Kein Vertrauen in die Rente – was sich die Deutschen für die Altersvorsorge wünschen

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Die Altersvorsorge in Deutschland steckt in einer tiefen Krise, wie eine Umfrage der Deutschen Bank und DWS zeigt. Die Bürger vermissen Reformen der Politik.


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Bei der Altersvorsorge liegt in Deutschland einiges im Argen. Einerseits ist das Vertrauen der Bevölkerung in die gesetzliche Rente tief erschüttert. Andererseits lässt die private Vorsorge bei vielen Bürgerinnen und Bürgern zu wünschen übrig. Das sind zentrale Ergebnisse des Altersvorsorge-Reports 2025, den die Deutsche Bank und ihre Fondstochter DWS Ende März veröffentlicht haben.

Im Auftrag der Deutschen Bank und der Fondsgesellschaft DWS hat das Meinungsforschungsinstitut Civey vom 25. August bis zum 5. September 2025 insgesamt 3200 Bürgerinnen und Bürger im Alter von 18 bis 65 Jahren online befragt. Die Ergebnisse wurden nach soziodemografischen Merkmalen gewichtet, um eine repräsentative Abbildung der Bevölkerung zu gewährleisten, teilt die Deutsche Bank mit. 

Wird die Rente zu einer Grundsicherung?

Die Zukunft der Altersvorsorge steckt demnach in einer veritablen Vertrauenskrise. Denn 83 Prozent der Befragten bezweifeln die langfristige Verlässlichkeit des deutschen Rentensystems. Das ist ein dramatischer Anstieg im Vergleich zur vorangegangenen Umfrage im Jahr 2019: Damals zweifelte nur gut die Hälfte der Bundesbürger (54 Prozent) am Rentensystem. Vier von fünf Befragten gehen aktuell davon aus, dass die gesetzliche Rente künftig nur noch eine Grundsicherung ist. Die tiefe Skepsis zieht sich quer durch alle Altersgruppen, wobei die Jüngeren zwischen 18 und 29 Jahren besonders pessimistisch sind.

Angesichts dieser Umfrageergebnisse überrascht es nicht, dass das Thema die Menschen emotional beschäftigt. 54 Prozent der Befragten sagten, das Thema Altersvorsorge mache ihnen Angst. Das gilt besonders für Jüngere und für Haushalte mit einem niedrigen Einkommen. Auch die Frage der Generationengerechtigkeit treibt die Bürger um. 73 Prozent sehen die junge Generation im Nachteil, 78 Prozent sind überzeugt, dass das Solidarprinzip nicht mehr so gut funktioniert wie früher. Wie die Studienautoren schreiben, berührt die Frage der Altersvorsorge damit das Vertrauen in gesellschaftlichen Zusammenhalt und Fairness zwischen den Generationen.

Bürger wünschen sich bei der Rente klare Regeln und verlässliche Strukturen

Das Vertrauen der Bürger in die Politik ist gering. 86 Prozent sind der Meinung, dass die Politik das Thema Altersvorsorge nicht ernst genug behandelt. Die Bürger wünschen sich hier entschlosseneres Handeln, klare Regeln und verlässliche Strukturen, die Orientierung bieten und Eigeninitiative ermöglichen. Denn dass Eigeninitiative in Form von privater Vorsorge bitter nötig ist, ist der Mehrheit durchaus klar. 58 Prozent der Befragten befürworten demnach eine verpflichtende private Altersvorsorge.

Grundsätzlich gibt es in der Bevölkerung eine große Offenheit hinsichtlich neuer Modelle. So sprechen sich 74 Prozent für Reformen aus, die Generationengerechtigkeit fördern. Knapp die Hälfte (49 Prozent) hält es für gerecht, junge Menschen bei ihren Beiträgen zur Rentensicherung zu entlasten.

Höheres Renteneintrittsalter stößt in Deutschland überwiegend auf Ablehnung

Reformen in der Altersvorsorge finden vor allem dann Zustimmung, wenn sie einen erkennbaren persönlichen Nutzen haben. Eine deutliche Mehrheit von 78 Prozent lehnt ein immer wieder diskutiertes höheres Renteneintrittsalter ab. Der von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten Frühstart-Rente stimmen dagegen 60 Prozent zu – dabei zahlt der Staat monatlich zehn Euro in ein kapitalgedecktes Depot für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr bis zur Volljährigkeit.

Drei Viertel der Befragten (74 Prozent) wären bereit, freiwillige Zusatzbeiträge zu zahlen, um früher in Rente gehen zu können. Für die Studienautoren ist damit klar: „Menschen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen – wenn Reformen fair, verständlich, aber auch an den eigenen Bedürfnissen orientiert sind.“

Private Altersvorsorge: Kluft zwischen Einsicht und Handeln

Gleichwohl klafft bei der immer wichtiger werdenden privaten Vorsorge eine deutliche Kluft zwischen Einsicht und Handeln. Nur 14 Prozent der Befragten haben umfassend privat vorgesorgt. Gut ein Drittel (38 Prozent) hat zumindest geringe Rücklagen gebildet, etwa ein Viertel (24 Prozent) plane solche für die Zukunft. Dagegen tut jeder Fünfte (21 Prozent) gar nichts für die private Altersvorsorge.


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Wenn privat vorgesorgt wird, sind Sicherheit, Verständlichkeit und Planbarkeit den Menschen wichtiger als die Rendite. So nutzt gut die Hälfte (51 Prozent) Lebens- oder Rentenversicherungen, die üblicherweise nicht sehr gut verzinst sind, dafür aber eine hohe Sicherheit bieten. Jeder dritte Befragte (34 Prozent) nutzt Riester-Produkte, für die dieser Befund ebenfalls zutrifft. Renditeträchtigere Anlagen wie börsengehandelte Indexfonds (ETFs) nutzen nur 27 Prozent der Befragten, Aktien sogar nur jeder Vierte (25 Prozent).

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„Die Zahlen sind ein Weckruf“, sagt Anna Pfau, Leiterin Monitoring und Datenanalyse bei der Deutschen Bank. „Es genügt nicht, nur an die Dringlichkeit zu appellieren. Wir müssen die emotionalen Hürden ernst nehmen und abbauen.“

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