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Markt in Bewegung: War’s das mit der Döner-Hochburg Heilbronn?

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Braucht Heilbronn eine Döner-Obergrenze? Mit der politischen Diskussion schaffte es Heilbronn bundesweit in die Schlagzeilen. Jetzt zeigt sich: Der Markt könnte von sich aus an Grenzen stoßen. Das sind die aktuellen Entwicklungen.  


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Döner-Obergrenze, Döner-Neueröffnung, Ein-Cent-Döner – auf dem Markt der heimlichen Döner-Hauptstadt Heilbronn herrscht derzeit Bewegung. Neueröffnungen gab es im November gleich zwei. Der „Original Berliner Döner“ startete im Wollhaus, H&B-Döner eröffnete einen Standort in der ehemaligen Vodafone-Filiale in der Sülmerstraße.

Gleichzeitig fordert der hart umkämpfte Markt in der Käthchenstadt auch seine Opfer. Ende Dezember hat das Meydan-Pizza-Kebab-Haus am Wollhaus nach mehr als 25 Jahren geschlossen. Auch der Döner-Imbiss in der Sultan-Bäckerei in der Gymnasiumstraße hat zugemacht, die Bäckerei bleibt dagegen weiterhin geöffnet.

Umkämpfter Markt in Heilbronn: Döner-Läden schließen, andere kommen nach

Eine Trendwende auf dem Heilbronner Döner-Markt zeichnet sich damit aber nicht ab. Doch die immer größer werdende Konkurrenz in der Innenstadt macht sich langsam bemerkbar. „Es gibt eine gewisse Verschiebung in der Branche. Viele Familienbetriebe haben es versäumt, zu investieren, jetzt drängen moderne Konzepte auf den Markt, die wie das Haus des Döners vor allem junge Konsumenten ansprechen“, stellt Erdogan Koc, Sprecher des Verbands der Dönerproduzenten Deutschlands (VDD) fest.

Ein Dönerspieß dreht sich in einem Imbiss. Der Markt um das gefüllte Brot ist in Heilbronn in Bewegung.
Ein Dönerspieß dreht sich in einem Imbiss. Der Markt um das gefüllte Brot ist in Heilbronn in Bewegung.  Foto: Sven Hoppe

Die Nachfrage nach Döner sei aber ungebrochen. „Die Döner-Hersteller konnten ihren Umsatz im vergangenen Jahr noch einmal um bis zu 20 Prozent steigern. Das liegt teilweise an den gestiegenen Preisen, aber auch an steigenden Mengen“, sagt Koc, der auch beim Remchinger Döner-Produzenten Bangusch beschäftigt ist. Damit wachse der Druck auch generell auf alle Anbieter. Dem ist jüngst das Schnellrestaurant Bambi-Schnitzel in der Allee zum Opfer gefallen. Und in wirtschaftlich schwierigen Zeiten habe es auch der Döner schwer, warnt Erdogan Koc.  

Heilbronner Dehoga-Vorsitzender kritisiert Ein-Cent-Aktionen

„Heilbronn ist eine schwierige Stadt“, sagt Bambi-Schnitzel-Betreiber Yasi Eren. „Allein in der Zeit, in der wir am Markt waren, haben drei neue Döner-Läden aufgemacht“, unterstreicht Eren. Der 36-Jährige, der im Mai 2025 Neueröffnung in der ehemaligen Nothwang-Filiale an der Allee gefeiert hatte, will sich künftig wieder auf seinen Bambi-Döner-Betrieb in Güglingen konzentrieren.


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Dass sich der Imbiss-Markt in der Stadt von selbst regelt, glaubt auch Thomas Aurich, der sich schon vor Jahrzehnten mit dem Phänomen Döner in Heilbronn beschäftigt hat. „Es besteht aber die Gefahr, dass sich einige gegenseitig kaputt machen“, sagt der Heilbronner Dehoga-Stadtverbandsvorsitzende und denkt dabei an Aktionen wie den Ein-Cent-Döner, den neue Anbieter zur Eröffnung mehrfach in der Käthchenstadt auf den Markt geworfen hatten. Dass sich die Lage in Heilbronn schnell ändern wird, glaubt Aurich aber nicht. „Ich würde mir allerdings wünschen, dass das Augenmerk künftig mehr auf Qualität liegt“, betont der Gastronom.              

Zwei Klassen beim Döner? Markt zunehmen diversifiziert 

Das wünscht sich auch der VVD. „Wir beobachten zwei Bewegungen, sagt Koc: „Den hochwertigen Steak-Döner mit besonderem Brot und besonderer Sauce. Das Angebot funktioniert in Großstädten wie Stuttgart sehr gut“, betont der Verbandssprecher. Auch in Heilbronn sind inzwischen wenige hochwertige Grillfleisch-Anbieter wie das Amaia am Berliner Platz am Markt. Dem stehe der günstige Hackfleisch- oder Hähnchendöner zum günstigen Preis gegenüber. „Der mittlere Bereich bricht dagegen weg, ein ähnliches Phänomen sieht man auch bei den klassischen deutschen Gaststätten“, betont der Verbandssprecher.

Der Begriff Döner kommt vom türkischen Wort „dönmek“, das übersetzt drehen bedeutet. In Deutschland gibt es inzwischen unzählige Varianten der türkischen Spezialität. Oft besteht der Döner am Imbiss aus stark gewürztem Hackfleisch, mit Bindemitteln, Soja und Konservierungsstoffen. Der Billigdöner wird meist aus Separatorenfleisch hergestellt und lebt von Sauce und Brot. Oft gilt die Formel: Je billiger der Preis, desto größer der Anteil an Zusatzstoffen. Hochwertige Yaprak-Döner oder Steak-Döner werden aus saftig gebratenen Fleischschichten geschnitten, die aus Rind, Kalb oder Lammfleisch bestehen und mit wenigen Zutaten auskommen.          

Dabei kämpfen die Anbieter im Niedrigpreissegment mit stark gestiegenen Fleischpreisen. Beim Stichwort Qualität wünscht sich der VVD-Sprecher, dass die Döner-Anbieter verstärkt Selbstverpflichtungen eingehen. „Mit einer Gewerbeanmeldung kann man einfach ohne Prüfung einen Imbiss aufmachen. Ich fände es gut, wenn unsere Betriebe sich über die Handwerkskammern anmelden würden, das würde allen nutzen, Kunden und Betreibern“, ist sich Erdogan Koc sicher. Zu Ende gedacht gäbe es dann künftig auch die Ausbildung zum Metzger mit der Fachrichtung Döner.  




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