SB-Kassen und Diebstahl im Raum Heilbronn: Händler setzen auf Technik und Kontrolle
Selbstbedienungskassen breiten sich im Einzelhandel aus. Und auch Ladendiebstähle häufen sich. Senken die Scankassen die Hemmschwelle und begünstigen das Klauen?

Das Konzept wirkt wie eine Vereinfachung für die Händler: An Selbstbedienungskassen (SB-Kassen) können Kunden ihre Waren eigenständig scannen. Das spart Mitarbeiter am Warentransportband. Aber sind die SB-Kassen in Supermärkten und im Einzelhandel mit vermeintlich weniger Personalaufwand nicht geradezu eine Klau-Einladung?
Studien gehen deutschlandweit von einem Diebstahlschaden im Einzelhandel von 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2024 aus. Laut Frank Horst vom Handelsforschungsinstitut EHI sorgen die SB-Kassen für eine Zunahme der Ladendiebstähle um 15 bis 30 Prozent. Welchen Zusammenhang sehen die Einzelhändler der Region zwischen der zunehmenden Verbreitung von SB-Kassen und Langfinger-Vergehen?
Im Landkreis Heilbronn: „Ladendiebstahl ist ein wachsendes Problem“
Steffen Ueltzhöfer, der unter anderem in Heillbronn, Neuenstadt und Untergruppenbach Edeka-Märkte betreibt, setzt seit 2018 SB-Kassen ein. Ueltzhöfer erklärt: „Ladendiebstahl ist ein wachsendes Problem, eine Kombination vieler Komponenten, besonders der organisierten Banden. Eine Zuordnung Richtung Selbstscannerkassen ist nur schwer ermittelbar. Gefühlt nimmt die Thematik aber deutlich zu.“
Von der Technik der Kassen ist Steffen Ueltzhöfer überzeugt. Nicht auszuschließen seien auch unbewusste Fehler der Kunden, die mit der Selbstscan-Methode nicht zurechtkommen. Allerdings seien die SB-Kassen in den Ueltzhöfer-Filialen personell immer besetzt. Schon wegen des Jugendschutzes. Zudem setzt Ueltzhöfer in seinen Filialen Kamera-Technik ein, um Diebstähle zu minimieren. Andere Händler setzen beispielsweise auch Künstliche Intelligenz (KI) zum Schutz gegen Diebe ein.
Selbstbedienungskassen: Manche Kunden scannen auch unabsichtlich falsch
Der Lebensmittel-Händler Kaufland setzt SB-Kassen als Ergänzung zu klassischen Bedienkassen seit 2015 ein. Beispielsweise sind diese in Filialen in Eppingen, Heilbronn, Ilsfeld und Neckarsulm in Nutzung. Dominik Knobloch von der Kaufland-Unternehmenskommunikation: „Ladendiebstahlsfeststellungen machen weit weniger als ein Promille unserer Kundenkontakte aus. Um uns vor Ladendiebstahl zu schützen, setzen wir Detektive ein. Unser SB-Kassenbereich ist zudem durch eine Ausgangsschranke geschützt. Zum Öffnen muss der Barcode auf dem Kassenzettel gescannt werden.“
Von der Drogeriemarktkette dm gibt es in Heilbronn vier Filialen. In drei davon können die Kunden ihre Einkäufe an SB-Kassen bezahlen. Der dm-Gebietsverantwortliche Hauke Flöter sieht auch im gelegentlich unsicheren Umgang der Käufer mit der Technologie eine Fehlerquelle: „An SB-Kassen stehen Kunden manchmal vor der Herausforderung, Produkte versehentlich doppelt zu scannen. Dann besteht die Möglichkeit, den Doppel-Scan selbstständig zu korrigieren oder die Unterstützung des dm-Teams in Anspruch zu nehmen.“
Einzelhandel: Selbstbedienungskassen senken die Hemmschwelle
Diebstähle kommen auch in Selbstbedienungsläden von Landwirten vor. Hier scannen Kunden normalerweise die Ware ab oder rechnen die Summe aus und legen das Geld in die Kasse. Die Läden sind meist videoüberwacht. „Diebstahl hat man immer“, sagt Christian Bauer, Landwirt aus Öhringen-Büttelbronn.
Thorsten Frank beschäftigt sich ebenfalls mit Langfingern. Er ist Inhaber des Edekas in Flein. SB-Kassen hat er nicht im Einsatz. „Die Diebstahl-Zahl steht und fällt mit der Aufmerksamkeit der Mitarbeiter“, sagt er. Bei SB-Kassen seien die Hemmungen für Manipulationen niedriger als bei klassischen Kassen.
Langfristig kann sich Frank vorstellen, SB-Kassen einzusetzen. „Da brauchen wir aber eine feste Person, die das kontrolliert. Wenn Händler meinen, hierbei komplett auf Personal zu verzichten, tun sie sich keinen Gefallen.´“
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