Sanierungsstau bei Kläranlagen in Baden-Württemberg beeinflusst Projekt im Kochertal
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Baden-Württemberg fördert den interkommunalen Bau von Großkläranlagen, doch die Mittel reichen nicht aus. Gegen die teuren Großprojekte gibt es zudem Widerstand aus der Bevölkerung, wie etwa in Künzelsau.
Die Städte Künzelsau, Ingelfingen und Waldenburg sowie die Gemeinde Kupferzell wollen eine gemeinsame Großkläranlage bauen. Darüber wird vor allem in Künzelsau seit Jahren gestritten. Der jetzt gefundene Standort in der hochwassergefährdeten Kocheraue, die zudem in der Freizeit viel genutzt wird, stößt auf Kritik. Widerstand regt sich auch gegen die befürchtete Geruchs- und Lärmbelästigung.
Widerstand gegen Großkläranlage im Kochertal – was das Problem ist
Der Gemeinderat von Künzelsau hat am Dienstag beschlossen, die neue Anlage auf der anvisierten Fläche von 16 Hektar zu bauen – auch deshalb, weil die vier bestehenden Kläranlagen mindestens sanierungsbedürftig sind, einzelne sogar nur noch mit einer Sondererlaubnis betrieben werden dürfen.
Nagelsberger verleihen ihrem Protest gegen die geplante Großkläranlage im Kochertal mit einem Banner Ausdruck.
Foto: Ludwig, Tamara
Enormer Sanierungsstau bei Kläranlagen: Das ist der Stand in Baden-Württemberg
Dieser Fall offenbart ein umfassenderes Problem: Viele kommunale Kläranlagen im Land müssen dringend saniert und modernisiert werden. Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft spricht auf Stimme-Nachfrage von einer halben Milliarde Euro, die den Kommunen schätzungsweise fehlen, um den Sanierungsstau zu beheben.
Die reine Sanierung kann derzeit aber nicht gefördert werden. Nur wenn eine bestehende Anlage vergrößert wird oder ein interkommunaler Neubau entsteht, wie ihn Künzelsau, Ingelfingen, Kupferzell und Waldenburg anstreben, können Zuschüsse fließen.
Fördermittel gehen an Großprojekte, doch Mittel reichen nicht aus
Dazu muss ein sogenanntes Strukturgutachten erstellt werden – samt Nachweis, dass das Bauprojekt wirtschaftlich ist. Noch konkreter: Das Land will, dass unterm Strich die möglichst wirtschaftlichste Lösung steht. Nur diese wird dann mit Zuschüssen bedacht.
Durch diese Bedingung scheiden die meisten von Bürgern vorgebrachten Alternativ-Standorte in Künzelsau aus. Und das, obwohl die Gesamtkosten bei der jetzt favorisierten Lösung sehr teuer sind. 113 Millionen Euro stehen zu Buche. Tendenz steigend.
Sanierungsstau in Baden-Württemberg: Großkläranlagen sind von Vorteil
Klar ist: „Insgesamt übersteigt im Abwasserbereich der Förderbedarf die zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel“, so das Umweltministerium. 212 Millionen Euro stellt das Land in diesem Jahr über das „Förderprogramm Wasserwirtschaft“ zur Verfügung. Was zunächst nach viel klingt, relativiert sich jedoch: Zwar liege der Förderschwerpunkt auf der „Modernisierung und Zentralisierung der Abwasserreinigung“.
Vierte Reinigungsstufe
Die Europäische Union will schrittweise für Kläranlagen eine sogenannte vierte Reinigungsstufe verpflichtend machen. In dieser werden schwer zu klärende Stoffe wie Arzneimittel aus dem Wasser gefiltert.
Stand 31. Dezember 2022 wurden im Land 868 kommunale Kläranlagen betrieben, so steht es im letzten Lagebericht „Kommunales Abwasser“ von 2023. Davon waren 24 Kläranlagen mit einer vierten Reinigungsstufe in Betrieb, weitere 27 waren in Bau oder Planung.
Aus diesem Topf werden aber genauso Projekte aus den Bereichen Wasserversorgung, Hochwasserschutz und Gewässerökologie finanziert. Im Jahr 2025 fließen laut Ministerium „aus dem Programm rund 96,2 Millionen Euro in Maßnahmen im Abwasserbereich“.
Neue Kläranlage im Raum Heilbronn: Vorbild für Kläranlage im Kochertal?
Wie viele solcher Kläranlagenprojekte im Land insgesamt geplant oder im Bau befindlich sind, kann die Regierungsbehörde nicht sagen. In der Region gibt es neben Künzelsau das bereits laufende 52-Millionen-Euro-Projekt in Neulautern.
Hier zentralisiert Wüstenrot seine bisherigen Kläranlagen, Löwenstein-Hirrweiler und Beilstein-Stocksberg werden mit angeschlossen. Das Großprojekt von Forchtenberg, Niedernhall und Weißbach in Hohenlohe geht ebenfalls voran. Landesmittel von rund zwölf Millionen Euro (Gesamtkosten 27 Millionen) wurden bewilligt.
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