Die Deutschen hängen an ihrem Auto – unverzichtbar für 75 Prozent
Für drei Viertel der Bundesbürger ist das Auto unverzichtbar. Eine aktuelle Umfrage zeigt auch, wie die Deutschen zum Fahrrad, dem ÖPNV und der Elektromobilität stehen.
Die Deutschen hängen am Auto und zeigen wenig Bereitschaft, auf andere Verkehrsmittel umzusteigen. Das ist ein zentrales Ergebnis einer aktuellen Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie (VDA).
Laut der repräsentativen Befragung sagen 75 Prozent der Bundesbürger, dass das Auto für sie unverzichtbar ist. In ländlichen Gebieten, wo mehr als die Hälfte der Deutschen wohnt, sind es sogar 91 Prozent. „Viele Menschen in Deutschland können ihren Alltag ohne das Auto nicht bewältigen“, kommentiert VDA-Präsidentin Hildegard Müller dieses Ergebnis. Sie sieht in der individuellen Mobilität mit dem Auto ein Mittel zur gesellschaftlichen Teilhabe. „Sie muss für jeden zugänglich sein“, so Müller. Deshalb mache die Automobilindustrie das Auto klimafreundlicher, nachhaltiger, innovativer, sicherer und digitaler.
Auto bleibt für die Mehrheit der Deutschen unverzichtbar – besonders auf dem Land
Die Umfrage zeigt auch, dass die Bundesbürger selbst bei vorhandenen Alternativen auf das Auto setzen. Für 64 Prozent der Befragten ist der Pkw die praktischste Lösung, 61 Prozent schätzen die Zeitersparnis, die das Auto ermögliche. Nur 16 Prozent der Deutschen sehen Möglichkeiten, ihr Mobilitätsverhalten zu ändern. 71 Prozent halten dies dagegen für schwer möglich, auf dem Land sind es sogar 82 Prozent.
Mehr als drei Viertel (78 Prozent) sind der Meinung, dass man mit keinem anderen Verkehrsmittel so unabhängig und flexibel ist wie mit dem Auto. Und 55 Prozent geben an, dass sie sich ihr derzeitiges Leben ohne Auto nicht vorstellen können. Dabei spielt neben der Unabhängigkeit auch die Geschwindigkeit eine Rolle. 40 Prozent geben an, dass ihnen bei der eigenen Mobilität vor allem wichtig ist, dass es schnell geht. Und 42 Prozent wünschen sich eine bessere Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel, um immer die schnellste Verbindung wählen zu können.

Die Zufriedenheit mit dem ÖPNV hängt stark vom Wohnort ab
Zurückgegangen ist die Bedeutung des Fahrrads. Für 38 Prozent der Befragten ist das Fahrrad im Alltag unverzichtbar – im Pandemiejahr 2021 waren es noch 49 Prozent. Für 40 Prozent ist der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im Alltag unverzichtbar, 2021 sagten das noch 42 Prozent. Die Zufriedenheit der Bürger mit dem ÖPNV hängt stark vom Wohnort ab. Insgesamt sind 46 Prozent der Bundesbürger mit dem ÖPNV zufrieden oder sehr zufrieden. In den Großstädten sagen dies sogar 62 Prozent, während es auf dem Land nur 29 Prozent sind.
Bundesbürger kritisieren den schlechten Zustand von Straßen und Brücken
Schlechte Noten geben die Bürger der Verkehrsinfrastruktur in Deutschland. 77 Prozent bewerten den Zustand von Straßen und Brücken als schlecht oder sogar sehr schlecht. Insgesamt ist die Zufriedenheit mit dem Straßennetz seit 2021 deutlich gesunken – vor allem in Ostdeutschland.
„Die schlechte Infrastruktur in Deutschland ist ein ernstzunehmendes Problem – für die Bevölkerung ebenso wie für die Unternehmen“, sagt Hildegard Müller. Die VDA-Präsidentin fordert eine umfassende Infrastruktur-Offensive. Die im Haushaltsentwurf für 2026 eingestellten Investitionen in diesem Bereich seien jedoch völlig unzureichend. Müller: „Hier muss dringend nachgesteuert werden.“
Bei Elektroautos sind die Deutschen zurückhaltend
Befragt wurden die Bürger auch nach ihrer Einstellung zu Elektroautos. So planen nur elf Prozent der Bürger, die sich in den nächsten Jahren ein Auto kaufen wollen, den Kauf eines E-Autos. 32 Prozent wollen sich einen Benziner zulegen, 18 Prozent einen Diesel und 19 Prozent ein Hybridfahrzeug. Das allgemeine Potenzial für E-Autos liegt der Umfrage zufolge bei 22 Prozent – das heißt, 22 Prozent können sich grundsätzlich vorstellen, ein E-Auto zu kaufen.
„Der Erfolg der E-Mobilität steht und fällt mit der Ladeinfrastruktur.“Hildegard Müller
Der VDA fordert daher von der Bundesregierung, Anreize für die E-Mobilität zu setzen und den Ladestrom günstiger zu machen. Wichtig sei auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur, wenngleich es hier Fortschritte gebe. 39 Prozent der Befragten stufen die aktuelle Ladeinfrastruktur als weniger gut ein, 17 Prozent sogar als gar nicht gut. „Der Erfolg der E-Mobilität steht und fällt mit der Ladeinfrastruktur. Die Menschen brauchen die Gewissheit, ihr E-Auto überall laden zu können – nur dann lassen sie sich für E-Mobilität begeistern“, sagt Müller.
Deshalb müsse der Ausbau der Ladeinfrastruktur und der Stromnetze konsequent und mit hohem Tempo vorangetrieben werden. „In drei von zehn Gemeinden gibt es noch keinen öffentlichen Ladepunkt, zwei Drittel haben noch keinen öffentlichen Schnellladepunkt installiert, kritisiert die VDA-Präsidentin.
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