Stimme+
Handball
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Verbandsliga: Sachlichkeit in Heilbronn, Ambitionen in Flein, Optimismus in Hohenlohe und Neckarsulm

   | 
Lesezeit  7 Min
Erfolgreich kopiert!

Vier Mannschaften aus der Region spielen in dieser Saison in der Handball-Verbandsliga Württemberg. Bei zwei Aufsteigern steht der Klassenerhalt im Fokus, in Flein und Hohenlohe blickt man über die Abstiegszone hinaus.

Einige sind bereits in die Saison gestartet, andere müssen noch drei Wochen warten: Die Spielpläne der Handball-Verbandsliga Württemberg sind bei Frauen wie Männern alles andere als synchron. Bei letzteren haben TV Flein und Sport-Union Neckarsulm ihr Saisondebüt bereits gefeiert. Aufsteiger HSG Heilbronn und die HSG Hohenlohe starten bei den Frauen erst an diesem Wochenende - oder sogar noch später.

Trainer Patrice Payer ist nach zwei Jahren zurück beim TV Flein. An der Favoritenrolle von Aufstiegsanwärter Bietigheim II ist er nicht ganz unschuldig.
Trainer Patrice Payer ist nach zwei Jahren zurück beim TV Flein. An der Favoritenrolle von Aufstiegsanwärter Bietigheim II ist er nicht ganz unschuldig.  Foto: Seidel, Ralf

TV Flein möchte seine Vorjahresleistungen bestätigen

Für Patrice Payer war es weniger ein „Hallo“, sondern vielmehr ein „Willkommen zurück“. Nachdem der Trainer 2019/2020 mit den Fleinern in die Verbandsliga aufgestiegen war, dann aber aus privaten und beruflichen Gründen seinen Rücktritt verkündet hatte, ist Payer nun wieder beim TVF in der Verantwortung. Er beerbt damit Reiner Kazmeier, der sich nach Rang drei in der Vorsaison zurückgezogen hat. „Wir haben erst einmal ein bisschen was zu tun gehabt“, sagt Payer mit Blick auf den Kader, den er im Sommer vorgefunden hat.

Erste Personalfragen wurden frühzeitig beantwortet

Daher hatten die Fleiner Handballer bereits Ende Juni die Arbeit mit intensiven Ausdauereinheiten wieder aufgenommen. „Die Mannschaft hat ihre Defizite im athletischen Bereich aber selbst erkannt“, berichtet Payer. Weil der Kader trotz der frühzeitig geklärten Personalfragen – Torhüter Philip Hämmerling (SG Schozach-Bottwartal), Rückraumspieler Elias Castiello (SKV Oberstenfeld) und Noel Hoffmann (TSB Horkheim II) sind neu im Fleiner Verbandsliga-Team – dünn besetzt sei, sei eine gute körperliche Grundverfassung Voraussetzung dafür, dass die Gruppe durch etwaige Verletzungen im Saisonverlauf nicht noch weiter dezimiert werde.

Im sportlichen Bereich habe er hingegen ein eingespieltes Team vorgefunden, sagt der Rückkehrer, der zu Saisonbeginn noch auf die länger verletzten Elias Castiello und Florian Pitzke sowie den gesperrten Spielmacher Sven Kroll verzichten muss. „Ich denke, wir werden ein gutes Mitspracherecht in der Liga haben.“

Trainer Payer möchte „ein Wörtchen oben mitreden“

Als absoluten Top-Favoriten auf den Aufstieg sieht Payer jedoch Bietigheim II an. Und er muss es wissen. Denn mit einigen Spielern der Bietigheimer verbindet ihn eine gemeinsame Vergangenheit: Als ehemaliger A- und B-Jugend-Trainer der Viadukt-Handballer hat er viele Spieler des aktuellen Kaders mit entwickelt und geformt. Zudem stehen inzwischen ehemalige Bundesliga-Spieler wie Marco Rentschler, Mario Urban und Nils Boschen für die Bietigheimer auf der Platte.

„Ich bin aber trotzdem davon überzeugt, dass wir ganz gut mitspielen können. Wir wollen die Leistung der Vorsaison bestätigen und unter den ersten vier auftauchen.“ „Aber“, wendet Patrice Payer ein, „dafür muss viel zusammenpassen. Wenn wir keine Verletzungen haben, können wir ein Wörtchen oben mitreden.“

Kader des TV Flein

Tor: Philip Hämmerling, Felix Kerber, Garry Ziegler. Rückraum: Elias Castiello, Kevin Hamberger, Kai Herrmann, Noel Hoffmann, Patrick Kachelmuß, Dennis Kloke, Sven Kroll, Jan Scheitterlein, Marco Schilpp, David Track, Cedric Ziegler. Außen: Marius Braun. Kreis: Christian Joos, Florian Pitzke.
Trainer: Patrice Payer. Torwart-Trainer: Benjamin Unser.

Hingehört und aufgepasst: In Neckarsulm gibt Trainer Jonas Heilmann die Richtung vor. Qualitativ dürfte sich sein Kader verbessert haben.
Hingehört und aufgepasst: In Neckarsulm gibt Trainer Jonas Heilmann die Richtung vor. Qualitativ dürfte sich sein Kader verbessert haben.  Foto: Seidel, Ralf

Sport-Union Neckarsulm bleibt als Aufsteiger demütig

Trotz hartnäckiger Konkurrenz aus Mundelsheim und Bönnigheim gelang der Sport-Union Neckarsulm im April nach 15 Siegen und nur drei Niederlagen der Aufstieg aus der Landesliga. Dass in der sechsklassigen Verbandsliga nun das ein oder andere Mal weniger gejubelt werden dürfte, ist Trainer Jonas Heilmann bewusst. „Es wird wichtig werden, wie wir uns nach Niederlagen wieder rausziehen, ob wir umschalten und auch mal ein Spiel abhaken können“, sagt der 26-Jährige.

Mental werde es kein Problem, prognostiziert Heilmann, ob es auch sportlich gelinge, werde aber erst der Saisonverlauf zeigen. Um den sportlichen Druck gar nicht allzu groß werden zu lassen, will die Sport-Union als Aufsteiger „so schnell wie möglich unten weg“, wie es ihr Trainer formuliert. Ein guter Saisonstart soll der Grundstein für den Ligaverbleib werden.

Einstellung und Mentalität als wichtigste Fakoren

In der Vorbereitung haben die Neckarsulmer zunächst viel im Defensivbereich gearbeitet, vor allem das 3:2:1-System wurde dabei in den Blick genommen und soll für mehr Variabilität sorgen. „Eine stabile Defensive hat uns im letzten Jahr in den Top-Spielen manchmal gefehlt“, ist Heilmann trotz nur dreier Niederlagen durchaus selbstkritisch. Dass zwei der Punktverluste gegen den TV Mundelsheim und gegen den TSV Bönnigheim zustande kamen, hatte das Aufstiegsrennen in der Landesliga überhaupt so lange offen gehalten.

„Die Einstellung und Mentalität macht sehr viel aus“, sagt Heilmann. Wenn die stimme, könne sein Team die Klasse halten, ist sich der Übungsleiter sicher. Favoriten sind in der Verbandsliga aber freilich andere. An der Spitze dürfte am Ende die Zweitvertretung der SG BBM Bietigheim stehen, deren erste Mannschaft in der 2. Bundesliga spielt. „Da haben sich ein paar Jungs zusammengefunden“, sagt Jonas Heilmann ebenso schmunzelnd wie beeindruckt. Auch der TV Flein und die SG Weinstadt könnten eine gute Rolle spielen, prognostiziert er.

An Kaderschwachstellen gezielt nachgebessert

Personell hat die Sport-Union gezielt aufgerüstet: Luca Kazmeier kehrt nach einem Jahr aus Weinsberg zurück in die Rückraum-Mitte der Neckarsulmer. „Er hat sich super eingefügt und kennt ja alle Spieler schon“, freut sich Heilmann. Und auch Yannik Zwirner (TV Flein) dürfte als Linkshänder auf Rechtsaußen sofort weiterhelfen. Heilmann: „Diese Kombination hatte uns im Kader noch gefehlt.“

Kader der Sport-Union Neckarsulm

Tor: Timo Brücke, Alexander Bartelmann, Nico Seyboth, Torsten Walk. Rückraum: Yannick Guldi, Patrick Häffner, Georg Holoch, Luca Kazmeier, Paul Lang, Lucas Lochbihler, David Loydl, Niklas Müller. Außen: Johannes Brecht, Philipp Rau, Noah Tews, Yannik Zwirner. Kreis: Robin Matschke, Niklas Mühlbacher, Maximilian Staib.
Trainer: Jonas Heilmann. Co-Trainer: Christian Eiermann.

Für die HSG Heilbronn um Trainer Stefan Krebs (obere Reihe, 1. von links) zählt im ersten Verbandsliga-Jahr einzig der Klassenerhalt.
Für die HSG Heilbronn um Trainer Stefan Krebs (obere Reihe, 1. von links) zählt im ersten Verbandsliga-Jahr einzig der Klassenerhalt.  Foto: HSG Heilbronn

Bei der HSG Heilbronn sieht man die Verbandsliga als Abenteuer

Für kühne Prognosen ist Stefan Krebs nicht bekannt. Das hat sich auch über den Sommer nicht geändert – warum auch? Der Trainer der HSG Heilbronn ist mit seiner sachlichen Herangehensweise beim inzwischen drei Jahre alten Zusammenschluss von TSG Heilbronn und SV Heilbronn am Leinbach bisher sehr erfolgreich unterwegs. Zwei Aufstiege in Folge lassen die HSG-Frauen nun in der Verbandsliga starten.
„Wenn wir die Klasse halten können, wäre das eine größere Leistung als der Aufstieg“, sagt Krebs. Dennoch gibt er zu, dass eine gewisse Aufstiegseuphorie über den Sommer konserviert werden konnte. Bei der HSG freut man sich auf das Abenteuer, die Herausforderung Verbandsliga.

Die Last auf mehrere Schultern verteilen

Nach dem Karriereende von Abwehr-Chefin Ulla Kurtz wurde über den Sommer intensiv am Defensivverbund gearbeitet. Neuzugang Michelle Gallois könnte perspektivisch in die Rolle hineinwachsen. Aus dem Aufstiegsteam sind zudem Nadine Lippmann und Larissa Krebs nicht mehr dabei. Verstärkt hat man sich unter anderem aus der zweiten Mannschaft, die im Sommer ebenfalls aufstieg: Franzi Riebel und Saskia Haiber sind ebenso hinzugekommen wie Rückraumspielerin Lea Ohr, die jedoch noch einige Wochen an einer Schulterverletzung laborieren wird, und Jannika Giese, die nach einem Kreuzbandriss zurückkehrt. Weil mit Larissa Baumann (Schwangerschaft) und Silja Krebs (Auslandssemester) zwei weitere Spielerinnen längerfristig nicht zur Verfügung stehen werden, soll die Last auf mehrere Schultern verteilt werden.

Spielerinnen müssen lernen, mit Niederlagen umzugehen

Für Stefan Krebs spielt darüber hinaus die mentale Komponente eine entscheidende Rolle. „Ich habe Spielerinnen im Kader, die wissen gar nicht, wie man verliert“, sagt der Trainer. Nach zwei dominanten Aufstiegen in Serie, zuletzt mit 16 Siegen aus 18 Spielen, werden sich seine Spielerinnen mit Rückschlägen auseinandersetzen und der Trainer diese Situation moderieren müssen.

„Es wird Probleme geben“, ist sich Stefan Krebs darüber im Klaren, dass der Saisonverlauf Rückschläge bereithalten wird. Selbstbewusst genug ist der Übungsleiter aber doch, um zu sagen: „Diese Probleme werden wir ausräumen.“ Prognosen zur Konkurrenz seien hingegen schwieriger. Oppenweiler/Backnang und die HSG Böblingen/Sindelfingen sieht der Trainer aber in der Favoritenrolle.

Kader der HSG Heilbronn

Tor: Emma Benz, Ricarda Gehlhaar, Jasmin Gerlach, Jessica Reinhard. Rückraum: Carolin Bozic, Maria Eschle, Saskia Haiber, Anja Horny, Silja Krebs, Nadine Maier, Lea Ohr, Nathalie Vogt. Außen: Jannika Giese, Mareike Giese, Lara Gläss, Franzi Riebel. Kreis: Emily Ahlborn, Larissa Baumann, Michelle Gallois, Bianca Hummel.
Trainer: Stefan Krebs.

Vergangene Saison trainierte Stefan Martin noch den TSV Bönnigheim. Nun hat er bei der HSG Hohenlohe die Verbandsliga-Frauen übernommen.
Vergangene Saison trainierte Stefan Martin noch den TSV Bönnigheim. Nun hat er bei der HSG Hohenlohe die Verbandsliga-Frauen übernommen.  Foto: Veigel, Andreas

Frauen der HSG Hohenlohe wollen mit Abstieg nichts zu tun haben

Stefan Martin ist guter Dinge. Der neue Trainer der HSG Hohenlohe hat sich mittlerweile prima eingelebt und einen positiven Eindruck von seinem Team verschafft. „Es hat nicht lange gedauert. Da war nur eine kurze Eingewöhnungszeit nötig“, sagt er. „Ich kannte das Team ja bereits.“ Nach dem Drittliga-Aufstieg mit dem TSV Bönnigheim wollte er eigentlich eine Pause einlegen. „Aber das Gesamtpaket bei der HSG hat gepasst“, sagt Martin, der schon länger mit den Hohenlohern in Kontakt stand. Der Aufwand beim Verbandsligisten ist zudem in dem Rahmen, in dem er arbeiten wollte.

Über die Vorbereitung will sich der Trainer nicht beschweren. Sicher war die eine oder andere Spielerin im Urlaub, aber es lief trotzdem alles ohne größere Einschränkungen ab. „So tun uns aber die drei Wochen, die wir jetzt noch Zeit haben gut“, sagt Martin. Denn die Hohenloherinnen starten erst am 8. Oktober in die Saison.

HSG gewährt Zeit, um sich zu entwickeln

„Wir haben den Kader deutlich vergrößert, weil die Situation in der vergangenen Saison schon etwas schwierig war. Das ist nun auch für die Mädels eine Umstellung, wenn statt mit acht mit 16 trainiert wird“, meint Martin. Viele junge Spielerinnen kamen hinzu – in erster Linie aus Neckarsulm. „Es sind keine Neuzugänge die unbedingt liefern müssen. Gerade wegen ihres Alters. Aber sie haben die Chance, sich bei uns zu entwickeln“, sagt Martin. Das passt natürlich auch zu dem stabilen Gerüst, das die HSG vorher schon stellte. Mit Milena Hack verließ allerdings eine Leistungsträgerin die Hohenloherinnen und wechselte zum TV Flein. „Das tut schon weh. Wir können sie nicht eins zu eins ersetzen“, sagt Martin. „Aber ich denke, jeder in Hohenlohe gönnt ihr die Chance. Wir müssen das im Kollektiv abfangen.“

Nach dem Klassenerhalt die vorderen Teams ärgern

Als erstes Ziel hat sich der Club gesetzt, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Das sollte auch möglich sein – wenn die HSG von größeren Verletzungen verschont bleibt. Zumal mit Ludwigsburg schon ein Team zurückgezogen hat. „Wenn wir das schaffen, dann wollen wir versuchen, die vorderen Teams zu ärgern“, sagt Stefan Martin, der wohl in erster Linie auf ein schnelles Spiel setzen wird. Auf die Frage nach Favoriten bleibt Martin zögerlich. „Das ist im Moment noch schwer einzuschätzen. Keine Mannschaft hat die absolute Tiefe im Kader. Deshalb muss man erst mal abwarten.“

Kader der HSG Hohenlohe

Tor: Kathrin Enderle, Sophie Straub. Rückraum: Kathrin Bauer, Vivien Binder, Louisa Deutschle, Verena Friedl, Isabelle Kurz, Julia Samer, Julika Schneider, Oliwia Zalewska. Außen: Michelle Fietze, Ina Luksch, Ines Michelfelder, Cora Stithem. Kreis: Hanna Gollda, Julia Maul.
Trainer: Stefan Martin. Co-Trainer: Oliver Strobel.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben