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Kosten für umstrittene Großkläranlage in Künzelsauer Kocheraue steigen weiter

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Die Kritik an der geplanten Großkläranlage von Künzelsau, Ingelfingen, Kupferzell und Waldenburg ebbt nicht ab. Jüngsten Schätzungen zufolge sind die Kosten deutlich höher als zunächst angenommen.


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Eine erwartbare Überraschung hielt die jüngste Sitzung des Abwasserzweckverbands Hohenlohe-Kochertal (AZV) bereit: Erwartbar deshalb, weil die gemeinsame Großkläranlage von Künzelsau, Ingelfingen, Kupferzell und Waldenburg teurer wird.

Überrascht sind Bürger in den Zuhörerreihen aber vom Betrag: Rund 166 Millionen Euro lautet die aktuelle Prognose. Das sind rund 30 Prozent mehr als bei der letzten öffentlich bekannten Schätzung von 113 Millionen Euro. Vor kaum mehr als zwei Jahren, Ende 2023, ging man gar noch von 50 bis 60 Millionen Euro aus.


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Kommunikationsstil in Sachen Großkläranlage lässt zu wünschen übrig


Sollte es eine Kostenobergrenze für die Großkläranlage in der Kocheraue geben?

Ein Bürger stellt zu Beginn der AZV-Sitzung deshalb die Frage, ob es eine Obergrenze gebe, ab der man das Projekt abbreche. Der Künzelsauer Bürgermeister und Verbandsvorsitzende Stefan Neumann antwortet weder mit einem konkreten Ja, noch mit einem Nein. Man überprüfe regelmäßig, inwieweit die Kosten nachvollziehbar seien. Letztlich brauche man die Kläranlage aber.

Bau der Großkläranlage in der Kocheraue soll von 2027 bis 2030 dauern

In jüngster Zeit nicht geändert hat sich der geplante Baubeginn. Den strebt der AZV nach wie vor im kommenden Jahr an. Für den ersten Bauabschnitt rechnen die Projektplaner der Sweco GmbH noch Ende dieses Monats mit dem Fördermittelbescheid des Landes.

Von Mitte 2027 bis Ende 2030 soll es dann dauern, bis die Großkläranlage in der Kocheraue zwischen Nagelsberg und Ingelfingen fertig ist. Dann sind die ersten rund 80 Millionen verbaut. Doch damit ist das Projekt noch nicht geschafft: Bis ins Jahr 2040 hinein sollen die weiteren Abschnitte dauern. Das umfasst die benötigten Pumpwerke in Künzelsau, Criesbach, Gaisbach, Kupferzell (2), Waldenburg, Diebach, Eberstal und Weldingsfelden sowie die zugehörigen Leitungstrassen.

Inmitten der Kocheraue östlich von Ingelfingen (im Hintergrund) soll die neue Großkläranlage entstehen.
Inmitten der Kocheraue östlich von Ingelfingen (im Hintergrund) soll die neue Großkläranlage entstehen.  Foto: Götz Greiner

Die Pumpwerke entstehen an den dann ehemaligen Kläranlagen. Insgesamt zehn sind das, die künftig in der Kocheraue zusammengelegt werden. Die neue Großkläranlage soll letztlich das Abwasser in einer Größenordnung von 70.000 Haushalten klären. Das bedeutet nicht, dass im Einzugsgebiet so viele Menschen leben müssen, denn auch das Abwasser von Unternehmen zählt dazu. 

Was ist mit der Kostenberechnung zur Großkäranlage in Künzeslauer Kocheraue?

Als Andreas Nußbaum vom Büro BIT Ingenieure den aktuellen Planungsstand in der Sitzung erläutert, wandert der Diskurs indes zurück zu den Kosten. Denn Gremiums-Mitglied Roland Kempf aus Ingelfingen ist irritiert: Die Genehmigungsplanung, die beim Landratsamt aktuell bearbeitet wird, enthält eine Kostenberechnung des Ingenieurbüros. „Die hätten wir gerne gesehen“, kritisiert Kempf. Schließlich sei eine solche Berechnung in der Regel genauer als eine Schätzung.

Ingelfingens Bürgermeister fordert: So wenige Querungen des Kochers wie möglich

Kritik an einem anderen Punkt übt Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer: Der künftige Trassenverlauf sieht laut Unterlagen vor, dass die Leitungen den Kocher mehrfach queren. Mindestens eine dieser Querungen hält Bauer für vermeidbar. Er fordert die Planer auf, das zu prüfen. „Da sparen wir uns viel Geld und auch wasserrechtliche Genehmigungen“, ergänzt er. Carsten Sanns vom Büro Walter Ingenieure, der diesen Tagesordnungspunkt vorstellt, sieht die Vorteile ebenfalls. Er verweist aber auf teils „ungeklärte Grundstücksfragen“.

Wie der Kochertalradweg während der Bauphase umgeleitet werden soll und wo unter anderem der Schwerlastverkehr die Baustelle an- und abfahren kann, dazu präsentieren die Planer eine aktuelle Machbarkeitsuntersuchung mit verschiedenen Varianten.

Wo soll der Schwerlastverkehr für den Bau der Kläranlage in der Kocheraue fahren?

Doch auch hier ist Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer irritiert: Denn eine vorgestellte Zufahrt für den Erdbau leiten die Planer über den Kocherstein. „Das hatten wir eigentlich schon geklärt, dass dieser Weg nicht für Schwerlastverkehr geeignet ist.“ Das müsse in jedem Falle als Möglichkeit herausgenommen werden. Eines ist am Ende der Sitzung klar: Auch nachdem die umstrittene Standortfrage geklärt ist (wir berichteten), bietet das Großprojekt noch jede Menge Diskussionsstoff.

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