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Heilbronner Innenstadt: Zwischen Abgrund und Aufbruch 

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Der Heilbronner Gemeinderat hat ein Sofortprogramm für die Innenstadt auf den Weg gebracht. Es soll für frischen Wind vor allem zwischen dem Wollhaus und dem K3 sorgen. Heilbronner Immobilienmakler und -besitzer bleiben eher skeptisch.  


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Immer noch prägen markante Leerstände die Heilbronner Innenstadt. Das Modehaus Palm ist geschlossen. Im Wollhaus hat sich zwar innerhalb des Gebäudes einiges getan.

Trotz Ideen und Konzepten: Heilbronns Innenstadt leidet weiter unter vielen Leerständen

Vom ehrgeizigen Konzept, aus dem ehemaligen Einkaufszentrum einen hochmodernen Gesamtkomplex mit Wohnungen, Büros, einer attraktiven Markthalle und einem Stadthotel zu entwickeln, ist aber auch über zwei Jahre nach der Vorstellung der Wollhaus-Pläne noch nichts zu sehen.

Auch im nördlichen Verlauf der Fleiner Straße und entlang der sich anschließenden Sülmer-City gibt es zahlreiche Leerstände. Der Blick in die Zukunft der Heilbronner Innenstadt ist gespalten.

Heilbronner Leerstände: Das Modehaus Palm in der Fleiner Straße ist noch immer nicht neu bezogen. In die ehemalige Volksbank Filiale am Ecke zieht ein Goldhändler ein. Foto: Mario Berger
Heilbronner Leerstände: Das Modehaus Palm in der Fleiner Straße ist noch immer nicht neu bezogen. In die ehemalige Volksbank Filiale am Ecke zieht ein Goldhändler ein. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Homeoffice, Onlinehandel und Kaufzurückhaltung verschärfen die Krise im Einzelhandel

Dabei sind viele Entwicklungen, die in Heilbronn sichtbar sind, ein deutschlandweites Problem. Die Gründe lassen sich mit den Schlagworten Online-Einkauf, Homeoffice, Wirtschaftskrise und Kaufzurückhaltung umschreiben. Bei Büroimmobilien zeichnet sich seit 2022 eine Verschärfung der Krise ab, wie Experten feststellen. Das gilt inzwischen auch für Einzelhandelsimmobilien.

Laut aktueller Prognose des Handelsverbandes Deutschland (HDE) müssen im laufenden Jahr 2025 rund 4500 Läden bundesweit schließen. „Wenn wir die Entwicklungen der letzten 20 Jahre verfolgen, wer aus der Stadt verschwunden ist und wer gekommen ist, sieht man das ganze Dilemma“, sagt der Immobilienmakler Tom Bucher. Zu nennen wären hier neben Palm beispielsweise das Modehaus Krauß, das Schuhhaus Holzäpfel in der Lohtorstraße und der Herrenausstatter Zimmermann in der Sülmerstraße.     


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Stadt Heilbronn steht in der Kritik: Fehlende Steuerung und späte Reaktionen

„Wir haben die Entwicklung schon seit Jahren vorhergesehen und sind von der Stadtverwaltung belächelt worden“, ärgert sich Ulrich Rank, der in der Stadt einige Immobilien besitzt. Nimmt man die Makler in der Stadt, so entzündet sich die Kritik an der Stadtverwaltung im Vorwurf, dass sie viel zu spät auf Entwicklungen reagiert habe.

Die Zeiten in der neue Einkaufscenter wie die Stadtgalerie im Jahr 2008 und ein Jahr später der Klosterhof am Kiliansplatz erbaut wurden, sind längst vorbei. Die vieldiskutierte Markthalle wurde bislang nicht umgesetzt. „Wir wollten in den vergangenen Jahren, dass die Verwaltung versucht, als Zwischenhändler leer stehende Läden zu mieten und Geschäftshäuser zu kaufen, um die Entwicklung der Stadt besser zu steuern, aber das wurde bis zum vergangenen Jahr immer abgelehnt“, ärgert sich Tom Bucher.

Immobilienkauf durch die Stadt zeigt erstmals positive Wirkung auf Innenstadt

Damit hätte man dem schlechteren Einzelhandelsbesatz und der Negativentwicklung früher entgegenwirken können, ist der Immobilienhändler überzeugt. Der Verfall von Angebot und Mieten sei so eine logische Konsequenz.

Ein Gegenbeispiel ist der Kauf von H&M im vergangenen Jahr durch die Stadt, der eine Trendwende einläuten könnte. Denn kurz nachdem die Stadt das Gebäude gekauft hatte, übernahm ihn der Juwelier Beilharz, um dort seinen neuen Filialstandort in Heilbronn aufzubauen. Ohne den deutlich größeren Standort hätte die Juweliersfamilie Böhnlein, die Beilharz 2015 übernommen hatte, die Stadt verlassen.  

Schlechte Händlerauswahl sorgt für massive Probleme und Imageverlust am Wollhaus

Wie es auch laufen kann, zeigt das Negativbeispiel eines syrischen Ladens am Wollhaus, der im November 2023 eröffnet hatte. „Bei einer Nachbarschaftsbefragung durch das Baurechtsamt hatten wir vor der Eröffnung Einspruch eingelegt, seither hatten wir nie mehr etwas gehört“, erklärt Ralph Marquetand, der im Umfeld des Ladens eine Immobilie hat. Dass die Entwicklung des Marktes für das Umfeld keine einfache Zeit war, lässt sich angesichts der Geschichte leicht nachvollziehen.

Nachdem dort mit illegalen Zigaretten gehandelt, vergammeltes Hähnchenfleisch verkauft, der Müll nicht vorschriftsmäßig entsorgt und 3000 Gaskartuschen im Keller gelagert wurden, wurde der Laden vom Zoll im Juli 2025 dichtgemacht. Die Frage stellt sich aber, warum er überhaupt genehmigt wurde. „Insgesamt müsste man bei der Ansiedlung von Händlern viel stärker auf Qualität achten, aber das ist seit 15 Jahren nicht passiert“, klagt Rank. „Dazu gehört auch die Beseitigung der Zustände an der Flügelnuss und auf dem Marktplatz“, ergänzt Marquetand. 

Taskforce und Konzept „Aufbruch Innenstadt“ sollen schnelle Wende bringen

Eigentlich sind wir uns alle einig, dass zu viel geplant und zu wenig umgesetzt wird“, sagt Tom Bucher. Hoffnungen liegen nun auf dem im Gemeinderat beschlossenen Konzept „Aufbruch Innenstadt“. „Die Einrichtung einer Taskforce, die auf kurzen Wegen erreichbar ist, ist für mich eine gute Entwicklung“, sagt Bucher. Aber jetzt müsse zügig gehandelt und die Pläne umgesetzt werden.

„Für mich ist wichtig, dass jetzt auch die Hausbesitzer und die Erben angesprochen werden, um auch ein Gemeinschaftsbewusstsein in der Stadt zu entwickeln“, ergänzt Ulrich Rank. Dabei müsse es schnell gehen, betont er. Denn viel Zeit für eine Wende bleibe nicht. Da sind sich alle Immobilienbesitzer einig.

Mietpreise in Heilbronn: IHK sieht stabile Lage, Makler rechnen mit Rückgang

Über die Mieten für Einzelhandelsgeschäfte und Gastronomiebetriebe ist in der Stadt Heilbronn seit Jahrzehnten viel diskutiert worden. Jahrelang hieß es immer, die Mieten seien vergleichsweise zu hoch. Derzeit weist der IHK-Mietspiegel für 2024 in 1A-Einzelhandelslagen eine Preisspanne von 45 bis 85 Euro pro Quadratmeter aus.

Für eine gute Innenstadtlage zahlt man im Schnitt 15 bis 36 Euro, in City-Randlagen noch sieben bis 16 Euro. Die IHK sieht derzeit eine gleichbleibende Tendenz der Preise. Immobilienmakler rechnen dagegen tendenziell mit sinkenden Mietpreisen. 




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