„Plötzlich schön? Ehrliche Einblicke ins Modelleben“ ist über die ISBN 978-3-7115-9599-7 in allen gängigen Online-Buchshops (z. B. Thalia, Hugendubel) bestellbar.
Stimme-Redakteurin über Zeit als Model: „GNTM war meine Eintrittskarte in die Branche“
Im Alter von 16 Jahren durch „Germany’s Next Topmodel“ berühmt geworden, lief Lisa Könnecke auf internationalen Laufstegen in New York und Paris. Heute ist sie Redakteurin bei der Heilbronner Stimme und hat ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben.
In jungen Jahren führte Lisa Könnecke bereits ein Jetset-Leben. Nach ihrer Teilnahme bei der Casting-Show Germany’s Next Topmodel im Jahr 2011 tourte die gebürtige Brackenheimerin als internationales Model durch die ganze Welt, lief unter anderem auf der Fashion Week in New York.
Heute ist die 31-Jährige Journalistin bei der Heilbronner Stimme und hat ihre Tätigkeit als Model weitgehend hinter sich gelassen. Kürzlich ist ihre Autobiografie „Plötzlich schön? – Ehrliche Einblicke ins Modelleben“, im Verlag Story One erschienen. Im Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen mit Body Shaming, Schönheitsidealen und psychischer Gesundheit – und warum es wichtig ist, auf sein Bauchgefühl zu vertrauen.

Vom internationalen Model zur Journalistin: Lisa Könnecke über ihr bewegtes Leben
Warum bist du Model geworden?
Lisa Könnecke: Ich war schon immer sehr dünn und groß und bin dadurch aufgefallen – seit dem Kindergarten. Von Gleichaltrigen wurde ich wegen meines Körpers oft beleidigt, zum Beispiel als „magersüchtiges Knochengestell“. Eine Freundin hat mal angeekelt das Gesicht verzogen, als sie mich umarmt hat. Solche Situationen prägen dich dein Leben lang. Heute weiß ich: Das nennt man Skinny Shaming, den Begriff kannte ich damals aber noch nicht. Eines Tages hat meine Mutter mir Zeitschriften gezeigt und hat gesagt: Die sind groß, dünn und schön – das sind Models. Da habe ich gedacht, endlich passe ich wo rein.
Als Teenager hast du bei Germany’s Next Topmodel (GNTM) teilgenommen. Wie war das?
Könnecke: Das war schon lange ein Traum von mir, seit ich elf Jahre alt war. Bis heute hat es mich geprägt, bis heute werde ich drauf angesprochen. Ich habe mit 16 Jahren Sachen erlebt, wie die wenigsten in ihrem ganzen Leben. Ich war in Brasilien, Los Angeles, auf den Bahamas. Wir haben in einer Villa in den Beverly Hills gelebt, sind durch die ganze Welt gejettet. Ich habe das Luxusleben kennengelernt. Paparazzi haben uns belagert, Zeitschriften haben über uns geschrieben.
Mit 16 zu GNTM: Zwischen Glamour-Villa in L.A. und frühem Ruhm im Heimatdorf
Wie schaust du rückblickend auf deine Erfahrungen in der Show?
Könnecke: Das war meine Chance zu zeigen, dass in mir mehr steckt als dieser zu dünn geratene 1,80 Meter große Tollpatsch, den viele in mir gesehen haben. Ich bin danach zurückgekommen und war der kleine Star im Dorf. Das hat sich herumgesprochen wie ein Lauffeuer. Ich würde sagen, ich habe es genossen. Klar, war es auch ungewohnt. In Heilbronn sind mir teilweise kleine, aufgeregte Jungs ins Restaurant hinterhergelaufen. Ganze Träubchen haben sich um mich gebildet, ich musste Autogramme auf Schuhe geben, es war aufregend. Auch in der Schule war nichts mehr so wie vorher. Ich bin dann auch recht schnell mit meinem Realschulabschluss abgegangen.
Ab da hast du angefangen, hauptberuflich zu modeln.
Könnecke: GNTM war meine Eintrittskarte in die Branche. Dadurch ist eine renommierte Agentur auf mich aufmerksam geworden, die mich unter Vertrag genommen hat. Meine Agentur wollte gleich ganz oben mit mir ansetzen. Ich habe nicht mit kleinen Shootings angefangen: Ich war auf dem Cover der italienischen Grazia, bin auf der Fashion Week in Paris und New York gelaufen – für Designer, die heute weltberühmt sind. Das ist nicht selbstverständlich für eine Anfängerin.
Zwischen Scheinwelt und Selbstzweifeln: Das Modelleben zeigt seine Schattenseiten
Hat dir das Leben gefallen?
Könnecke: Anfangs ja. Aber mit der Zeit habe ich gesehen, wie es wirklich ist, was da wirklich abgeht. Und da hat so langsam dieses Zweifeln und sich unwohl Fühlen begonnen. Als Model wirst du nur auf dein Äußeres reduziert. Das weiß man zwar vorher, aber man merkt die Auswirkungen erst, wenn man es wirklich lebt. Ich habe angefangen, mich über mein Äußeres zu definieren und meinen Selbstwert davon abhängig zu machen. Das ist nicht gesund. Und weil ich so jung war, hat mir das auf Dauer nicht gut getan.

Gab es einen Schlüsselmoment?
Könnecke: Das hat sich gehäuft. Das waren immer wieder kleine Situationen, die das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Anfangs verdienst du wenig, die Agentur streckt Geld für dich vor, und du musst erstmal deine Schulden abzahlen. Und dann kommt noch Heimweh hinzu. Ich saß da wie eine Nummer in einem Raum voller schöner Mädchen. Das hat sich so sinnlos angefühlt. Mein Leben lang hieß es, ich bin zu dünn – plötzlich hieß es: „Nimm noch zwei, drei Kilogramm ab, dann wärst du perfekt.“ Was das in mir ausgelöst hat, kann man sich vorstellen. Ich weiß noch genau, wie ich am nächsten Tag zur Dönerbude gegangen bin. Das passierte unbewusst, aber ich wollte mich auflehnen. Als ich meiner Agentur ein paar Wochen später Bilder geschickt habe, hieß es: Jetzt bist du perfekt. Dabei hatte ich sogar ein wenig zugenommen. Bis heute kann ich das nicht wirklich einordnen.
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Und dann hast du entschieden, du musst da raus.
Könnecke: Genau. Ich habe den Abstand gebraucht, um alles zu verarbeiten, was sich angestaut hat. Erst später hatte ich eine Phase, in der ich eine ungesunde Beziehung zu Essen entwickelt habe. Ich vermute, weil die Erfahrungen noch nachgewirkt haben. Ich glaube, ich bin wirklich haarscharf an einer Essstörung vorbeigerutscht. Die Phase ging etwa ein halbes Jahr, dann kam das intuitive Essen zurück, das ich schon mein Leben lang gemacht habe. Als ich wieder Lust bekommen habe, habe ich das Modeln nebenberuflich laufen lassen. Heute modele ich nur noch wenig.
Heute lebst du wieder in deiner ländlichen Heimat. Fehlt dir das Jetset-Leben nicht?
Könnecke: Doch manchmal schon (lacht). Was ich erlebt habe, das vergesse ich nie. Aber ich genieße es auch, einen sicheren Hafen zu haben. Wenn du viel unterwegs bist und nie im eigenen Bett schläfst, ist das auch nicht schön.
Warum hast du über deine Erfahrungen ein Buch geschrieben?
Könnecke: Ich wollte schon länger ehrliche Einblicke ins Modelleben geben – das sehr wenig mit GNTM zu tun hat. Ich wollte auch ganz intime Einblicke erzählen, wie es hinter den Kulissen läuft – abseits von Social Media und vom Fernsehen. Es geht in meinem Buch aber auch darum, Mut zu haben und auf die innere Stimme zu hören. Ohne diese Erfahrungen wäre ich heute nicht die Frau, die ich bin. Es hat mir geholfen, meinen Platz in der Welt zu finden.
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