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Verzögerung bei Neuanläufen

Betriebsrat von Audi mahnt bessere Auslastung für Standort Neckarsulm an

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Bei der ersten Betriebsversammlung von Audi in Neckarsulm waren die schwache Auslastung und die Neuanläufe beherrschende Themen. Als Überraschungsgast stand Konzernchef Oliver Blume auf der Bühne.

Neckarsulms Betriebsratschef Rainer Schirmer tauschte sich bei einer Talkrunde mit Konzernchef Oliver Blume (kleines Foto) über aktuelle Themen aus.
Neckarsulms Betriebsratschef Rainer Schirmer tauschte sich bei einer Talkrunde mit Konzernchef Oliver Blume (kleines Foto) über aktuelle Themen aus.

Am Donnerstag gab es im Audi-Werk Neckarsulm zahlreiche Fahrzeuge zu sehen, die sonst nicht einmal die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Gesicht bekommen. Zahlreiche Mitglieder des Vorstands sind selbst in den mit schwarz-weißer Folie getarnten Prototypen von Ingolstadt nach Neckarsulm gefahren. Sie saßen hinter dem Lenkrad der beiden neuen Modelle A5 und A7, die noch in diesem Jahr im Werk des Autobauers in der Region an den Start gehen werden.

„Die Anläufe in den kommenden Jahren werden trotz der Entzerrung herausfordernd. Das wird uns allen einiges abverlangen“, sagte Audi-Chef Gernot Döllner in seiner Rede an die rund 2800 Beschäftigten. „Aber ich bin überzeugt: Eure Vorbereitungen wie Umbaumaßnahmen und Qualifizierungen werden sich jetzt auszahlen. Ich saß schon mehrfach im neuen A5 und A7, erst heute früh noch. Und ich kann euch sagen: Diese Autos machen Spaß, darauf können wir uns alle freuen.“


2024 wird ein schwieriges Jahr für Audi in Neckarsulm und am Heilbronner Standort Böllinger Höfe

Trotz der beiden Neuanläufe wird 2024 ein Jahr, in dem die Zahl der produzierten Fahrzeuge in Neckarsulm und am Heilbronner Standort Böllinger Höfe wohl noch einmal nach unten gehen wird. Nach Informationen der Heilbronner Stimme ist dieses Jahr ein Produktionsvolumen von etwa 130.000 Fahrzeugen geplant, 2023 waren es noch knapp 162.000. Zum einen fehlen für die aktuellen Modelle A6, A7 und A8 immer wieder Bauteile von Zulieferern für die Motoren.

Zum anderen läuft Ende des Monats die Produktion des Sportwagens R8 aus. Zudem hat die Nachfrage für das Elektroauto E-Tron GT spürbar nachgelassen. Größtes Problem ist allerdings die Verzögerung bei den Neuanläufen. Aktuell ist der Produktionsstart des A5 (intern B10) dem Vernehmen nach für die Kalenderwoche 27 (Anfang Juli) vorgesehen, geplant war ursprünglich die Kalenderwoche 13. Die Produktion des neuen A7 (intern C9) wird wohl erst im Spätherbst losgehen. Wenn beide Fahrzeuge 2025 in vollem Umfang erhältlich sein werden, dürfte die Zahl der produzierten Fahrzeuge wieder deutlich über 200.000 steigen.

 

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Wird bald E-Sportwagen von Audi an den Böllinger Höfen produziert?

Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Alexander Reinhart forderte das Unternehmen unter anderem dazu auf, auch in den kommenden Jahren für eine stabile Auslastung zu sorgen. Trotz der anstehenden Anläufe sei diese in den kommenden Jahren noch nicht ausreichend, so Reinhart. Auch die beiden für 2027 angekündigten A8-Nachfolger Landjet und Landyacht würden nicht für ausreichend Auslastung sorgen. „Wir wollen arbeiten. Wir wollen zum Unternehmenserfolg beitragen. Sichern Sie die Auslastung unseres Werks und entscheiden Sie weitere Modelle“, forderte er den Audi-Vorstand auf. Dazu gehöre auch eine Entscheidung für die Böllinger Höfe. „Sie zählen zu den modernsten Standorten des Unternehmens. Wir brauchen für die Produktion dort passende Nachfolger, um die Belegung zu sichern“, so Reinhart.

Eine mögliche Option ist ein neuer Sportwagen. Nach Informationen der Heilbronner Stimme prüft das Unternehmen gerade intensiv, einen vollelektrischen Zweisitzer zu entwickeln und in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts in Heilbronn zu produzieren. Vorbild für das Projekt, das intern den Namen „Avus“ trägt, ist die Baureihe 718 von Porsche, die ab Ende 2025 ebenfalls elektrisch unterwegs sein wird. „Es wird gerade geprüft, wie sich so ein Auto finanziell darstellen lässt“, sagt ein Insider gegenüber unserer Zeitung. 

„Sparen Sie nicht an unserer Zukunft“

In seiner Rede ging Betriebsrats-Vize Reinhart auch auf das Thema Sparen ein. Auch Audi müsse aufgrund Konzernvorgaben Geld einsparen. Durch eine vom Vorstand ausgegebene Haltelinie gerieten Zukunftsprojekte in Gefahr, da entsprechende Stellen nicht besetzt werden würden, so Reinhart. Er forderte trotz der angespannten Kostensituation eine strategische Personalplanung: „Sparen Sie jetzt nicht an der falschen Stelle. Denn es geht um unsere Zukunft.“ Zur Erinnerung: Im Dezember 2023 musste das Unternehmen die Entscheidung treffen, sich von allen 600 Zeitarbeitern zu trennen.


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Hoffnung macht aber das Signal von Werkleitung und Betriebsratsspitze, dass mit dem Hochlauf des neuen A5 im zweiten Halbjahr 2024 der Personalbedarf wieder steigen wird. Damit besteht dem Vernehmen nach für viele Zeitarbeiter wieder die Chance auf Beschäftigung. „Der Standort Neckarsulm hat in den vergangenen Monaten deutlich mehr Flexibilität gezeigt als andere Standorte“, lobte Audi-CEO Döllner in seiner Rede. „Trotz aller Herausforderungen beweist ihr immer wieder aufs Neue Mut, Innovationsgeist und Engagement.“  

Konzernchef Blume zu Gast

Als besondere Überraschung war auch Oliver Blume zu Gast in Neckarsulm. Der Vorstandsvorsitzende des VW-Konzerns nahm gemeinsam mit dem Neckarsulmer Betriebsratsvorsitzenden Rainer Schirmer an einer Talkrunde teil. „Ich freue mich immer wieder, zu den Kolleginnen und Kollegen bei Audi zu kommen“, so Blume. „Hier bei Audi bin ich 1994 in meine Berufslaufbahn gestartet und war knapp zehn Jahre lang in verschiedenen Funktionen Teil des starken Teams mit den vier Ringen. Das prägt.“ In der Talkrunde mit Schirmer ging es um aktuelle Themen.

Unter anderem sprachen die beiden über die aktuellen Herausforderungen und Chancen im VW-Konzern sowie die momentane politische Situation in Deutschland. Blume, der als erster Vorstandsvorsitzende eines DAX-Konzerns bereits im Februar auf einer Demonstration für Demokratie und Zusammenhalt in Wolfsburg sprach, erinnerte auch in Neckarsulm daran, dass Demokratie und Freiheit keine Selbstverständlichkeit seien. Hier gelte es aktiv teilzunehmen und sich zu engagieren. Schirmer fügte an: „Als Betriebsrat stehen wir für eine offene, vielfältige und bunte Gesellschaft, die sich auch in der Audi-Belegschaft spiegelt.“

Ehrenrunde der Dakar-Sieger

Ein herzliches Willkommen erlebte das Team Audi Sport nach dem Sieg bei der Rallye Dakar in seiner Heimat. In Neckarsulm zeigten sich die Gewinner Carlos Sainz/Lucas Cruz ebenso wie ihre Teamkollegen Emil Bergkvist und Stéphane Peterhansel/Edouard Boulanger vor der Betriebsversammlung der Belegschaft. Auch der Vorstand empfing die erfolgreichen Motorsportler, die mit ihren elektrisch angetriebenen Offroad-Prototypen über die beiden Werksgelände fuhren und zahlreiche Autogramme schrieben. Nach zwei glücklosen Jahren hat Audi bei seinem dritten und letzten Werkseinsatz bei der Rallye Dakar die Nase vorne.

Rallye-Legende Carlos Sainz und sein Beifahrer Lucas Cruz brachten ihren Rennwagen, der im Motorsportzentrum Neuburg an der Donau unweit von Ingolstadt entstanden ist, im Januar als Gesamtsieger über die Ziellinie des härtesten Offroad-Rennens der Welt. Als erster Hersteller überhaupt gelang Audi der Triumph bei der Dakar mit einem Fahrzeug mit elektrischem Antriebsstrang. „Wir haben damit ein Stück Motorsportgeschichte geschrieben“, sagt Audis Motorsportchef Rolf Michl, der auch Geschäftsführer der Tochterfirma Audi Sport GmbH mit Sitz in Neckarsulm ist.

 

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