Stimme+
Marihuana

Inoffizieller Feiertag der Cannabis-Fans: Was hat die Legalisierung gebracht?

   | 
Lesezeit  2 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Die Menge an importiertem Medizinalcannabis ist in Deutschland so hoch, wie in keinem anderen Land. Mehr Anbauvereine sollen dem abhelfen. 


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Anhänger der Cannabiskultur auf der ganzen Welt feiern am 20. April den sogenannten 420. Die Zahlenkombination weist auf die US-amerikanische Schreibweise des Datums hin. Zudem zünden sich Cannabis-Fans um 16:20 Uhr (4:20 pm) weltweit einen Joint an und feiern somit den Konsum von Cannabis.

Der Zwischenbericht der Expertenkommission zur Evaluierung des Konsumcannabisgesetzes ist gut zwei Wochen alt. Das am 1. April vor zwei Jahren von der damaligen Ampelregierung verabschiedete Gesetz erlaubt den Konsum von berauschenden Cannabisprodukten unter bestimmten Bedingungen.

Nach Cannabis-Legalisierung: „Massiver Rückgang“ bei Prävention im Raum Heilbronn

Außerdem wurde der private Eigenanbau von Cannabis durch Erwachsene sowie der gemeinschaftliche, nichtgewerbliche Eigenanbau zum Eigenkonsum in Anbauvereinigungen in Deutschland legalisiert. Vertreter aus der Region und Experten haben einen differenzierten Blick auf das Zwischenergebnis. Ein Ergebnis der Evaluierung: Die Wirkung auf den Jugendschutz sei unzureichend.


Mehr zum Thema

Stimme+
Meinung
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Zwei Jahre nach Cannabis-Legalisierung: Es ist noch viel Arbeit nötig


Diese Erkenntnis deckt sich mit den Erfahrungen der Jugend- und Suchtberatung in Heilbronn. Vor der Einführung des Gesetzes seien Jugendliche, die mit Cannabis erwischt worden waren, verpflichtend von der Justiz dorthin überstellt worden. „Das passiert nicht mehr. Wir haben einen massiven Rückgang“, sagt der stellvertretende Leiter Rouven Siegele. Wichtige Präventionsarbeit könne der Verein in Gesprächen mit den Jugendlichen dadurch nicht mehr leisten. Auf was der 54-Jährige zudem aufmerksam macht: „Bei vielen, die wegen eines Cannabisvergehens zu uns kamen, haben wir einen Mischkonsum anderer Drogen festgestellt.“ Dies falle nun weg.

Großer Markt für medizinisches Cannabis in Deutschland – „mit fünf Klicks online bestellen“

Seit der Einführung des Gesetzes hat sich Deutschland zum größten legalen Markt für Medizinalcannabis entwickelt. 2025 seien bis zu 200 Tonnen medizinisches Cannabis legal-kommerziell eingeführt worden. Es gebe in keinem anderen europäischen Land einen legalen Cannabismarkt in dieser Größenordnung. Vieles wird übers Internet bestellt. Der Anteil des gekauften Cannabis bei Onlineapotheken wächst rasant an.

Die Kritik am Umgang mit Medizinalcannabis kennt auch Sebastian Sobota. Der stellvertretende Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden hat als Co-Sachverständiger eine Stellungnahme zum Gesetzesentwurf abgegeben. „Mit der Verfügbarkeit des medizinischen Cannabis findet faktisch eine Legalisierung statt. Mit fünf Klicks kann ich es online bestellen.“

Nach Cannabis-Legalisierung: Werden Regeln für Anbauvereine lockerer?

Eine Empfehlung des Zwischenberichts sei, dass es mehr Anbauvereine bräuchte, erklärt Sobota. Neben dem aufwendigen Eigenanbau seien mehr niedrigschwelligere Bezugswege notwendig. „Dann würde sich auch das Problem des mutmaßlichen Missbrauchs von Medizinalcannabis erledigen.“ Er ist der Meinung, dass die Regeln für Anbauvereine gelockert werden müssten. „Sie werden behandelt, als würden sie Plutonium herstellen“, sagt der 41-Jährige. 

Legalisierung von Cannabis: Auswirkungen auf Heilbronner Polizei?

Für die Polizei ist es bisweilen schwieriger geworden, das Handeltreiben nachzuweisen. Erwachsene dürfen 25 Gramm Cannabis mit sich führen, zu Hause sind gar 50 Gramm erlaubt. Dealer auf der Straße haben möglicherweise nicht mehr als die erlaubte Menge dabei. „Wir müssen das Verkaufsgeschäft observieren“, sagt Frank Belz (54), Pressesprecher des Heilbronner Präsidiums.

Ob die Staatsanwaltschaft Heilbronn seit Einführung des Gesetzes deshalb in mehr oder weniger Verfahren wegen des Handeltreibens ermittelte, konnte eine Sprecherin nicht sagen. Bevor das Gesetz eingeführt wurde, habe man nicht zwischen Betäubungsmitteln unterschieden.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben