Die Bibliothek ist das neue Glanzstück auf dem Bildungscampus

Heilbronn  Die vier Hochschulen in Heilbronn wollen die Bibliothek auf dem Bildungscampus gemeinsam bespielen. Nutzer dürfen auf beeindruckende Technik und ein durchdachtes Konzept gespannt sein.

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Neues Glanzstück der Hochschulstadt
Auf mehr als 4000 Quadratmetern können Studenten und Lehrkräfte ab Oktober die hochmoderne und durchdachte neue Hochschulbibliothek auf dem Bildungscampus nutzen. Foto: Ralf Seidel

Zahlreiche Bauarbeiter sind auch am Freitagnachmittag noch rund um den glänzenden Glaskubus unter Hochdruck bei der Arbeit. In drei Wochen soll die imposante Bibliothek auf dem Heilbronner Bildungscampus ihre Türen öffnen. Die Verträge dazu wurden jetzt unterschrieben.

Liv lebt noch nicht. Liv, so heißt die neue gemeinsame Hochschulbibliothek, und die ist in Teilen selbst noch Baustelle. Doch der Idee, die die Dieter-Schwarz-Stiftung gemeinsam mit den vier Hochschulen der Stadt damit verfolgt, wurde jetzt offiziell Leben eingehaucht. An diesem Ort soll es keine Zugehörigkeiten mehr geben: Jeder wird hier auf den gemeinsamen Bestand von Hochschule Heilbronn (HHN), DHBW, German Graduate School (GGS) und Technischer Universität München (TUM) zugreifen können: 170.000 physische und 190.000 digitale Medien stehen zur Verfügung.

Der neue Verbindungspunkt

Liv, das steht für lernen - informieren - vernetzen. Dabei ist den Verantwortlichen bewusst, dass Bücher in ihrer klassischen Form bereits an Bedeutung verlieren. Der letzte Aspekt, das Vernetzen, ist deshalb besonders wichtig. "Hier ist der Verbindungspunkt der Hochschulen, der Mittelpunkt des Netzwerks", erläutert Rahel Zoller von der HHN, die die Bibliothek gemeinsam mit Kathrin Flohr (DHBW) leiten wird.

Obwohl der Grundgedanke einer gemeinsamen Einrichtung nachvollziehbar ist, war die Umsetzung offenbar nicht ganz so einfach. Wer entscheidet künftig, welche Bücher angeschafft werden? Wie wird die Nutzung geregelt? Wem gehört künftig der Altbestand, den die Hochschulen einbringen?

Neues Glanzstück der Hochschulstadt
Partner der gemeinsamen Hochschulbibliothek: Oliver Lenzen (Rektor HHN), Reinhold Geilsdörfer (Geschäftsführer Dieter-Schwarz-Stiftung), Barbara Tasch (Geschäftsführerin TUM Heilbronn), Tomas Bayon (Geschäftsführer GGS) und Arnold van Zyl (Präsident DHBW) nach der Vertragsunterzeichnung. Foto: Ralf Seidel

Vier sehr unterschiedliche Hochschulen

Die Beantwortung solcher Fragen kosteten in den vergangenen sechs Jahren vor allem Henning Rickelt viel Zeit. Als Zuständiger für die Hochschulentwicklung an der HHN war er mit der Errichtung der gemeinsamen Bibliothek betraut. Er macht deutlich: "Wir haben es ja mit vier Hochschularten zu tun, davon ist eine privat, und die staatlichen kommen aus Baden-Württemberg und aus Bayern." Daraus sei schon ersichtlich, dass es rechtlich nicht ganz einfach war. "Und es war auch eine kulturelle Überwindung, wenn man Dienstleistungen plötzlich teilt", räumt DHBW-Präsident Arnold van Zyl ein.

Nicht weniger als sieben umfangreiche Vertragswerke kamen zustande. Gemeinsam leisteten Oliver Lenzen für die HHN, Arnold van Zyl für die DHBW, Tomas Bayon für die GGS und Barbara Tasch für die TUM 118 Unterschriften.

Rund um die Uhr geöffnet?

Der Idee eines großen gemeinsamen Lern- und Lehrtempels steht nun nichts mehr im Wege. Auf den sechs oberirdischen und den zwei unterirdischen Stockwerken sollen sich die Studenten je nach Bedarf in Gruppenarbeit zusammenfinden oder in Stillarbeitsräumen konzentrieren können. Und das möglicherweise rund um die Uhr. "Das Gebäude ist so geplant, dass es personallos öffnen kann", sagt Kathrin Flohr. Das müsse man jedoch erst einmal testen. Auf jeden Fall sollen Medienausleihe und -rückgabe 24 Stunden am Tag möglich sein.

Die bestehenden Bibliotheken der Hochschule Heilbronn in Sontheim, Künzelsau und Schwäbisch Hall bleiben übrigens erhalten. Und die neue Konstruktion ist auch kein Sparmodell. Jede Einrichtung bringt sich finanziell in einer Höhe ein, die wohl auch ohne gemeinsames Vorgehen zu stemmen gewesen wäre. Barbara Tasch betont aber, dass es ein Glücksfall sei, dass die TUM in Heilbronn nun schon nach einem Jahr mit einer attraktiven, gut bestückten Bibliothek werben kann. "Alles, was dazu beiträgt, den Standort hier hochattraktiv zu machen, ist positiv."


Chaos im Regal

Stück für Stück umgesetzt werden soll die Idee der "fluiden Bibliothek". Bücher haben keinen festen Platz mehr, sondern können in den Regalen wahllos abgestellt werden. Durch RFID-Chips werden sie erfasst und können so online - gegebenenfalls auch mit dem Handy - lokalisiert werden. Das hat mehrere Vorteile: Bücher können nicht mehr versteckt werden, jeder muss sie online suchen und bekommt dadurch weitere Hinweise, und die Methode soll obendrein Platz sparen. Nach einer Testphase könnte diese "chaotische Lagerhaltung" auf große Teile der Bibliothek ausgeweitet werden.

 

 

Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Stv. Leiter der Stadtkreis-Redaktion

Über den Raum Heilbronn in all seinen Facetten schreibt Christian Gleichauf seit dem Jahr 2000. Der gebürtige Südbadener kam damals als Volontär zur Heilbronner Stimme. Nach Stationen in der Wirtschaftsredaktion, im Service und im Landkreis steht jetzt die Stadt Heilbronn ganz oben auf der Agenda. 

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