Artenschutz als Gesetz verankern

Bad Rappenau  10.000 Unterschriften braucht es für ein Volksbegehren. In Bad Rappenau sammelt die ÖDP derzeit Unterschriften, Ziel ist ein Gesetz zum Schutz der Artenvielfalt. Forderungen gehen auch an die Landwirtschaft.

Von Elfi Hofmann
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Artenschutz als Gesetz verankern

Wenn Insekten wie die Biene nicht wären, würden Pflanzen nicht bestäubt werden. Das wiederum bedeutet: kein Obst. Um die Tiere zu schützen, wird jetzt ein Volksbegehren angestrengt.

Foto: Archiv/dpa

Die Bayern haben es vorgemacht, jetzt strengen auch Artenschützer in Baden-Württemberg ein Volksbegehren an. Am Ende soll ein Gesetz zum Schutz der Artenvielfalt herauskommen. Die ÖDP in Bad Rappenau unterstützt das Vorhaben. Allerdings geht es dabei nicht nur um Bienen, sondern um alle Insekten, die zwar oft lästig erscheinen, aber unabdingbar für ein gesundes Ökosystem sind.

Im Moment sammelt auch die ÖDP fleißig Unterschriften. Mindestens 10.000 braucht es im ganzen Bundesland, um einen Antrag auf ein Volksbegehren stellen zu können.

Erster Schritt: 10.000 Unterschriften

"Das ist sozusagen erst einmal zum Warmlaufen", erklärt Klaus Ries-Müller. Der ÖDP-Kreisvorsitzende und Stadtrat betont, dass 10.000 Stimmen keine große Hürde seien. Richtig ans Eingemachte gehe es, wenn der zweite Schritt ansteht. Dieser startet im Sommer. Dabei müssen mindestens zehn Prozent der Wahlberechtigen des Landtags, also zirka 680.000 unterschreiben. Bisher laufe es recht gut, viele Menschen würden sich ohne nachzufragen direkt in die Listen eintragen. "Die meisten wissen schon aus Bayern Bescheid, um was es dabei geht", sagt Ries-Müller.

Grund für das angestrebte Volksbegehren ist laut den Initiatoren das Artensterben. Nicht nur die Bienenpopulation gehe zurück. Auch sei das Sterben von Schmetterlingen, Amphibien, Fischen, Vögeln und Wildkräutern alarmierend. Die Gründe sind vielfältig. Besonders aber die über Jahre eingesetzten Pestizide in der modernen Landwirtschaft, der damit einhergehende Nahrungsmangel und der Verlust von dringend benötigten Biotopen seien alarmierend. In Baden-Württemberg werden laut der Initiatoren neun Prozent aller Ackergifte in ganz Deutschland ausgebracht. Gemessen am Flächenanteil dürften es nur sechs Prozent sein.

Alternativen gibt es

"Viele konventionelle Landwirte möchten nicht auf die erprobten Mittel verzichten", sagt auch Klaus Ries-Müller. Die Angst sei groß, dass ein erfolgreiches Volksbegehren auf ihrem Rücken ausgetragen werden würde. "Die meisten arbeiten bereits seit Jahrzehnten mit Pestiziden", so Ries-Müller. Dabei gebe es einige Alternativen zur konventionellen Landwirtschaft, die allerdings meistens mit mehr Aufwand verbunden seien, "aber nicht unbedingt mit mehr Kosten".

Konkret fordern die Initiatoren, bis zum Jahr 2035 mindestens 50 Prozent des Landbaus ökologisch zu betreiben. Außerdem soll die Pestizidmenge innerhalb der nächsten sechs Jahre halbiert und der Biotopverbund erweitert werden. Eine weitere Forderung: weniger Flächen versiegeln, um Tieren und Pflanzen die Möglichkeit geben, sich wieder auszubreiten.

Rasen und Wildblumen stehen lassen

Doch auch der Einzelne könne etwas gegen das Artensterben tun, so Ries-Müller. "Niemand muss jede Woche seinen Rasen mähen. Die wilden Blumen können auch stehen bleiben", erklärt er. Dass diese Idee bei vielen angekommen ist, sehe er in den letzten zwei bis drei Jahren öfter. "Früher haben sich die Anwohner beschwert, wenn ein Blühstreifen beim Mähen durch den Bauhof stehengelassen wurde", erinnert er sich. Heute verteilen viele Personen begeistert die Blumenmischungen, die verteilt werden. Und auch das Aufstellen von Insektenhotels sei eine gute Idee. Er selber hat solch ein Hotel im Garten, aus dem im Frühjahr eine Sorte Wildbienen auftauchen, die dort ein Zuhause gefunden haben.

 

 


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