Erneut Ärger im Künzelsauer Kocherfreibad
Mit dem Start der Badesaison wird auch die Kritik am Kocherfreibad erneut lauter. Die Mängelliste ist seit Jahren lang. Ein Badegast spricht von einer traurigen Entwicklung.

Man kann die Uhr danach stellen: Mit Start der Badesaison geht die Kritik am Kocherfreibad verlässlich in eine neue Runde. Die Sperrung wegen schlechter Wasserqualität und die drohende Schließung 2016 mündeten in regelmäßigem Protest-Schwimmen für den Erhalt. Dann wurde aufwendig saniert und das Bad mit einem Naturfilter-System ausgestattet. 2021 gab es dennoch Probleme mit der Wasserqualität - wegen Hinterlassenschaften von Wasservögeln. Im vergangenen Jahr waren es dann einerseits die verkürzten Öffnungszeiten, die für Unmut sorgten, weil es der Stadt an Rettungsschwimmern mangelte und Badebetrieb deshalb nur an Nachmittagen möglich war. Andererseits sorgte auch der neue Zaun, der das Bad laut Meinung einiger Künzelsauer in einen Hochsicherheitstrakt verwandele, für Kritik.
Wegen Personalmangel: Keine längeren Öffnungszeiten im Kocherfreibad Künzelsau
Am 3. Juni ist das Freibad nun in die aktuelle Badesaison gestartet. Mit einer Woche Verspätung, wie manche bereits monierten. "Das Kocherfreibad öffnet immer um Pfingsten", sagt Elke Sturm, Pressesprecherin der Stadt. Jedoch orientiere sich das Bäder-Team an den Wettervorhersagen. Da es lange kühl war, habe man entschieden, eine Woche später zu öffnen. Offen hat das Kocherfreibad aber - wie schon 2022 - nur nachmittags: "Wie viele Städte hat auch Künzelsau einen personellen Engpass im Bäder-Team. Deshalb können wir leider keine längeren Öffnungszeiten anbieten", erklärt Sturm.
Naturfreibad trotz bestem Wetter am frühen Abend leer
So kommt es etwa, dass am Mittwoch (14.06.), kurz nach 18 Uhr, zwar bestes Badewetter herrscht, das Naturfreibad aber verwaist ist. Im Kocher selbst hingegen ziehen zwei Schwimmer unweit des Bades ihre Bahnen und genehmigen sich eine abendliche Abkühlung.
Für einen der Männer, der namentlich nicht genannt werden möchte, ist die Entwicklung "unseres Bades" traurig. "Es ist eigentlich ein wunderschönes Fleckchen", sagt er. Doch seit dem Umbau, der noch dazu viel Geld gekostet habe, gehe er dort nicht mehr hin. "Oft schwimmen Algen auf der Wasseroberfläche, das ist sehr unappetitlich, da bringt mich keiner rein." Im Kocher sei die Situation durch die Strömung besser, findet der Schwimmer: Denn dem Naturfilter, der das Badewasser reinigt, traue er nicht viel zu.
Stadt beteuert: Die Filter funktionieren
Die Stadt hingegen beteuert auf Nachfrage die Funktionstüchtigkeit: "Das Wasser kommt aus dem Kocher über den Reinigungsprozess in der Pflanzenfilteranlage und mit UV-Licht in die Badebucht. Auf den Einsatz von Chlor und anderen chemischen Reinigungsmitteln wird vollständig verzichtet. Das Kocherwasser wird also auf natürliche Weise gereinigt und die Wasserqualität nachhaltig verbessert", erklärt Elke Sturm. Auf der Wasseroberfläche fände sich in der aktuellen Vegetationsphase immer wieder eine Mischung aus Samen, Blütenstaub und Algen.
"Mit einem Kescher entfernen die städtischen Mitarbeitenden diese optische Naturerscheinung, die mittlerweile rückläufig ist, regelmäßig." Es handele sich um ein rein optisches Problem: "Die Wasserqualität ist sehr gut und wird ständig überwacht. In einem Naturbecken wie der Kocherbadebucht können immer wieder Einträge aus der Luft und Algen auftauchen", betont Elke Sturm. Die Pflanzenfilteranlage arbeite wie sie soll, das zeigten die Wasserwerte von Kocher und Badebucht. Würde die Badebucht nur mit Wasser aus dem Kocher - ohne den Naturfilter - gespeist, könne das Kocherfreibad aufgrund der schlechten Wasserwerte nicht öffnen.
Das wiederum bezweifelt besagter Kocher-Schwimmer. "Ich schwimme hier seit meiner Kindheit - jedes Jahr und regelmäßig." Noch nie habe er gesundheitliche Probleme durch das Baden gehabt.
Schwimmer: "Zaun teuer und völlig unnötig"
Auch er sieht jenen Zaun kritisch, der im vergangenen Jahr aufgestellt wurde. "Der war teuer und ist völlig unnötig", findet der Mann. Laut Stadt hingegen werde er benötigt, um die Aufsicht ordnungsgemäß ausüben zu können (wir berichteten). Eine wirkliche Wahl hatte die Stadt dabei nicht, denn verschiedene Gerichtsurteile in Bezug auf Badesicherheit hatten strengere Vorschriften und Auflagen zur Folge. Durch eine Tür im Zaun können Badegäste trotzdem das Freibadgelände verlassen und - auf eigenes Risiko - im Kocher schwimmen.
Doch gerade hier wird von älteren Schwimmern der Einstieg kritisiert: Mit glitschigem Boden und ohne Handlauf sei dieser unattraktiv und sogar gefährlich. Das bestätigt am Mittwoch (14.06.) dann auch der Kocher-Schwimmer, der lieber die Treppe drüben auf der anderen Flussseite nutzt. "Für die Stammgäste ist der Zaun vermutlich anfangs gewöhnungsbedürftig", erklärte Bürgermeister Stefan Neumann im vergangenen Jahr gegenüber der HZ. Die Gewöhnung hat offenbar noch nicht großflächig eingesetzt - so viel lässt sich heute bereits sagen.
Biergarten wird neu verpachtet
Schon länger ist bekannt, dass diese Saison die letzte von Gastronom Uwe Pimpl als Pächter des Biergartens am Kocherfreibad sein wird. Nachdem er vergangenes Jahr bereits die Stadthallen-Gaststätte aufgab - hier ist noch immer geschlossen - folgt nun der Biergarten. Die Ausschreibung für eine Nachfolge läuft bereits, wie die Stadt mitteilt. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde darüber hinaus mitgeteilt, dass es Interessenten gebe und in der Juli-Sitzung die Vergabe an einen neuen Pächter ab dem Jahr 2024 erfolgen solle. Uwe Pimpl möchte auf Nachfrage der Hohenloher Zeitung nichts zu seinen Plänen oder über die Gründe des Abschieds sagen.
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