Zukunft der Heilbronner Falken: Insolvenzverwalter sieht drei Varianten
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Im Interview äußert sich der vorläufige Insolvenzverwalter der Heilbronner Falken zum aktuellen Stand des Verfahrens. Auch zu den Gläubigern und möglichen Zukunftsszenarien des Eishockey-Oberligisten hat er sich geäußert.
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Als vorläufiger Insolvenzverwalter der Heilbronner Falken GmbH & Co. KG haben Peter Roeger und sein Team um Heike Metzger vor allem die Interessen der Gläubiger des Oberligisten im Auge. Den Sanierungsexperten von Pluta Rechtsanwälte geht es aber auch darum, den Profi-Eishockey-Standort zu erhalten. Im Gespräch äußerten sich die Anwälte zum Stand des Insolvenzverfahrens, den Verbindlichkeiten der Falken und zu Ideen, wie die Zukunft aussehen könnte.
Insolvenzverwalter der Heilbronner Falken erklärt: Das ist der Stand im Verfahren
Was ist der aktuelle Stand im vorläufigen Insolvenzverfahren?
Peter Roger: Am Freitag haben wir das Insolvenzgutachten bei Gericht eingereicht. Dieses beantwortet im Wesentlichen zwei Fragen: Gibt es einen Grund, das Insolvenzverfahren zu eröffnen – also ist eine Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung vorhanden? Und gibt es genug Geld, damit die Verfahrenskosten gedeckt sind? Vermutlich wird am 1. März das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet – aber das genaue Datum liegt im Ermessen des Gerichts. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens geht es dann darum, möglichst viel Geld einzusammeln, das an Gläubiger verteilt werden kann.
Peter Roeger ist der Insolvenzverwalter der Heilbronner Falken.
Foto: privat
Wie hoch sind denn die Verbindlichkeiten der Falken GmbH?
Roeger: Wir wissen es noch nicht, weil Forderungsanmeldungen erst ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens möglich sind. Deshalb arbeiten wir mit Näherungswerten. Wir gehen von Forderungen im niedrigen siebenstelligen Bereich aus.
Insolvenz der Heilbronner Falken: Wer sind die Gläubiger?
Und wie viele Gläubiger gibt es?
Roeger: Auch hier haben wir noch nicht alle Informationen. Noch arbeiten wir mit dem Insolvenzantrag, in dem uns Gläubiger genannt werden. Ob die Gläubiger alle richtig sind und ob sie berechtigte Forderungen haben, das müssen wir uns dann später erst anschauen.
Wie sieht die Gläubigerstruktur der Falken GmbH aus?
Roeger: Es gibt zum einen die sogenannten Zwangsgläubiger, bei denen keine Vertragsbeziehung mit der Falken GmbH im Vordergrund stand. Das sind im Wesentlichen Krankenkassen, Berufsgenossenschaft, Finanzamt und so weiter. Dann gibt es die Vertragspartner, die offene Forderungen haben. Diese reichen von Dienstleistern über Sponsoren und Spielerberater bis hin zu Vermietern. Und dann gibt es noch die Gruppe der Arbeitnehmer.
Welche Werte hat die Falken GmbH, mit denen sich Geld generieren lässt, um Gläubigerforderungen zu erfüllen?
Roeger: Da wären zum einen die immateriellen Werte. Das ist vor allem die Berechtigung, sich zum Spielbetrieb der Oberliga anzumelden. Dann gehört der Internetauftritt der Heilbronner Falken und ihre App dazu. Auch die professionellen Strukturen wie das Ticketing, der Geschäftsbetrieb mit dem fachkundigen Personal, Vertragsbeziehungen mit Vermietern, Mitarbeiterverträge, die Sprade-TV-Übertragung und das gesamte Know-how rund um den Spielbetrieb im Profi-Eishockey zählen dazu. Das immaterielle Vermögen ist ein flexibler Wert, der auch im Auge des Betrachters liegt. Dann gibt es das sogenannte Anlagevermögen. Da gehört die Schlittschuhschleifmaschine, die Waschmaschinen und alles andere dazu, was man braucht, um den Betrieb einer Eishockey-Mannschaft zu stemmen. Außerdem gibt es die Büroausstattung. Diese Gegenstände haben wir bereits inventarisieren und durch einen Sachverständigen bewerten lassen.
Heilbronn in Eishockey-Oberliga: Wie stehen die Insolvenzverwalter zur Debatte ums Aufstiegsrecht?
Der Heilbronner EC hat sich positioniert: Er wird sein Aufstiegsrecht wahrnehmen. Welche Lösungen gibt es, dass sich Verein und Falken GmbH nicht gegenseitig kannibalisieren?
Heike Metzger: Aus unserer Sicht ist es kein Entweder-oder. In der Heilbronner Falken GmbH und Co. KG kann immer irgendwie der HEC drinstecken. Es kommt darauf an, was die Verantwortlichen wollen. Wir finden dann eine juristische Lösung.
Mit Insolvenzverwalter Roeger arbeitet Heike Metzger zusammen.
Foto: privat
Roeger: Im Prinzip gibt es drei Varianten. Da ist der Insolvenzplan. Dieser besagt, dass der Rechtsträger Heilbronner Falken GmbH und Co. KG als juristische Hülle bestehen bleibt. Es werden allerdings die Gesellschafter ausgetauscht. In der Zukunft kann es einen Planinvestor geben, der alleiniger Gesellschafter ist. Oder – das ist die zweite Variante – es könnte eine Investorengruppe unter Einschluss des Heilbronner EC sein. Den neuen Geschäftsführer bestimmen in diesem Fall die Gesellschafter. Klar muss aber jedem Investor sein, dass er einen mittleren sechsstelligen Betrag pro Jahr reinstecken muss. Nur über Sponsoren und Zuschauereinnahmen ist ein Eishockey-Standort nicht zu finanzieren. Die andere Variante ist der Asset-Deal. Da werden Teile der immateriellen Werte oder diese im Ganzen verkauft.
So geht es mit der Insolvenz der Heilbronner Falken weiter
Wie sieht denn die Zeitschiene beim weiteren Vorgehen aus?
Roeger: Am 31. Mai müssen die Lizenzunterlagen spätestens beim Deutschen Eishockey-Bund eingereicht werden. Wenn man von diesem Datum zurückrechnet, müssen Anfang Mai die neuen Verantwortlichen handlungsfähig sein. Das bedeutet, dass wir Mitte/Ende April die Insolvenzplanabstimmung mit den Gläubigern machen müssen. Wenn wir davon wieder zurückrechnen, muss der Insolvenzplan Ende März bei Gericht eingereicht werden. Und vor Einreichung des Insolvenzplans muss die Investorenfrage geklärt sein.
Gibt es schon Interessenten, die als Investoren einsteigen wollen?
Metzger: Auf unseren Aufruf gab es eine erfreuliche Resonanz. Rund eine Hand voll Investoren haben detaillierte Informationen erhalten, waren also nach den ersten Gesprächen weiterhin interessiert. Es sind alles Player aus der Region – und für uns auch veritable Kandidaten. Wir hatten allerdings auch eine lose Anfrage aus Dubai, die sich nicht weiter konkretisiert hat.
Zu den Personen
Peter Roeger hat nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Bayreuth sein Referendariat am Oberlandesgericht Nürnberg absolviert. Seit 2011 ist er Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht. 2024 hat er die Insolvenz des Eishockey-Oberligisten Bayreuth Tigers betreut.Heike Metzger studierte Rechtswissenschaften an der Universität Konstanz und absolvierte ihr Referendariat am Landgericht Ulm. Nach der Zulassung als Rechtsanwältin arbeitete sie zunächst bei einer Insolvenzverwaltung, ehe sie zu Pluta wechselte.
Wo sehen Sie den Club mittel- bis langfristig?
Roeger: In Heilbronn gibt es keine Konkurrenz von anderen Sportarten, Eishockey ist der Image-Träger Nummer eins der Stadt. In Gesprächen mit potenziellen Investoren wird auch klar, welche Emotionalität und Verbundenheit vorhanden ist. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass die Deutsche Eishockey Liga 2 (DEL2) früher oder später wieder drin ist, wenn der Standort richtig gut aufgesetzt wird. Erforderlich ist hierzu aber Professionalität im Management und einschlägige Erfahrung.
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