Stimme+
Krise bei Autobauer
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Vertrag von Audi-Chef Döllner soll verlängert werden – Aufsichtsratssitzung steht an

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Seit September 2023 ist Gernot Döllner CEO von Audi. Er soll dem Vernehmen nach den Autobauer auch weiter führen. Dabei warten große Aufgaben auf den 56-Jährigen.


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Als sich im Sommer 2023 die Nachricht verbreitete, wer den Chefposten bei Audi übernehmen soll, hatten nur wenige den Namen Gernot Döllner auf dem Zettel. Der 56-Jährige, einst Baureihenleiter bei Porsche und zuletzt Chefstratege des VW-Konzerns, galt zwar als Kandidat für einen Vorstandsposten, aber Döllner wurde gleich zum Vorstandsvorsitzenden der kriselnden Marke Audi erkoren. „Gernot Döllner ist einer, der langfristig denkt und die Dinge zu Ende bringt“, sagt einer, der damals die Entscheidung miteingebunden war.

Audi: Vertrag von Gernot Döllner soll im September um fünf Jahre verlängert werden

Zu Ende ist der Weg bei Audi noch lange nicht, das Unternehmen steckt schon länger in der Krise. Zuletzt hat der Autobauer für das erste Halbjahr einen Gewinneinbruch von 37,5 Prozent vermelden müssen. Lange gab es keine neuen Modelle, der Markt in China schwächelt und die Kosten sind davon gelaufen. „Döllner hat viele Projekte angeschoben, die aber erst nach und nach ihre Wirkung zeigen werden“, sagt ein Topmanager aus dem Umfeld der Konzernspitze.

Nun ist aus Unternehmenskreisen zu hören, dass der Vertrag des Audi-Chefs um fünf Jahre verlängert wird. Im September tagt der Aufsichtsrat am Standort Neckarsulm, dann soll der neue Kontrakt besiegelt werden. Der Vertrag hätte dann eine Laufzeit bis Ende August 2031.

Audi-Kosten müssen deutlich runter – 7500 Stellen fallen bis Ende 2029 weg

Döllners Ex-Marke Porsche schwächelt derzeit ebenfalls, dennoch sieht der Audi-CEO den Sportwagenbauer nach wie vor als sehr schlankes und effizientes Unternehmen. Davon sei Audi weit entfernt, beklagen die Eigentümer-Familien des VW-Konzerns, der Piëch- und Porsche-Clan. Daher muss Döllner quer durch die Firma den Rotstift ansetzen. Er muss – auch wenn das nicht jedem gefällt“, sagt einer aus dem Aufsichtsrat.

Ob Absatz oder Gewinn: Zuletzt zeigten die Zahlen bei der Marke mit den vier Ringen nach unten. Die operative Rendite dümpelt im ersten Halbjahr bei 1,8 Prozent vor sich hin. Oder anders gesagt: Von 1000 Euro Umsatz bleiben gerade einmal 18 Euro Gewinn übrig. CEO Döllner geht die vielen Baustellen der einstigen Ertragsperle parallel an.

Schließlich soll Audi mittel- und langfristig 13 Prozent oder besser noch mehr Rendite erwirtschaften. Ohne sparen geht das nicht: 7500 Stellen fallen bis Ende des Jahrzehnts weg, die Kosten in der Produktion und der Technischen Entwicklung sollen deutlich sinken. Allein bei den Personalkosten will das Unternehmen mittelfristig mehr als eine Milliarde Euro einsparen.

Audi-Aufsichtsrat: „Gernot Döllner geht Dinge an, die auch weh tun“

Mit seiner, so erzählt man sich, mitunter aufbrausenden Art, macht sich Audi-Chef Döllner nicht nur Freunde im Haifischbecken Ingolstadt, dem Stammsitz des Autobauers. Vor allem in der Technischen Entwicklung, die in den vergangenen zehn Jahren zehn Vorstände an der Spitze verschlissen hat, werden Döllners Aktivitäten kritisch beäugt.

Eine Führungsebene ist rausgefallen, von bis zu 2000 wackelnden Stellen wird intern spekuliert. „Gernot Döllner geht Dinge an, die auch weh tun“, sagt ein Aufsichtsrat. „Wir haben bei Audi aber auch nicht mehr so viele zweite Chancen. In den nächsten Jahren muss die Wende kommen.“

Nächstes Jahr soll sich die große Audi-Modelloffensive voll entfalten

Lange Zeit hat Audi kein neues Fahrzeug auf den Markt gebracht. Nun läuft seit März 2024 die größte Modelloffensive in der Unternehmensgeschichte, die bis Ende des Jahres 20 Neuheiten bringt. Insbesondere in Westeuropa steigt der Auftragseingang kontinuierlich an. Vor allem die Verbrennermodelle sind stark nachgefragt – A5 und A6 aus Neckarsulm werden in drei Schichten gefertigt, im Juni und Juli gab es teilweise sogar Sonderschichten an den Wochenenden.

Im ersten, spätestens zweiten Quartal 2026 sollen die vielen neuen Modelle in nahezu allen Märkten weltweit verfügbar sein. Dann soll endlich auch der Absatz wieder anziehen. 2024 hat Audi 1,67 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert. Unseren Informationen zufolge peilt der Autobauer für nächstes Jahr mit einem Volumen von 1,8 Millionen Einheiten.

Das wäre ein Zuwachs von knapp acht Prozent gegenüber 2024. Um das angekratzte Image aufzupolieren, setzt Audi nach langen Diskussionen eines seiner lang geplanten Leuchtturmprojekte um: Künftig wird in den Böllinger Höfen in Heilbronn ein vollelektrischer Sportwagen gebaut. Er startet 2027. Bis dahin soll die Marke mit den vier Ringen nach dem Willen Döllners wieder auf Kurs sein.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben