Audi belegt letzten Platz in US-Qualitätsranking – Autofahrer melden Probleme
Ein auf Datenanalyse spezialisiertes US-Unternehmen hat amerikanische Autofahrer befragt, wie viele Probleme bei ihren Autos auftreten. Audi landet bei dem Qualitätsranking auf dem letzten Platz unter 31 Automarken, dabei plant die Firma derzeit dort ein eigenes Werk.
Audi hat in den vergangenen eineinhalb Jahren Rückschläge bei Absatz, Umsatz und Gewinn hinnehmen müssen. Nun aber soll mit der laufenden Modelloffensive die Kehrtwende kommen. „Bei Audi stehen die Zeichen auf Aufbruch“, sagt CEO Gernot Döllner.
Nachdem zu Beginn des Jahres in Fachmedien vermehrt Kritik an der Qualität der Fahrzeuge mit den vier Ringen aufkam, hat der Hersteller zuletzt deutlich nachgebessert. Das zeigt auch ein Test der Heilbronner Stimme mit dem neuen Audi A6 Avant aus Neckarsulm. Doch nun sorgt ein verheerendes Ergebnis in einem amerikanischen Qualitäts-Ranking für negative Schlagzeilen.
Audi bei US-Qualitätsranking Schlusslicht: So schneiden andere deutsche Marken ab
Die jüngste Ausgabe der „Initial Quality Study“ (IQS) von J.D. Power sorgt in der deutschen Automobilbranche aktuell für ziemliche Wirbel. Pro 100 Fahrzeuge nennen amerikanische Fahrerinnen und Fahrer bei Modellen von Audi im Schnitt 269 Probleme. Damit belegt die VW-Tochter den 31. und letzten Platz in dem Qualitäts-Ranking.
Die anderen deutschen Marken schneiden nicht viel besser ab. VW landet mit 225 Problemen auf dem viertletzten Rang, Mercedes-Benz mit einem Wert von 210 nur knapp davor. BMW platziert sich mit 196 Problemen im Mittelfeld. Der Mittelwert der neuen J.D.-Power-Qualitätsstudie liegt bei 192.
„Aktuell findet eine Analyse der Ergebnisse statt. Parallel dazu haben wir ein Maßnahmenprogramm aufgesetzt, um die beanstandeten Punkte zu bearbeiten und unsere Qualität kontinuierlich weiter zu verbessern“, teilt ein Audi-Sprecher auf Anfrage mit.
Kritik an Audi-Qualität aus den USA: So geht das Unternehmen damit um
Bei Audi nimmt man das Ergebnis sehr ernst, betrachtet aber auch die Resonanz auf die neuen Modelle. „Unsere neuen Modelle erhalten sowohl von Medien als auch von Kunden positives Feedback. Das gilt für Antrieb und Fahrdynamik ebenso wie für Ausstattung und Interieur-Erlebnis“, sagt der Audi-Sprecher gegenüber unserer Redaktion. Dazu würden auch Auszeichnungen wie zuletzt beim Best Cars Awards (Leserwahl „Auto Motor und Sport“) gehören. Hier holte der Audi Q6 E-Tron den Titel „German Car of the Year” in der Kategorie „New Energy“.
Der Unternehmenssprecher verweist darauf, dass Audi eine komplett neue Plattform und eine neue Elektronikarchitektur eingeführt habe, die schnell auf eine Vielzahl an Modellen ausgerollt wurde. „Wir haben ein Maßnahmenprogramm aufgesetzt, um unsere Qualität kontinuierlich weiter zu verbessern. Dies betrifft sowohl die Hardware als auch Software und umfasst kurzfristige sowie mittelfristige Maßnahmen“, sagt der Sprecher.
Eigenes Werk und Wachstum: Audi hat große Pläne für den amerikanischen Markt
Ausgerechnet in den USA kommt das schlechte Abschneiden im Qualitäts-Ranking für Audi zur Unzeit. Der Hersteller treibt aktuell seine Planungen für ein eigenes Werk in den Staaten voran.„Neben China und Europa soll der US-Markt die dritte große Säule für uns werden“, sagt Audi-Chef Döllner. „In Nordamerika werden wir bis Ende nächsten Jahres zehn neue Modelle auf den Markt bringen.“
Mittelfristig plant das Unternehmen dort mit 250.000 bis 300.000 verkauften Fahrzeugen jährlich. Zuletzt hat Audi im vergangenen Jahr in den USA etwas mehr als 230.000 Fahrzeuge ausgeliefert. Zuletzt hat Audi einen herben Absatzeinbruch in den USA erlitten. Im zweiten Quartal lieferte das Unternehmen 39.241 Fahrzeuge aus und damit 19 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Audi-Werk in den USA? Das hält der Betriebsrat davon
Grünes Licht für ein eigenes Audi-Werk in den USA gibt es wohl erst im November bei der Planungsrunde des VW-Konzerns, in der große Investitionen und die Werkbelegung festgezurrt wird. Zudem tritt die Arbeitnehmerseite bei dem Thema aktuell auf die Bremse. „Können wir es uns leisten, in den USA ein neues Werk zu bauen, wenn unsere eigenen Werke in Deutschland nicht ausgelastet sind“, hatte Gesamtbetriebsrat Rainer Feigenspan unlängst bei der Betriebsversammlung in Neckarsulm in Richtung des Vorstands gefragt. „Als Arbeitnehmervertretung haben wir hier eine klare Meinung: Unsere Auslastung muss gesichert sein. Wir sagen: bevor wir keine Auslastung der deutschen Werke haben, kann es auch kein Werk in den USA geben.“
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