Stimme+
Handball
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Bei der Sport-Union Neckarsulm wird der ehemalige Kabinen-DJ zum neuen Trainer

   | 
Lesezeit  5 Min
Erfolgreich kopiert!

Trainerwechsel bei den Verbandsliga-Männern der Sport-Union Neckarsulm: Jan Schenk und Jan König sollen den „Neckarsulmer Weg“ fortführen, den Jonas Heilmann vor fünf Jahren eingeschlagen hat.

Jonas Heilmann (Mitte) gibt die Verantwortung als Trainer im Sommer weiter. Jan König (links) wird neuer Co-Trainer bei den Verbandsliga-Männern der Sport-Union Neckarsulm.
Jonas Heilmann (Mitte) gibt die Verantwortung als Trainer im Sommer weiter. Jan König (links) wird neuer Co-Trainer bei den Verbandsliga-Männern der Sport-Union Neckarsulm.  Foto: Lina Bihr

Nela erleichtert Jonas Heilmann den Abschied. Nach acht Jahren bei der Sport-Union Neckarsulm, zunächst drei als Spieler und im Sommer dann fünf als Trainer, tritt der 29-Jährige nach dem Ende der laufenden Saison kürzer. Seiner im Dezember geborenen Tochter Nela gilt dann die volle Aufmerksamkeit des Neckarsulmer Trainers, mit dem auch Co-Trainer Christian Eiermann, der ebenfalls mehr Zeit für das Privatleben freizuräumen sucht, abtritt. „Ich möchte einfach die Familie an die erste Stelle setzen“, erklärt Heilmann seinen Rückzug.

Mit seinem Nachfolger hat der ehemalige Spielmacher einst noch selbst zusammengespielt: Jan Schenk (30), derzeit noch Trainer beim Bezirksoberligisten TSV Willsbach, übernimmt mit Jan König und Julian Ballmann als Co-Trainer im Sommer die Verantwortung. Zudem werden im Mannschaftsumfeld mit Matthias Friebe und Nico Seyboth (Torwart-Trainer), sowie Yannick Guldi (Sportlicher Leiter) einige weitere ehemalige Neckarsulmer Spieler mehr Verantwortung übernehmen. „Ich bin sehr froh, dass das so geklappt hat; das Team ist bei ihnen in guten Händen“, betont Heilmann.

Jonas Heilmann gestaltet ab 2021 den kompletten Neuaufbau

Es wird nach fünf Jahren der Konstanz ein Einschnitt beim Verbandsligisten, für die Heilmann maßgeblich gesorgt hat, seitdem er 2021 das Traineramt übernommen hat. Die Sport-Union hatte ihr Männer-Team damals während der Covid19-Pandemie aus der Oberliga abgemeldet und aus finanziellen Gründen auf einen Neustart in der Landesliga gesetzt. Neuaufbau statt höherklassigen Ambitionen, eigener Nachwuchs statt teure Neuverpflichtungen lautete das Motto. Der unbelastete Jonas Heilmann erwies sich dafür als der genau richtige Mann.

„Die Strukturen und die Mannschaft neu aufzubauen, war damals sehr intensiv, obwohl es eine Menge Spaß gemacht hat“, sagt Heilmann. „Es war eine riesige Aufgabe, bei der ich mich immer wieder selbst fragen musste: Wie viel steckst du da rein und wie viel ziehst du da raus.“ Stets gaben die Mühen mehr als sie nahmen. Und der Aufwand lohnte sich.


Mehr zum Thema

Ein Team, das zusammensteht: Die Neckarsulmer präsentierten sich bei ihrem ersten Heimspiel als verschworene Einheit.
Fotos: Mario Berger
Stimme+
Handball
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Beherzter Neckarsulmer Neuaufbau im blanken Blaumann


Nachwuchstalenten gelingt der Sprung zu den Aktiven

Die Mannschaft bekam ein „Neckarsulmer Gesicht“, immer mehr ehemalige Sport-Union-Akteure fanden unter Heilmann den Weg zurück an den Pichterich und das regelmäßige Einbinden der aufrückenden Nachwuchstalente wie Niklas Müller oder aktuell Manuel Feimer, die früh tragende Rollen im Team übernahmen, zahlte sich aus. Die Folgen waren 2022 die Landesliga-Meisterschaft und der mit ihr verbundene Aufstieg und in der Vorsaison ein langer Kampf um den Sprung in die Oberliga.

Um diesen Neckarsulmer Weg fortzusetzen, gestaltete Jonas Heilmann den Übergang in den vergangenen Wochen mit, führte Vertragsgespräche für die nächste Spielzeit und war auch selbst an der Suche seines Nachfolgers beteiligt. „Ich habe einen ganz offenen Austausch mit Rolf Härdtner (Vereinsvorsitzender, Anm. d. Red.) und es gibt auch keinerlei Groll. Daher war es klar, dass ich helfe.“

Jan Schenk wird von einer Notlösung zu einer Wunschlösung

Mit Jan Schenk, der zwischen 2014 und 2021 selbst das Trikot Sport-Union getragen und dabei zeitweise die Rolle des Kabinen-DJs inne hatte, ist die Nachfolge nun geregelt. „Der Verein hatte den Wunsch, dass ein junger Trainer diese dynamische Truppe übernimmt und der volle Fokus auf die Einbindung der eigenen Jugendspieler bestehen bleibt“, umreißt Schenk das Anforderungsprofil.

Jan Schenk (am Ball) spielte 2023 noch selbst für den TSV Willsbach, bevor ihn ein Knorpelschaden zu einem frühzeitigen Karriereende zwang.
Jan Schenk (am Ball) spielte 2023 noch selbst für den TSV Willsbach, bevor ihn ein Knorpelschaden zu einem frühzeitigen Karriereende zwang.  Foto: Kunz, Christiana

„Ich selbst hatte eigentlich nie den Plan, eine große Trainerkarriere zu machen und bin da ja auch in Willsbach nach dem Abgang von Ergin Toskic gemeinsam mit Jochen Seifer eher als Notlösung reingerutscht. Aber ich habe damals gesagt, ich gebe dem Ganzen mal eine Chance − anfangs vor allem weil ich nicht wusste, was ich mit meiner freien Zeit anfangen sollte“, gibt Jan Schenk zu und lacht. „Und das Angebot aus Neckarsulm, mit vielen alten Freunden wieder zusammenzuarbeiten, war jetzt einfach zu verlockend“, gesteht Schenk, der noch an seiner C-Lizenz arbeitet.

Als allwissenden Trainer sieht er sich daher keineswegs. „Ich werde mich auch in Neckarsulm noch persönlich weiterentwickeln und es wird einige Dinge geben, die ich erst lernen muss.“ In der Vorsaison hat der 30-Jährige noch die Willsbacher A-Junioren betreut, nachdem ihn zuvor ein Knochenabriss samt Knorpelschaden im linken Sprunggelenk zu einem frühen Karriereende gezwungen hatte.

Gemeinsame Handball-Vergangenheit mit Spielern und Trainern

Die engen Bande zu Akteuren wie Lucas Lochbihler oder Alexander Bartelmann, mit denen Schenk in Neckarsulm noch selbst zusammengespielt hat, und Jan König und Matthias Friebe aus dem neuen Trainerteam, mit denen den ehemaligen Linksaußen-Akteur gemeinsame Jahre beim TSV Weinsberg verbinden, dürften ihm den Sprung in die zwei Klassen höhere Verbandsliga etwas erleichtern.

„Ich habe acht Jahre in der heutigen Regionalliga gespielt, von daher kenne ich die sportlichen Rahmenbedingungen“, sagt Jan Schenk um Unterschied zwischen Bezirksober- und Verbandsliga. „Ich glaube sogar, es ist schwieriger eine Mannschaft wie die beim TSV Willsbach zu trainieren, in der die Spieler handballerisch nicht so weit sind. Das, was ich aktuell in Willsbach mache, lässt sich in Ausbauschritten und mit Erweiterungen auch in Neckarsulm umsetzen“, ist Schenk überzeugt.

Erste Kader-Personalien stehen bereits fest

Ebenso wie Jan Schenk kommt auch der erste Sommer-Neuzugang der Sport-Union aus der Bezirksoberliga: Torhüter Lucas Grimm, der im Nachwuchs des TSB Horkheim ausgebildet wurde, wird von Tabellenschlusslicht SG Heuchelberg nach Neckarsulm wechseln. „Die Kombination aus sportlichem Potenzial und charakterlicher Stärke hat ihn schnell zum absoluten Wunschkandidaten auf der Torhüterposition gemacht“, heißt es in einer Mitteilung der Sport-Union. Darüber hinaus steht bereits fest, dass Co-Kapitän Lucas Lochbihler, Schlussmann Alexander Bartelmann, Noah Tews und Jonas Mack der Mannschaft mindestens ein weiteres Jahr erhalten bleiben.

Die genauen Zuständigkeiten werden sich zwar erst in den nächsten Wochen und Monaten final herauskristallisieren, doch einiges ist bereits umrissen: Schenk und König sind neben der Trainingsarbeit für Transfers zuständig. „Der Kader soll in der Breite noch mit jungen, hungrigen Spielern aus der Region verstärkt werden, so dass wir einen 16er-Kader und eine Trainingsbeteiligung auf hohem Niveau haben“, gibt Schenk Einblicke in die weiteren Personalplanungen.

Yannick Guldi soll in seiner Rolle als Sportlicher Leiter das Sprachrohr aus der Mannschaft in den Verein und die Abteilung sein und Julian Ballmann, der in der laufenden Spielzeit bereits gemeinsam mit Bundesliga-Spielerin Kim Hinkelmann die Neckarsulmer B-Junioren trainiert, fungiert neben seiner Rolle als Co-Trainer auch als „wichtige Schnittstelle zur Jugend“, wie Schenk sagt.



Entwicklung der Verbandsliga-Männer freut gesamte Abteilung

In der Handball-Abteilung der Sport-Union Neckarsulm blickt man zufrieden auf die Entwicklung der Männer-Mannschaft und die nun gesicherte Kontinuität im Konzept. „Die Trainersuche war ein Prozess über mehrere Gesprächsrunden, bei denen ich aber nicht dabei war. Denn wir haben inzwischen in Heiko John jemanden für den männlichen Jugendbereich, der gut vernetzt ist und auch ein Interesse am Fortbestand der Herren I hat, weil er den jungen Spielern eine Perspektive im Verein bieten möchte“, sagt Gernot Drossel.

Der Handball-Koordinator der Sport-Union lässt der Männer-Abteilung in ihren Entscheidungen weitgehend freie Hand, sofern die finanziellen Rahmenbedingungen eingehalten werden: „Wir sind froh, dass wir so früh ein neues Trainerteam gefunden haben, weil es in der Liga nicht ganz einfach ist, jemanden zu finden, der in den Budget-Rahmen reinpasst und den Weg der Mannschaft mit seiner Arbeit unterstützt. Beides ist jetzt aber gegeben.“


Mehr zum Thema

Stimme+
Handball 
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

TSV Weinsberg schafft beim Stirner-Cup in Willsbach den Titel-Hattrick 


Drossels Spar-Konzept kommt auch bei den Männern zur Anwendung

Um das Finanzgebaren der Neckarsulmer Männer-Mannschaft ragten sich in der Vergangenheit immer wieder Gerüchte. Mal hieß es, der Kader komme gänzlich ohne die Bezahlung von Spielern aus, dann war hin und wieder von einzelnen, privaten Gönnern die Rede, die speziell der Ersten Mannschaft finanziell unter die Arme greifen würden.

„Das spielen für Geld war hier in Neckarsulm gerne der Ansatz, aber den habe ich – auch bei den Männern – konsequent versucht herauszunehmen. Das war nicht immer einfach, das sage ich ganz ehrlich, ist aber inzwischen zähneknirschend akzeptiert“, verrät Drossel, der aufgrund der veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor anderthalb Jahren mit einem klaren Spar-Auftrag im Unterland angetreten war.

„Bei den jungen Spielern ist die Möglichkeit des Sprungbrettes ihre Bezahlung, denn das reduzierte Budget ist für den Männer- und Frauen-Bereich gleich. Mit dem Unterschied: die Frauen spielen in der vierten und die Männer in der sechsten Liga. Da ist es schon schwierig genug, den Frauen diese gleichen Budgets zu erklären“, sagt Gernot Drossel.

Sieben Jahre lang ist Jan Schenk als Linksaußen für die Sport-Union Neckarsulm aufgelaufen und feierte am Pichterich unter anderem den Aufstieg in die damalige Baden-Württemberg Oberliga. Hier ist er im September 2015 im HVW-Pokal gegen den SKV Oberstenfeld im Einsatz.
Sieben Jahre lang ist Jan Schenk als Linksaußen für die Sport-Union Neckarsulm aufgelaufen und feierte am Pichterich unter anderem den Aufstieg in die damalige Baden-Württemberg Oberliga. Hier ist er im September 2015 im HVW-Pokal gegen den SKV Oberstenfeld im Einsatz.  Foto: Veigel, Andreas

Vorgänger und Nachfolger eint Optimismus in Sachen Klassenerhalt

Im Mittelpunkt stehen in den nächsten Monaten jedoch weniger die Finanzen als vielmehr das Sportliche, denn die Sport-Union ist noch ein ganzes Stück von einem sicheren Verbleib in der Verbandsliga entfernt.  Was Jan Schenk und Jonas Heilmann jedoch eint, ist die Zuversicht, den vor fünf Jahren eingeschlagenen Weg in der Verbandsliga fortsetzen zu können – trotz des trügerischen elften Tabellenplatzes, auf dem die Sport-Union ins Jahr 2026 gerutscht ist.

Die Liga ist mal wieder brutal eng, aber wir sind sehr positiv und voller guter Dinge für die Rückrunde“, sagt Heilmann entschlossen. „Wir schauen in der Tabelle nach oben, nicht nach unten.“ Kein Wunder, denn mit dem Klassenerhalt in der Tasche ließe sich das Familienleben dann noch ein klein wenig sorgloser genießen.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben