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Neuer Aufreger: Immer wieder Ärger rund ums Künzelsauer Kocherfreibad

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In Kocher und Jagst gibt es zahlreiche Badestellen. Die Probleme am Künzelsauer Kocherfreibad sind aber nicht auf andere Fluss-Badestellen übertragbar – denn es handelt sich um ein öffentliches Freibad. Dessen Besucher sind nun erneut verärgert.

Die erwachsenen Badegäste tummeln sich vorwiegend außerhalb des Zauns im Kocher, nicht im Naturschwimmbecken.
Die erwachsenen Badegäste tummeln sich vorwiegend außerhalb des Zauns im Kocher, nicht im Naturschwimmbecken.  Foto: Ludwig, Tamara

Ein Flamingo erhebt seinen Kopf aus dem Kocher am Forchtenberger Wehr. Ein Grüppchen junger Leute schart sich um das aufblasbare, pinke Wassergefährt, planscht und lacht. Der Mensch sucht dieser Tage Abkühlung. Nicht wenige Hohenloher finden diese eben direkt vor Ort in Kocher und Jagst, wo es zahlreiche Badestellen gibt.

Badestellen wie die an der Jagst in Schöntal sind im Sommer beliebt. Hier gilt: "Baden auf eigene Gefahr."
Badestellen wie die an der Jagst in Schöntal sind im Sommer beliebt. Hier gilt: "Baden auf eigene Gefahr."  Foto: Ludwig

Während um jene meist wenig Aufsehen gemacht wird, scheint das Künzelsauer Kocherfreibad - das einzige offizielle Flussfreibad Baden-Württembergs - seit Jahren unter Dauerkritik zu stehen. Woran liegt das? Und was ist beim Baden im Fluss zu beachten?

Sozialministerium rät vom Baden in Flüssen ab

Vor allem Regen und Hochwasser sorgen dafür, dass in Fließgewässern häufig starke Verunreinigungen zu finden sind. Das baden-württembergische Sozialministerium rät deshalb generell vom Baden in Flüssen ab. Verboten ist es jedoch nicht, denn in Deutschland herrscht sogenanntes Gemeingebrauchsrecht.


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Es gilt jedoch: "Baden auf eigene Gefahr." Weitere Einschränkungen gibt es nicht. Einzige Ausnahme: Ein Schild weist explizit auf ein Badeverbot hin. Städte und Gemeinden können das Baden zudem zeitweise einschränken - etwa, wenn es der Naturschutz erfordert, weil eine seltene Vogelart am Ufer brütet. Weitere Gründe können gefährliche Strömungen oder gesundheitliche Bedenken sein.

Öffentliches Freibad: Stadt Künzelsau ist bei der Wasserqualität und beim Personal in der Pflicht

Beim Künzelsauer Kocherfreibad ist die Situation vorwiegend deshalb eine andere, weil es als öffentliches Bad von der Stadt betrieben wird. Der Grundsatz "Baden auf eigenen Gefahr" gilt hier nicht. Die Stadt Künzelsau ist demnach in der Pflicht, eine bestimmte Wasserqualität nachzuweisen und Aufsichtspersonal zu stellen. Beides hat der Stadt in der Vergangenheit immer wieder Probleme bereitet.

So gab es etwa regelmäßige Sperrungen wegen schlechter Wasserqualität. 2015/16 drohte gar die Schließung, obwohl es 2008 erst für rund eine Million Euro aufwendig saniert worden war. Eine weitere Million steckte die Stadt dann in die neueste Sanierung, die das Bad mit einem Naturfilter-System ausstattete, der die Wasserqualität langfristig sichern soll.

Fehlendes Kassenhäuschen am Künzelsauer Kocherfreibad sorgt für Unmut

Die Hoffnung, dass damit Ruhe einkehrt, erfüllte sich nicht. Beschwerden über die kurzen Öffnungszeiten, über unschöne Algenteppiche und den Zaun, der das Badebecken nun vom Kocher abtrennt, sind immer wieder zu hören. Neuerdings kommt ein weiterer Aufreger hinzu: das fehlende Kassenhäuschen.

Es gibt noch viel Platz an einem heißen Sommernachmittag: das Kocherfreibad am Dienstag.
Es gibt noch viel Platz an einem heißen Sommernachmittag: das Kocherfreibad am Dienstag.  Foto: Ludwig, Tamara

Das bleibt auch während der Vor-Ort-Recherche der Hohenloher Zeitung am Dienstagnachmittag nicht verborgen: Innerhalb nur einer Stunde hagelt es mehrere Beschwerden. Anhören muss sich diese der Bademeister, der dafür natürlich nicht zuständig ist. Darauf angesprochen, zuckt er mit den Schultern. Die Badegäste weist er geduldig auf das Online-Ticket hin - oder auf die Möglichkeit, Eintrittskarten im Bürgerbüro des Rathauses zu kaufen. Eine Familie mit Kindern ist sichtlich genervt, zückt das Handy und versucht sich am Online-Ticket. "Gerade für Ältere ist das doch eine Zumutung", sagt eine andere Badbesucherin kopfschüttelnd, die ebenfalls per Handy das Online-Ticket löst. Nicht jedoch, ohne ihren Frust auch noch kurz dem Bademeister mitzuteilen. Man könne die 2,50 Euro doch wohl auch bar kassieren.

Unverständnis bei Kocherfreibad-Besuchern, wohin man blickt

Nebenan beobachtet ein Gast des Campingplatzes das Ganze. Er komme seit mehreren Jahren hierher und verstehe nicht, was vorgehe. Personalmangel hin oder her, seiner Meinung nach müsse es eine Stadt wie Künzelsau schaffen, das Bad in den Sommerferien ganztägig zu öffnen und eine Kasse zu besetzen.

Sorgt für Kritik: Eintrittskarten fürs Bad können nicht vor Ort gekauft werden.
Sorgt für Kritik: Eintrittskarten fürs Bad können nicht vor Ort gekauft werden.  Foto: Ludwig, Tamara

"Ein Kassenhäuschen wird es nicht mehr geben", teilt Rathaussprecherin Laura Asum auf die Frage der Redaktion mit, ob es künftig wieder möglich sein werde, Tickets vor Ort zu kaufen. Besuchern, die regelmäßig ins Kocherfreibad gehen, empfehle man eine Saisonkarte, so Asum weiter. Derweil tummeln sich am Dienstagnachmittag - dem nicht vorhandenen Naturfilter zum Trotz - mehr Menschen außerhalb des Zauns im Kocher als im eigentlichen Becken des Freibads.

Neben Sauerstoffgehalt, pH-Wert und Wassertemperatur wird bei Messungen üblicherweise die Konzentration von Keimen im Wasser überprüft. Darunter fallen Enterokokken, also verschiedene Darmkeime und E. coli-Bakterien. Mit den "koloniebildenden Einheiten" (KBE) werden die Keimzahlen pro 100 Milliliter angegeben. Während Badeseen auch mal E.Coli-Bakterien mit einem Wert von bis zu 1000 KBE erreichen können, dürfen es im Kocherfreibad maximal 100 sein.

 
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