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Kommunikations-Desaster bei den Heilbronner Falken auch in der schwersten Stunde

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Die Außendarstellung der Heilbronner Falken wird schon die gesamte Saison angeprangert. Was aber nun nach und nach ans Licht kommt, ist katastrophal – sowohl die Kommunikation nach außen als auch nach innen rund um die Insolvenzanmeldung.

Die Meldung, dass die Heilbronner Falken Insolvenz angemeldet haben, geht unter den anderen Nachrichten auf der Homepage des Unterländer Eishockey-Oberligisten fast unter.
Die Meldung, dass die Heilbronner Falken Insolvenz angemeldet haben, geht unter den anderen Nachrichten auf der Homepage des Unterländer Eishockey-Oberligisten fast unter.  Foto: Screenshot

„Der Fisch stinkt vom Kopf.“ Dieser Satz eines Lesers, der die Redaktion nach Bekanntwerden der Insolvenz der Heilbronner Falken erreichte, bringt die Situation beim Unterländer Eishockey-Oberligisten ziemlich genau auf den Punkt. Die ganze Schuld an der Situation aber nur Franz Böllinger in die Schuhe zu schieben, ist zu kurz gegriffen – auch wenn es einfach ist und der geschäftsführende Gesellschafter die Hauptschuld an der Misere im Heilbronner Profi-Eishockey trägt. Doch die gesamte Führungsriege hat versagt. Denn was nach und nach ans Licht kommt, deutet auf ein wahres Kommunikationsdesaster hin – auch untereinander in der Gesellschaftergruppe.

Das letzte faule Ei, das sich die Falken selbst ins Nest gelegt haben, war die Bekanntmachung des Insolvenzantrags. Denn obwohl dieser direkt nachdem ein entsprechender Eintrag unter den Online-Insolvenzbekanntmachungen aufgetaucht war in den Sozialen Medien verbreitet und von allen einschlägigen Medien von den regionalen Lokalzeitungen bis hin zu den Eishockey-Fachportalen vermeldet wurde, schwiegen sich die Heilbronner Verantwortlichen einmal mehr aus.

Erst mehr als 25 Stunden nach dem Eintrag unter den Online-Insolvenzbekanntmachungen  veröffentlichten sie auf ihren eigenen Kanälen ein Statement. Dieses hatten sie aber nicht mehr selbst formuliert, sondern einfach die Pressemitteilung der Pluta Rechtsanwalts GmbH übernommen, bei der der vorläufige Insolvenzverwalter Peter Roeger Gesellschafter ist.

Von Insolvenz erfahren Spieler und Geschäftsstellenangestellte von Dritten

Auch die Spieler, die Angestellten auf der Geschäftsstelle und die vielen Ehrenamtlichen haben von der Insolvenz nur durch Dritte erfahren. Noch nicht einmal auf das öffentliche Medien-Echo reagierten die Falken-Verantwortlichen. Dabei hätte man als rationaler Mensch sogar erwarten können, dass die Spieler, Trainer und Geschäftsstellenmitarbeiter sogar schon vor dem Gang zum Amtsgericht persönlich unterrichtet werden.

Die Spieler erfuhren überhaupt nichts, obwohl rund um die Heilbronner Falken seit der Lizenzverweigerung im vergangenen Sommer nie wirklich Ruhe einkehrte. Gerüchte und Medienberichte wurden einfach als unwahr abgeschmettert, als sich Spieler mal erkundigten.

Und auch innerhalb der Gesellschafter wurde die Kommunikation immer schwieriger. Absprachen wurden nicht eingehalten. Dafür wurden auch mal Statements von Böllinger im Namen der Gesellschafter veröffentlicht, die von Rainer Maurer und Tom Bucher nicht abgesegnet waren.

Auf eigenen Plattformen wird weiter Business as usual betrieben

Und trotz Insolvenz wurde auf den eigenen Plattformen immer weiter Business as usual betrieben. Nur wenige Stunden, bevor die Insolvenz bekannt wurde, wurde noch auf den Start des Ticketvorverkaufs hingewiesen, der an diesem Nachmittag beginnen sollte. Eigentlich eine bewusste Täuschung. Denn ob die Partien überhaupt ausgetragen werden, ist nun nach der Insolvenz nicht mehr sicher. Und auch rund um die beiden Spiele am Wochenende gegen die Stuttgart Rebels und beim EC Peiting wurden Spielberichte veröffentlicht, die sich lesen, als sei bei den Falken finanziell alles in Ordnung. Mit keinem Wort ist auf die Fan-Proteste im dritten Drittel der Partie gegen Stuttgart eingegangen, die eigentlich zu einem Spielabbruch hätten führen müssen und immerhin noch dafür sorgten, dass das kleine Derby als Farce zu Ende gespielt wurde.

In dieses ganze Kommunikations-Desaster passt auch die Pressemitteilung, die der neue Kooperationspartner der Heilbronner Falken, Galeria Kaufhof, zwei Tage vor Bekanntwerden der Insolvenz verschickte. Dabei, so schien es, hatte die PR-Abteilung der Warenhauskette einfach die Vorankündigung auf die Aktionen rund um die Ladies Night im Heimspiel gegen die Tölzer Löwen am Tag zuvor mit der Autogrammstunde einiger Falken-Spieler am Samstagabend auf der neu eigens für Falken-Fanartikel eingerichteten Fläche in der Galeria in die Vergangenheitsform umgeschrieben und PR-Fotos mitgeschickt, die auch schon Wochen vor den Events hätten aufgenommen worden sein können.

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