Warum das Kocherfreibad noch nicht umgebaut wird
Der Umbau des Kocherfreibads hätte im September beginnen sollen. Nun wird er verschoben, weil das Bad noch klassifiziert werden muss. Wann ist klar, welche Wasserwerte dann eingehalten werden müssen?

Die spätsommerliche Sonne taucht in diesen goldenen Herbsttagen den Kocher in mildes Licht. Rund um die Künzelsauer Wertwiesen herrscht Idylle pur, wo längst Bagger arbeiten sollten. Doch der Umbau des Kocherfreibades in ein Naturbad, der Mitte September beginnen sollte, ist verschoben. "Das Sozialministerium in Stuttgart hat noch keine Klassifizierung des Bades vorgenommen", begründet Bürgermeister Stefan Neumann den Stillstand.
Von dieser Klassifizierung hänge aber ab, welche Wasserwerte eingehalten werden müssten, erläutert Neumann. Laut Gesetz gibt es EU-Gewässer, dazu zählen Flüsse wie der Kocher, und künstliche Badeteiche. Die Werte, die das Wasser in künstlichen Badeteichen aufweisen muss, sind strenger reglementiert als in EU-Gewässern. "Das Kocherfreibad befindet sich nach dem Umbau genau dazwischen", erklärt Stefan Neumann. Und das Ministerium in Stuttgart konnte sich bis heute nicht entscheiden, welche Werte es ansetzen will. Auch eine Anfrage an das Bundesumweltministerium (BMU) in Berlin half nicht weiter.
Pflanzen- und Steinfilter sollen das Wasser reinigen
"Das BMU hat die Entscheidung an das Land zurückverwiesen", gab der Technische Leiter der KünWerke Bernd Scheiderer in der jüngsten Gemeinderatssitzung auf Anfrage bekannt. Bevor diese Werte festgelegt sind, will die Stadt aber nicht bauen. Denn davon hängt ab, wie stark das Kocherwasser im Bad durch die geplanten Naturfilter gereinigt werden muss.
Derzeit ist geplant, dass ein Pflanzenfilter innerhalb des abgetrennten Badebereichs und ein Steinfilter außerhalb des Beckens das Wasser reinigen. Innerhalb von 48 Stunden soll das Wasser einmal umgewälzt werden. "Das Kocherfreibad ist nach dem Umbau so einzigartig, dass es in keine Schublade passt", staunt selbst Stefan Neumann.
Künzelsauer demonstrierten mit Protestschwimmen

In den vergangenen Jahren hatte es mit dem natürlichen Flusswasser immer wieder Probleme gegeben. Nachdem Proben Überschreitungen der in einer EU-Richtlinie festgelegten Badewasserwerte ergaben, musste das Bad 2016 auf Anordnung des Stuttgarter Sozialministeriums geschlossen werden. Dagegen wurde in der Bevölkerung Protest laut. Wochenlang demonstrierten hunderte Künzelsauer jeden Montag mit Protestschwimmen. Schließlich verständigten sich die Behörden darauf, die Badestelle nicht mehr abzusperren, vom Baden aber abzuraten. Um eine drohende generelle Schließung abzuwenden, entschloss sich die Stadt schließlich zu einem Umbau in ein Naturbad.
"Ich bin überzeugt, dass es noch im Herbst eine Lösung gibt", bleibt Stefan Neumann optimistisch. Zumindest habe das Sozialministerium signalisiert, dass eine Entscheidung gefallen sei. Ein Brief sei unterwegs, so Neumann. "Für unser Kocherfreibad wäre es das Beste, wenn weiter die EU-Badegewässerverordnung gelten würde. Die würden wir locker erfüllen", hofft der Künzelsauer Bürgermeister.
Wie viel die Verschiebung kostet
Wenn der Brief angekommen ist, soll es schnell gehen. Im Winter will Neumann die Bauarbeiten ausschreiben. "Wir wollen auch noch was von der Badesaison haben", betont er. Für die Stadt bedeutet die Verschiebung erhebliche Mehrkosten. Im Nachtragsghaushalt sind nun 900.000 Euro für den Umbau eingestellt. Ursprünglich waren 750.000 Euro veranschlagt.
Das Kocherfreibad ist das einzige Flussbad in Baden-Württemberg und in der Stadt Künzelsau eine Institution. Ganze Generationen haben an der idyllisch gelegenen Badestelle schwimmen gelernt. In den vergangenen Jahren gab es jedoch immer wieder Proben mit überhöhten Werten an Kolibakterien, die Erbrechen und Durchfall hervorrufen können. Werden mehrere Jahre hintereinander schlechte Werte gemessen, kann das Land nach einer EU-Richtlinie ein dauerhaftes Badeverbot verhängen.
Stimme.de
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