selbstvertrauen im Aufstiegskampf
Der 2:1 (2:1)-Erfolg im S-Bahn-Derby gegen die Stuttgarter Kickers, die sich für den SGV in der jüngeren Vergangenheit mehrfach als unangenehmer Rivale erwiesen hatten, brachte der Mannschaft von Trainer Kushtrim Lushtaku nicht nur drei wichtige Punkte im Aufstiegsrennen ein, sondern auch eine Menge Selbstvertrauen für den anstehenden Saisonendspurt.
„Wir sind weiterhin drei Punkte vorne und haben es damit selbst in der Hand. Natürlich müssen wir nachlegen, wenn Großaspach die Spiele immer so zieht, haben aber gegen starke Kickers unter Beweis gestellt, dass wir diesem Druck gewachsen sind“, sagt Spielführer Marco Kehl-Gómez in einer Mischung aus Stolz und Entschlossenheit.
SGV Freiberg revanchiert sich für WFV-Pokal-Aus im März
Sein SGV Freiberg hatte die Blauen von der Waldau erstmals überhaupt in einem Liga-Heimspiel bezwungen und damit auch Revanche genommen für das 1:1 im Hinspiel, mit dem die Kickers am zehnten Spieltag die erste Mannschaft gewesen waren, die dem SGV in dieser Saison überhaupt einen Punkt hatte abnehmen können.

Und auch die 1:3-Viertelfinal-Niederlage Mitte März im WFV-Pokal konnten die Freiberger zumindest in Teilen wettmachen. Seit der Spielzeit 2020/2021 hat sich zwischen dem Traditionsclub aus der Landeshauptstadt und dem im Sommer nach Heilbronn umziehenden Emporkömmling aus Freiberg eine gewisse Rivalität entwickelt.
Duelle zwischen SGV Freiberg und Stuttgarter Kickers
2020 stand der SGV in der Oberliga bereits mit fünf Punkten Vorsprung vor den Kickers an der Tabellenspitze, als die Saison aufgrund der Covid-19-Pandemie nach 13 Spieltagen vorzeitig abgebrochen wurde. In der Folgesaison brachte am letzten Spieltag erst ein Tor von Freibergs Marcel Sökler tief in der Nachspielzeit beim FC Nöttingen dem SGV einen 2:1-Auswärtssieg und damit den direkten Aufstieg in die Regionalliga.
Leidtragende waren ausgerechnet die Kickers aus Stuttgart, die dadurch noch von der Tabellenspitze rutschten und später in der Aufstiegsrelegation den Sprung in die Viertklassigkeit verpassten. In der vergangenen Spielzeit verhinderten die Freiberger mit ihrem Achtelfinal-Sieg im WFV-Pokal dann auch noch eine Finalteilnahme der Kickers im eigenen Stadion auf der Waldau.
Aufstiegszweikampf mit der SG Sonnenhof Großaspach
In diesem Jahr werden allerdings der SGV und die SG Sonnenhof Großaspach den einzigen Aufsteiger aus der Regionalliga Südwest mit großer Sicherheit unter sich ausmachen, das zeichnet sich nach dem am Montag zu Ende gegangenen 27. Spieltag immer deutlicher ab. Der Vorsprung der zweitplatzierten Aspacher auf den neuen Tabellendritten 1. FSV Mainz 05 II ist nach dem 2:2-Remis des bisherigen Drittplatzierten FSV Frankfurt gegen den FC-Astoria Walldorf auf neun Punkte angewachsen.
„Wir müssen einfach Spieltag für Spieltag unseren Job erledigen – mit der Direktbegegnung in zwei Wochen gegen Großaspach im Hinterkopf. Aber wir konzentrieren uns jetzt erst auf das nächste Spiel gegen Homburg; das wird der nächste schwierige Gegner“, warnt Kehl-Gómez vor den Saarländern, die in der Vorwoche alle drei Punkte aus dem Aspacher Fautenhau entführt und den Freibergern damit in die Aufstiegskarten gespielt hatten. Denn so entpuppte sich selbst deren hart erarbeitetes Unentschieden bei Hessen Kassel noch als Punktgewinn, weil es den Vorsprung der Freiberger an der Tabellenspitze auf drei Zähler anwachsen ließ. Sechs Wochen und sieben Regionalliga-Spiele trennen den SGV Freiberg noch von einem sportlichen Aufstieg in die 3. Liga.
Druckresistenz als Stärke: SGV antwortet auf Großaspacher Siege
Eines dieser Duelle wird am 22. April, einem Mittwochabend, das direkte Aufeinandertreffen zwischen den Aufstiegsaspiranten in der Aspacher WIRmachenDRUCK Arena sein, das seine Schatten bereits vorauswirft. „Es ist momentan natürlich allgemein Druck da, aber das gehört einfach dazu. Wir sind jetzt in der heißen Phase der Saison, in zwei Wochen spielen Aspach und wir gegeneinander und selbst danach ist die Saison noch nicht zu Ende. Man muss in den letzten Saisonwochen einfach bei sich bleiben und darf seine eigene Linie nicht verlieren“, mahnt Freibergs Innenverteidiger Paul Polauke, der mit seinem Tor zum 1:0 gegen seinen Ex-Club den Weg zum Sieg ebnete.
Wie vor den beiden Heimsiegen gegen die Kickers aus Offenbach und Stuttgart wird der SGV Freiberg auch am nächsten Samstag in Homburg (14 Uhr) ziemlich sicher in der Pflicht sein, nachlegen zu müssen. Denn Sonnenhof Großaspach empfängt bereits am Abend zuvor den Aufsteiger und aktuell Tabellenvorletzten TSV Schott Mainz, der den direkten Wiederabstieg wohl nicht mehr wird verhindern können. „Vor den Spielen gegen Offenbach und die Kickers war es ja aber bereits ähnlich, als uns Aspach in der Tabelle überholt hatte, wir aber auch da standgehalten haben. So darf es weitergehen; wir sind eine brutal stabile Truppe“, sagt Polauke selbstbewusst.
Anspruchsvolles Regionalliga-Restprogramm für SGV Freiberg
Das Restprogramm von dessen Freibergern ist im Vergleich zu Sonnenhof Großaspach in den verbleibenden Saisonwochen allerdings das deutlich anspruchsvollere. Neben den Auswärtsspielen beim Tabellenvierten FC Homburg und eben in Großaspach werden im Wasenstadion unter anderem noch die Zweitvertretung des 1. FSV Mainz 05 und Drittliga-Absteiger SV Sandhausen zu Gast sein. Zwar stehen auch im Kalender der SGS noch anspruchsvolle Duelle mit den Landeshauptstädtern aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, doch die derzeitige durchschnittliche Tabellenplatzierung der verbleibenden Freiberger Gegner (7,7) ist deutlich besser als jene der offensivstarken Großaspacher (10,0).
„Unser Verfolger schießt Woche für Woche viele Tore; wir versuchen dafür wenige zu bekommen“, sagt SGV-Coach Lushtaku fast ein wenig schelmisch angesichts der 15 weniger geschossenen Tore seiner Mannschaft, die bisher aber auch ebenso viele Treffer weniger kassiert hat. „Aber klar: Wir müssen den ein oder anderen Treffer mehr machen, denn es gab jetzt schon mehrere Spiele, in denen wir einiges liegengelassen haben. Wir werden in den nächsten Wochen daran arbeiten, im Abschluss konsequenter zu werden“, kündigt der 36-Jährige an.
SGV-Kapitän Kehl-Gómez weiß, wie man Regionalliga-Meister wird
Ob sich in dieser Regionalliga-Spielzeit im Südwesten also tatsächlich einmal mehr die Fußballweisheit bewahrheitet, nach der der Angriff Spiele, aber die Defensive Meisterschaften entscheidet, wird sich in den nächsten sechs Wochen entscheiden. „Aber wenn wir unsere Tore nicht machen, kann bis zur letzten Sekunde alles passieren. Wir hätten uns das Leben immer wieder ein bisschen einfacher machen können“, sagt Marco Kehl-Gómez.
Der in Hardthausen am Kocher lebende Anführer der Freiberger Aufstiegsaspiranten muss es wissen. Mit der SV Elversberg (2016/2017) und dem 1. FC Saarbrücken (2017/2018) gelang dem 33-Jährigen schließlich schon zweimal der Titelgewinn in der Regionalliga Südwest – jeweils dank der besten Abwehr der Liga.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare