Koalitionsplan zu Sonntagsöffnung: Was er für Verbraucher in der Region bedeutet
Ein neuer Gesetzesentwurf im Landtag soll Rechtssicherheit für sogenannte SB-Läden schaffen, die dann auch offiziell an Sonn- und Feiertagen öffnen dürfen. Was zukünftig gilt und was Betreiber aus der Region dazu sagen.
Ein Tante-Emma-Laden im Dorf oder der Stadt - nur ohne Tante Emma. Das Konzept von Selbstbedienungsläden (kurz SB-Laden) sieht einen Verkauf ohne festes Personal vor. Es ermöglicht Kunden, Waren – oftmals sind das auch regionale Lebensmittel oder handgemachte Produkte – selbstständig auszuwählen, zu scannen und bargeldlos zu bezahlen. Ziel der Läden ist es, insbesondere im ländlichen Raum die Nahversorgung aufrechtzuerhalten. Auch in der Region Heilbronn und im Hohenlohekreis gibt es zahlreiche dieser Angebote. Erst im September 2025 eröffnete ein 24/7-Supermarkt ohne Kassierer in Weißbach.
Doch rechtlich gesehen agieren die SB-Läden bislang in einer Grauzone. Denn das bisherige Gesetz über die Ladenöffnung in Baden-Württemberg sieht vor, dass Verkaufsstellen grundsätzlich an Sonn- und Feiertagen für den Geschäftsverkehr mit Kunden geschlossen sein müssen. Diese Regelung stammt aus dem Jahr 2007 und macht keinen Unterschied zwischen Shops mit und ohne Verkaufspersonal.
Was der neue Gesetzesentwurf für die SB-Läden bedeutet
An diesem Mittwoch (28. Januar) wollen die Fraktionen von Grünen und CDU das ändern und einen Gesetzentwurf in den Landtag einbringen, der Rechtssicherheit für Selbstbedienungsläden schaffen soll. Will heißen: Automatengeschäfte, vollautomatisierte Kleinstsupermärkte, E-Kioske oder sogenannte „Smart Stores“ sollen unter bestimmten Bedingungen in der Zukunft auch offiziell an Sonn- und Feiertagen öffnen dürfen. Bislang gilt: Um die gesetzlich vorgeschriebene Sonntagsruhe zu wahren, dürfen weder Inhaber noch Angestellte die Läden an Sonn- und Feiertagen mit Waren beschicken. Die Ausnahme? Bilden tagesfrische Backwaren.
Julia Mecklenborg ist Betreiberin von drei Tante M-Läden - in Untergruppenbach-Unterheinriet, in Pfedelbach-Untersteinbach und in Löwenstein. Tante M ist eine Mini-Supermarkt-Kette ohne Verkaufspersonal, die mit mehreren Filialen im Landkreis Heilbronn sowie im Hohenlohekreis vertreten ist.
Mecklenborg sagt mit Blick auf den neuen Gesetzesentwurf: „Es wird angenehmer werden und bietet einem Rechtssicherheit. Bislang wusste man ja nie genau, was kommt“, so die Betreiberin, deren Mitarbeiter, wie sie sagt, sowieso nie an Wochenenden gearbeitet hätten. Zwei Mini-Jobber seien in den drei Filialen angestellt, die sich die Arbeit teilen und die Läden unter der Woche bestücken.
Ihre Filialen in besagter Grauzone zu betreiben, habe Mecklenborg aber „keine Sorgen“ bereitet. „Man muss sich jetzt an die neuen Gegebenheiten anpassen, an den Arbeitsabläufen wird sich grundsätzlich aber nichts ändern“, so Mecklenborg. Beim Thema Diebstahl setzen Händler übrigens auf Technik und Kontrolle.
SB-Läden in der Region: Schließung an bestimmten Feiertagen
Geschlossen sein wird aber an einigen Feiertagen über das Jahr: an Karfreitag, an Ostersonntag und Pfingstsonntag sowie am ersten Weihnachtsfeiertag. „Wie wir mit der Schließung an diesen Tagen umgehen, da müssen wir uns noch Gedanken machen“, sagt Mecklenborg. Darüber hinaus können die jeweiligen Gemeinden die Öffnungszeiten der SB-Läden einschränken, auch mit Rücksicht auf Gottesdienste oder andere religiöse Traditionen, jedoch nicht, so der Entwurf, „unter einer Dauer von acht zusammenhängenden Stunden“.
„Alle drei Standorte werden gut angenommen und genutzt. Die Dorf- und Stadtgemeinschaften stehen hinter den Läden“, sagt Julia Mecklenborg. In Unterheinriet sei der Laden besonders an Wochenenden stark frequentiert, auch Menschen von außerhalb der Ortschaft und der Durchgangsverkehr nutzten die Einkaufsmöglichkeit verstärkt. In Untersteinbach sorgten das nahe Bildungszentrum und der Campingplatz für weitere Kunden. „Die Leute sind glücklich, dass sie insbesondere an den Wochenende noch etwas besorgen können“, so die Betreiberin.
Wie es nun weitergeht? Der Gesetzentwurf soll am Mittwoch in den Landtag eingebracht und dann am Donnerstag, 5. Februar, verabschiedet werden.
Welche Läden in der Region Heilbronn und in Hohenlohe haben sonntags auf?
- BESH Regionalmarkt, Birkichstraße 10 in Wolpertshausen
- Markthalle Offenau, Hauptstraße 12
- Dorfladen Jagsthausen, In den Steinäckern 1
- Tante M Großbottwar-Winzerhausen, Grönerstraße 30
- Tante M Hardthausen-Kochersteinsfeld, Schafhausweg 5
- Tante M Löwenstein, Maybachstraße 28
- Tante M Gundelsheim-Obergriesheim, Bachenauer Straße 2
- Tante M Untergruppenbach-Unterheinriet, Neue Mitte 1
- Tante M Pfedelbach-Untersteinbach, Heuholzer Straße 1
- Tante M Hardthausen-Gochsen, Lindenstraße 17
- Setzer 24/7-Shop Kupferzell, Schlossstraße 2
- Setzer 24/7-Shop Schloß Stetten, Burgallee 55
- Setzer 24/7-Shop Wolpertshausen, Birkichstraße 2
Die Liste – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – umfasst SB-Läden ohne Personal, aber auch personalbetreute Geschäfte mit Sonntagsöffnung wie den Dorfladen Jagsthausen. Hinzu kommen natürlich viele sogenannte Automaten-Shops, die vor allem in Heilbronn vertreten sind. Auch zahlreiche Landwirte bieten ihre Produkte an, auch hier haben viele Betriebe in Automaten investiert.
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